Autohersteller: Mercedes setzt auf die Kleinen

Autohersteller: Mercedes setzt auf die Kleinen

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Joachim Schmidt

von Franz W. Rother und Martin Seiwert

Der Mercedes-Vertriebsvorstand Joachim Schmidt will im Kleinwagensegment wachsen – und eine jüngere Zielgruppe erreichen.

WirtschaftsWoche: Herr Schmidt, das Geschäftsjahr 2010 hat Mercedes mit einem Absatzzuwachs von 15 Prozent auf knapp 1,2 Millionen Autos abgeschlossen. Hat es denn auch entsprechend in der Kasse geklingelt?

Schmidt: Wir sind in der Tat nicht nur nach Stückzahlen, sondern auch sehr profitabel gewachsen, wozu unser verbesserter Modellmix beitrug. Mit unserer S-Klasse sind wir im fünften Jahr des aktuellen Fahrzeugs Marktführer, gegen zum Teil deutlich jüngere Modelle unserer Wettbewerber. Das freut uns natürlich. Gleichzeitig haben wir die Erlösstruktur weiter verbessert: Die Rabatte auf unsere Fahrzeuge, konnten wir deutlich reduzieren.

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Was heißt das in Euro und Cent fürs Ergebnis?

Zu den Details kann ich heute natürlich noch keine Aussage machen. Aber wie Sie wissen erwarten wir für den Konzern einen Profit von über sieben Milliarden, für das Pkw-Geschäft von rund 4,5 Milliarden Euro.

Damit wären Sie fast schon wieder auf Vorkrisen-Niveau?

Beim Absatz noch nicht ganz. 2010 war unser zweitbestes Jahr, 2007 war mit 1,29 Millionen Fahrzeugen noch einen Tick besser. Aber wir wollen diese Marke nun 2011 knacken und das beste Jahr der Unternehmensgeschichte erzielen.

Die Kehrseite der gestiegenen Begehrlichkeit sind Lieferzeiten von bis zu vier Monaten. Wie reagieren Sie darauf?

Ein paar Monate Lieferzeit sind aus meiner Sicht für einen Mercedes durchaus noch verträglich. Zumal sie je nach Baureihe und Ausstattung variiert und bei einigen Modellen auch kürzer ausfällt. Als ich vor 30 Jahren bei Mercedes-Benz anfing, bekam man wegen der langen Lieferzeiten für einen Mercedes-Jahreswagen der damaligen Mittelklasse noch Beträge, die über dem Listenpreis lagen. Damals gab es aber auch so gut wie keine Konkurrenz.

Das Sorgenkind bleibt der Smart: Der Absatz des Zweisitzers sank weltweit um 17 Prozent. Wo hapert es hier?

Bei der Marke smart ist die Situation in der Tat schwierig, da wir derzeit nur ein Modell anbieten können. Zudem schrumpft das Marktsegment beispielsweise in den USA nach den großen Anfangserfolgen ganz dramatisch. Das gilt auch für Deutschland, wo der smart jedoch letztes Jahr trotzdem die klare Nummer eins im Segment war.  

Was bedeutet das für die Marke? Wird sie eingestellt? 

Ganz sicher nicht, im Gegenteil. smart ist für uns beim Thema Elektromobilität und auch wegen der Klimabilanz sehr wichtig. Wir bereiten im Rahmen unserer Kooperation mit Renault neue Modelle vor, unter anderem einen Viersitzer.

Ihr US-Importeur Roger Penske plant doch schon einen zu bauen, auf Basis des Nissan Micra. Ist das für die Marke nicht gefährlich?

Deshalb bietet er das Auto auch nur in USA an. Dort ist so eine Lösung möglich und nötig, denn bei den starken Rückgängen im Segment muss man auch überlegen, wie man sein Händlernetz unterstützen kann. Zudem gibt es in den USA eine große Nachfrage nach einem Viersitzer mit den Eigenschaften eines smart. Unser Importeur Roger Penske wollte daher möglichst schnell und pragmatisch ein Auto auf den Markt bringen, das den speziellen Bedürfnissen der amerikanischen Kunden entspricht. Deshalb haben wir dem Plan auch zugestimmt. In Europa wird das Auto aber sicher nicht angeboten.   

