Autobranche : Elektroautos: Watt abgeht

KommentarAutobranche : Elektroautos: Watt abgeht

Obwohl das Rennen um den Fahrzeugantrieb der Zukunft noch längst nicht entschieden ist und Elektroautos noch lange ein Nischenprodukt bleiben werden, hat die Bundesregierung noch kurz vor der Wahl einen Aktionsplan Elektromobilität beschlossen. Die deutsche Autoindustrie wird’s freuen - mit Steuermitteln kann sie nun Techniken weiterentwickeln, denen sie jahrelang keine Chance gab.

"Erleben, was bewegt", lautet das Motto der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung (IAA), die in wenigen Wochen in Frankfurt ihre Pforten öffnet.

Schon jetzt lässt sich absehen: Die Stars der Show werden Elektromobile sein. Beinahe jeder Hersteller und auch viele Zulieferer werden Konzeptfahrzeuge präsentieren, die mit Hilfe von Elektromotoren, Generatoren und einer Batterie angetrieben werden.

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Andere Ausstellungsstücke werden über einen Hybridantrieb verfügen, bei dem ein Verbrennungsmotor von einem Elektroantrieb unterstützt wird oder die großvolumige Autobatterie unterwegs mit Hilfe eines benzin- oder dieselgetriebenen Aggregats wieder aufgeladen werden wird. Die Besucher werden daraus die Botschaft ableiten: Die Zukunft gehört dem Elektromobil.

Schon jetzt können sich viele Menschen vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen. Etwa 36 Prozent der potenziellen Neuwagenkäufer, ergab dieser Tage eine Umfrage des Energieversorgers Aral (der derzeit noch vornehmlich mit fossilen Brennstoffen handelt), können sich vorstellen, ein E-Mobil zu erwerben.

Voraussetzung: Der Stromer darf nur geringfügig teurer sein als ein konventionell angetriebenes Auto.

Und mit einer Akkuladung sollte das Auto wenigstens 300 Kilometer weit kommen. Und natürlich sollte es den gleichen Komfort und die gleichen Fähigkeiten besitzen wie ein Auto heutiger Bauart, vielleicht sogar einen Wohnwagen ziehen oder mit 200 km/h über die Autobahn flitzen können.

Billig werden die ersten Elektroautos nicht

Davon sind die Elektroautos heutiger Bauart noch meilenweit entfernt.

Das Elektro-Ei namens MIEV, das Mitsubishi im kommenden Jahr auf den Markt bringen will, bietet zwar Platz für vier Personen, kommt mit einer Batterieladung aber nur maximal 140 Kilometer weit. Wenn man die Klimaanlage einschaltet, muss das Wägelchen schon nach 100 Kilometern zurück an die Steckdose.

Der 120.000 Euro teure Tesla Roadster kommt mit einer Akkuladung zwar schon rund 200 Kilometer weit, bietet aber nur Platz für zwei und den Komfort einer Seifenkiste. Die 7000 Lithium-Ionen-Batterien, die den Sportwagen antreiben, sollen zwar vier bis fünf Jahre halten. Doch dann wird ein neuer Satz Akkus fällig – für rund 30.000 Euro.

Nein, billig werden die ersten Elektroautos der neuen Generation nicht werden, können sie in Anbetracht des technischen Aufwands auch nicht werden. Insofern verwundert es mich etwas, dass sich die Autoindustrie – auch die deutsche – nun mit solcher Wucht auf diese Antriebsform wirft.

Noch im Frühjahr hatten die Vorstände von VW, BMW, Daimler und Bosch vor Euphorie gewarnt und darauf verwiesen, dass serienreife Autos mit Elektroantrieb noch wenigstens zehn Jahre bräuchten, um in großen Stückzahlen produziert und verkauft werden zu können.

Doch die Japaner und Chinesen haben diesen Zeitplan offenbar über den Haufen geworfen, beim Anblick des serienreifen Mitsubishi bei Testfahrten in Deutschland ist einigen Vorständen offenbar der Schrecken in die Glieder gefahren.

Nun arbeiten auch die deutschen Fahrzeughersteller und Teilelieferanten unter Hochspannung an der Perfektionierung der Elektrotraktion. Selbst bei Volkswagen kann man die notwendigen Entwicklungsarbeiten offenbar nicht mehr alleine stemmen und hat einen Teil der Aufgaben an ein Tochterunternehmen von Karmann delegiert.

Dabei zählte der Volkswagen-Konzern vor 20 Jahren noch zu den Pionieren auf dem Gebiet.

Der Golf City-Stromer rollte jedoch ebenso ins Museum wie später der Dreiliter-Lupo – die Zeit war noch nicht reif dafür. Die Unternehmen konzentrierten sich lieber auf die Perfektionierung des Dieselmotors – und überließen die Optimierung der Elektrotraktion und die Weiterentwicklung der Batterietechnik anderen.

Nun soll der Entwicklungsvorsprung, den sich die Japaner in den vergangenen Jahren auf dem Gebiet des Hybrid- und Elektroantriebs erarbeitet haben, mit Hilfe der deutschen Steuerzahler schnellstmöglich egalisiert werden.

Die Lobbyisten der Autoindustrie freuen sich naturgemäß über das neue Förderprogramm über der Bundesregierung: Die Millionensummen, die beispielsweise bei der Dieseloffensive der deutschen Autoindustrie in den USA verpulvert wurden, holen sie nun auf anderem Wege wieder herein. Und auch die Elektroindustrie wittert Morgenluft. Um den Zukunftsmarkt Elektromobilität noch weiter zu befördern, plädiert ihr Interessenverband schon für ein Einspeisegesetz für Strom aus Autobatterien ins allgemeine Stromnetz – als wäre das Erneuerbare-Energie-Gesetz nicht schon Unfug genug.

Sachte, sachte, kann ich da nur mahnen - vorher gibt es noch eine Menge zu tun und zu klären. Zunächst müsste man beispielsweise erst einmal die Infrastruktur schaffen, die notwendig ist, um eine Million Elektroautos mit Strom zu versorgen. Und nicht mit irgendeinem Strom aus der Steckdose, sondern mit regenerativ erzeugter Energie.

Dann möchte ich auch erst einmal den Energiespeicher sehen, der 50.000 Ladezyklen übersteht, maximal 5000 Euro kostet, ein Auto von rund 800 Kilo Gewicht über 300 Kilometer weit bewegen kann und am Ende seines Lebenszyklus problemlos zu recyceln ist.

Auch sollte ein elektrogetriebenes Familienauto für wenigstens vier Personen nach heutiger Kaufkraft nicht mehr als 30.000 Euro kosten.

Erst wenn all diese Bedingungen erfüllt sind, bin ich bereit, mich ernsthaft mit dem Kauf eines Elektroautos zu beschäftigen. Bis dahin sollte die Autoindustrie alle Kräfte mobilisieren, um dem Eindruck entgegenzuwirken, Autos mit Verbrennungsmotoren gehörten schon in zwei Jahren zum alten Eisen.

Dieses Verschrottungsprogramm würde die gesamte Branche teuer zu stehen kommen.

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