Autohersteller: Bei Daimler und Volkswagen ist schon Weihnachten

KommentarAutohersteller: Bei Daimler und Volkswagen ist schon Weihnachten

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Findet reißenden Absatz: Ein Mercedes-Stern in der Fertigung der Mercedes-C-Klasse-Fahrzeuge.

von Martin Seiwert

Rekordgewinne bei Daimler, Träume von der Weltführerschaft bei Volkswagen. Deutschlands Autohersteller ziehen der weltweiten Konkurrenz im 911er-Tempo davon. Bevor nun schon wieder gewarnt und gemäkelt wird, sollte erst mal gefeiert werden, findet WirtschaftsWoche-Redakteur Martin Seiwert.

Deutschlands Autoindustrie macht gerade etwas ziemlich Seltenes: Sie zieht die anstehende Tariferhöhung von 2,7 Prozent um zwei Monate vor. Bosch hat damit angefangen, Porsche will, wie heute angekündigt, auch mitmachen. Und auch bei Daimler rechnet der Betriebsrat mit der Großzügigkeit der Konzernspitze. Nach den soeben veröffentlichen satten Gewinnen im dritten Quartal wird Daimler-Boss Dieter Zetsche seine Betriebsräte wohl kaum hängen lassen. Zudem wird bei Porsche über eine zusätzliche Sonderzahlung für das zurückliegende Geschäftsjahr verhandelt. Zusätzlich, wohlgemerkt. 2100 Euro sind bereits gezahlt.

„Jo, is denn scho Weihnachten?“ fragte einst Franz Beckenbauer in einem Mobilfunk-Werbespot. Ja, es ist schon Weihnachten für Deutschlands Autobauer – und es sei ihnen gegönnt. Nach den vergangenen Horrorjahren ist ein bisschen Feiern genau das Richtige. Dass die Hersteller den Knecht-Ruprecht-Auftritt überspringen und gleich zur Bescherung übergehen, ist okay. Das Sündenregister der zurückliegenden Monate ist eh ziemlich kurz.

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Die großen Sündenfälle bei Porsche (die verheerenden Finanzspekulationen von Wiedeking & Co.), bei Daimler (das Chrysler-Debakel), Volkswagen (viel Speck, wenig Muskeln) und BMW (Milliardenverluste durch Schleuderpreise und schlecht abgesicherte Währungsschwankungen) liegen schon länger zurück. Im Ruprecht-relevanten Zeitraum, den letzten zwölf Monaten, haben sich die Autobauer wenig zuschulden kommen lassen. Die Belegschaften haben gebangt und in Kurzarbeit verharrt, haben die Produktion in Rekordzeit wieder hochgefahren und schieben nun Überstunden, weil die Welt nach Autos Made in Germany giert.

Mit Solidität zurück an die Spitze

Dass Deutschlands Leitindustrie im 911er-Tempo aus der Krise fährt, ist nicht nur der Verdienst derer, die in den letzten Monaten die Ärmel hochgekrempelt haben. Das Fundament für den Aufschwung ist viel älter: Es sind Marken, die so stark sind, dass sie jahrelanges Missmanagement – siehe Mercedes – ziemlich unbeschadet überstehen. Es ist die solide Ingenieurs- und Technikerausbildung in Deutschland. Sie erst macht trotz mörderischen Spardrucks in den Unternehmen Innovationen und Qualitäten möglich, die deutsche Autos eine Alleinstellung geben.

Es ist unterm Strich eine deutsche Stärke, die viele – der Autor eingeschlossen – in der Hektik der Krise ein wenig aus den Augen verloren haben: Solidität. Die deutschen Autobauer sind nicht immer die schnellsten und billigsten. Sie liegen in den ersten Runden oft zurück, aber am Ende kommen sie wenigstens ins Ziel, während andere mit Motorschaden im Kiesbett liegen. Gut, die Formel-1 ist an der Stelle vielleicht kein guter Vergleich: BMW raus, die Silberpfeile mit dem Schumi-Problem. Aber wer weiß – Volkswagen prüft den Einstieg in die Königsklasse und Daimler wird auch nicht so schnell aufgeben. Vielleicht siegt auch am Ende mal wieder die etwas langweilige und doch beeindruckende deutsche Solidität.

Oder ist die Feierlaune verfrüht? Was ist mit dem starken Euro, der Exporte zusehends verteuert? Was ist mit dem harten Wettbewerb, den aggressiven jungen Anbietern aus China oder Korea? Was, wenn diese Hersteller den Deutschen das Wachstum in Asien wegnehmen oder mit guten, billigen Autos weltweit immer stärker angreifen? Oder wenn der überhitze asiatische Markt einbricht? Wenn der für BMW und Daimler so wichtige Markt USA nicht dauerhaft auf die Füße kommt, wofür vieles spricht? Wenn Toyota sich fängt und VW zeigt, was eine Harke ist? Was ist mit der Elektromobilität, wo Frankreich und selbst die USA stärker sind als die Deutschen? Und was ist mit Indien, einem Markt, dem manche mehr zutrauen als China? Die Deutschen sind hier ausgesprochen schwach.

Daimler erhöht Prognose zum dritten Mal nach oben

Es wäre ein leichtes, den deutschen Autobauern die Weihnachtsfeier zu vermiesen. Aber fair wäre es nicht, und objektiv auch nicht. Zu solide sind dafür die Geschäfte in den letzten Quartalen: Nach Zuwächsen bei Gewinn, Umsatz und Absatz, die vor Kurzem noch niemand für möglich gehalten hätte, hat Daimler-Chef Dieter Zetsche heute die Erwartungen für 2010 zum dritten Mal nach oben geschraubt. Einen operativen Gewinn von mehr als sieben Milliarden Euro will er 2010 nun einfahren. Bei BMW darf ebenfalls ein starkes drittes Quartal erwartet werden, die Zahlen kommen am 3. November.  

Spektakulär auch die Lage bei VW. Der größte Autobauer Europas steigerte den Vorsteuergewinn im dritten Quartal auf 2,8 Milliarden Euro – mehr als zehnmal soviel wie vor Jahresfrist. Der Umsatz kletterte um fast ein Fünftel auf über 30 Milliarden Euro. Schon wird in Wolfsburg gemunkelt, der Konzern könne sein Ziel, weltgrößter Hersteller zu werden, deutlich früher als angepeilt ereichen. Vielleicht werde es schon 2015 so weit sein.

Nun, ein gewisser Überschwang gehört zum Feiern. Jetzt erst mal eine schöne Weihnachtsfeier, liebe Autobauer! Danach kann es dann gerne wieder mit der langweiligen deutschen Solidität weitergehen.

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