Autodynastie: Fiats stiller Herrscher

Autodynastie: Fiats stiller Herrscher

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John Elkann, Vizepraesident von Fiat, spricht am Donnerstag, 7. Mai 2009, am 39. St. Galler Symposium

Er ist einer der mächtigsten Männer Italiens, doch kaum jemand kennt Fiats Herrscher im Hintergrund: John Elkann verwaltet das Vermögen des Agnelli-Clans. Ohne seine Zustimmung geht auch bei der Opel-Übernahme nichts.

Bei seinem jüngsten öffentlichen Auftritt im „kleinen Davos“ konnte man Elkann leicht verwechseln. Der Fiat-Erbe war einer der Stargäste beim 39. St. Gallen Symposium, einem jährlichen Treffen von Studenten der Eliteuni mit bekannten Wirtschaftslenkern. Der 33-jährige mit den jungenhaften Gesichtszügen sieht aus wie ein frischgebackener Uniabsolvent - nicht wie einer der mächtigsten Männer Italiens.

In der Öffentlichkeit ist Elkann längst nicht so präsent, wie Fiat-Chef Sergio Marchionne. Der Mann in den Wollpullovern ist es, der derzeit an einer der größten Fusionen in der Automobilbranche arbeitet. Zwischen Detroit, Washington und Berlin pendelt Marchionne um die Fusion des italienischen Autobauers mit Chrysler und Opel voranzutreiben. Als „Hochzeit im Himmel“ bezeichnete er sein Vorhaben und zitierte damit ganz bewusst den ehemaligen Daimler-Chef Jürgen Schrempp, dessen „Welt AG“ mit Chrysler und Mitsubishi scheiterte.

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Elkann holte Marchionne zu Fiat

Marchionne kann sich der vollen Unterstützung Elkanns bei seinem wagemutigen Unterfangen gewiss sein, ohne dessen Zustimmung solch weitreichende Entscheidungen nicht getroffen werden. Denn Elkann vertritt die Interessen des Agnelli-Clans, des größten Aktionärs bei Fiat. Zudem ist er Vizepräsident bei Fiat neben Luca di Montezemolo, den er künftig in der Position des Chefaufsehers beerben könnte.

Elkann selbst war es auch, der Marchionne 2004 vom Schweizer Unternehmen SGS zu Fiat holte. Das einst so stolze Unternehmen steckte da gerade in einer tiefen Krise und auch der Agnelli-Clan hatte mehrere Schicksalsschläge wegstecken müssen. Der legendäre Giovanni Agnelli war 2003 gestorben, sein Bruder Umberto ein Jahr später. Nachdem Agnellis einziger Sohn bereits 2000 bei einem Autounfall ums Leben gekommen war – die Ursachen wurden nie endgültig geklärt – und sein Neffe mit 33 Jahren an Krebs starb, sprach ganz Italien bereits vom „Agnelli-Fluch“.

Der Lieblingsenkel leitet das Familien-Imperium

John Elkann, der Lieblingsenkel des „Avvocato“, musste nun früher als geplant die wirtschaftlichen Geschicke der Familie in die Hand nehmen. Der großgewachsene Mann mit den lockigen Haaren, dessen Züge viele an den legendären Großvater erinnern, leitet die Familienholding Exor, in der die Beteiligungen der rund 100 Agnelli-Erben gebündelt sind. Neben einem 30-Prozent-Anteil an Fiat, gehören auch die Mehrheit des Fußballclubs Juventus Turin, sowie Beteiligungen am Immobilienunternehmen Cushman&Wakefield, Finanzinstituten oder Touristikunternehmen zum Agnelli-Imperium.

Elkann ist mit einer Adligen verheiratet und hat zwei Söhne, Klatschgeschichten und Skandale, wie sie sein Großvater oder Bruder Lapo verursachen, gibt es keine. Ruhig, besonnen und zurückhaltend präsentiert er sich der Öffentlichkeit. Doch wenn es darauf ankommt, macht er auch lautstark seine Ansprüche geltend: So geschehen bei den Nachfolgekämpfen und im Streit um das Agnelli-Erbe prozessierte er mit seiner eigenen Mutter.

Margherita Agnelli hatte John einst in New York zur Welt gebracht, sein Vater ist der Schriftsteller Alain Elkann. Aufgewachsen ist John in England, Brasilien und Frankreich. Erst zum Studieren kehrt Elkann nach Turin zurück, wo ihn sein Großvater unter seine Fittiche nimmt. Bereits mit 21 Jahren wird der Wirtschaftsingenieur Verwaltungsrat bei Fiat, Giovanni Agnelli führt ihn zudem in die italienische Gesellschaft ein und nimmt ihn an den Wochenenden immer wieder zu den Spielen von Juventus Turin mit.

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