Autoexperte Harbour: "Wenig Erholung bei US-Autoherstellern"

Autoexperte Harbour: "Wenig Erholung bei US-Autoherstellern"

von Martin Seiwert

Der Auto-Guru Ron Harbour über das schlechte Marktumfeld für den GM-Börsengang und die Zukunft der US-Hersteller.

WirtschaftsWoche: Herr Harbour, Ford, GM und Chrysler, die Big Three aus Detroit...

Harbour: ...wir nennen sie inzwischen die Detroit Three, denn so groß sind sie nicht mehr...

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Wie geht es denn mit den dreien künftig weiter?

Die Umsätze der amerikanischen Autohersteller liegen noch immer rund 30 Prozent unter Vorkrisenniveau. Ich sehe keine wirkliche Erholung, auch wenn das viele ungern hören. Das ökonomische Umfeld ist zu vage, als dass man präzise vorhersagen könnte, in welche Richtung es gehen wird. Unternehmen und Verbraucher senken derzeit die Kosten, zahlen Kredite zurück, sparen. Das spricht eher für Verunsicherung als für einen Aufschwung.

2008 wurden in den USA noch 16 Millionen Autos verkauft, in diesem Jahr werden es kaum mehr als elf Millionen sein. Wie ist Ihre Prognose für 2011?

Anders als die meisten Prognosen sehe ich keine große Erholung im kommenden Jahr. Rund elf bis zwölf Millionen Autos werden es sein, vielleicht eine Million mehr, vielleicht eine weniger. Eine Rückkehr zu den 16 Millionen wird es nicht geben, zumindest nicht auf absehbare Zeit. Denn gerade die Bevölkerungsschichten in den USA, die das Geld haben, Autos zu kaufen, sind durch die wirtschaftliche Entwicklung der jüngsten Zeit verunsichert.

Viele Experten haben Chrysler schon fast abgeschrieben. Spricht man bald von den Detroit Two?

Es werden auch in Zukunft noch die Detroit Three sein. Sie werden nur deutlich schlanker aufgestellt sein, als sie es bisher waren – diese Entwicklung zeichnet sich ja heute schon ab –, und sie werden sich stärker auf einzelne Produkte und Segmente fokussieren. Das gilt insbesondere auch für das Unternehmen Chrysler, das gerade den neuen Jeep Grand Cherokee herausgebracht hat. Das ist ein sehr gutes Fahrzeug für den amerikanischen Markt. Das Gleiche gilt für den Pick-up-Truck Dodge Ram. In anderen Segmenten gibt es noch Aufholbedarf. Es bleibt aber abzuwarten, wie der neue Eigentümer Fiat an dieser Stelle mit seinen Produkten die Angebotspalette gezielt erweitern wird.

GM hat drastisch Arbeitsplätze und Produktionskapazität abgebaut, Marken verkauft oder eingestampft, ein neues Top-Management installiert. Aber ist das Unternehmen deshalb schon fit für den Börsengang?

(lacht) Das ist eine heikle Frage. Ich glaube, es ist nicht an mir, das zu beurteilen. Ob die Zeit für einen Börsengang gekommen ist oder nicht, hängt nicht nur vom Zustand des Unternehmens selbst ab. Es muss auch die richtige Zeit sein, was die Stimmung an der Börse angeht und die allgemeine Marktentwicklung. Wir haben in den letzten Monaten einige Börsengänge gesehen, die aufgrund des schlechten Marktumfeldes nicht wirklich erfolgreich verlaufen sind. Was die Marktseite angeht, bin ich eher skeptisch. Ich sehe noch keine Anzeichen für eine nachhaltige Erholung der Autokonjunktur in den USA in den nächsten zwei bis drei Jahren.

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