Ein Sorgenkind haben Sie auch am anderen Ende der Modellpalette: Der Maybach läuft nicht. Werden Sie deshalb mit Aston Martin kooperieren?

Wir sprechen mit verschiedenen Herstellern zu unterschiedlichen Themen, mehr möchte ich dazu aktuell nicht sagen.

Auch nicht zum Thema Maybach? Wenn laut Werbung Mercedes das Beste ist, braucht es eigentlich keinen Maybach mehr.

Wir haben im letzten Jahr ein Facelift eingeführt, was unterstreicht, dass wir hinter der Marke stehen. Wir untersuchen momentan, wie wir die Marke Maybach gegebenenfalls weiter ausbauen könnten.  

China überlegt eine Deckelung der Neuzulassungen…

…in Peking. Peking ist eine große Stadt und ein großer Automarkt. Aber in China gibt es viele große Städte. Auf dem chinesischen Markt ist man vor Überraschungen nie gefeit. Aber bislang sehe ich die Ankündigung gelassen: Dieser Automarkt wird sicher weiter wachsen. Und ich gehe davon aus, dass wir auch in 2011 in China deutlich wachsen werden.

Und insgesamt?

Bis 2015 wollen wir bekanntlich 1,5 Millionen Fahrzeuge allein der Marke Mercedes-Benz verkaufen. Dieses Ziel ist natürlich eng mit unserer Produktoffensive gekoppelt, eine ganz wesentliche Rolle spielt dabei die Einführung unserer neuen Kompaktwagengeneration die wir Ende dieses Jahres starten. Dazu gehören die Nachfolger der A- und B-Klasse sowie zwei weitere neue, sportliche und emotionale Modelle. Über alle Varianten wollen wir unser Volumen in diesem Segment verdoppeln und eine wesentlich jüngere Zielgruppe erreichen als heute.

Angeblich wollen die jungen Leute gar nichts mehr von Autos wissen, haben zumindest kein Interesse am Kauf eines Autos.

Diese Entwicklung sehe ich gelassen: i-Pad und Facebook sind natürlich toll, aber damit kommen sie nicht in den Urlaub. Und auch in zehn Jahren werden die jungen Leute sicher nicht mit dem Taxi zu einem Date oder in die Disko fahren wollen, sondern mit dem eigenen Auto. In Großstädten wird es vielleicht eine größere Nachfrage nach Car-Sharing geben. Dafür haben wir mit car2go schon heute das passende Konzept.

Hybrid- und Elektroantrieb sind bei Mercedes wichtige Bausteine in der Wachstumsstrategie für das Jahr 2015. Von welcher Größenordnung reden wir da bei einem angepeilten Absatz von 1,5 Millionen Autos im Jahr 2015?

Sicherlich von mindestens 100.000 Fahrzeugen, wobei das Gros auf den Hybridantrieb fallen wird.

Sie bieten bereits die S-Klasse mit Hybridantrieb an. Wie ist die Nachfrage?

Weltweit kommen wir hier auf einen zweistelligen Anteil am Gesamtabsatz der S-Klasse, der allerdings von Markt zu Markt sehr variiert.

Auf welchen Märkten ist die Nachfrage am größten? In USA?

In den USA lag die Nachfrage 2010 leicht unter 10 Prozent. In China oder Japan ist sie deutlich höher, was auch an staatlichen Förderungen liegt.

Beim Nachfolgemodell der M-Klasse ist also Hybridantrieb Pflicht?

Es wird einen Hybridantrieb geben, gewiss. Aber es wird auch es eine attraktive Einstiegsmotorisierung mit einem sensationell niedrigen Kraftstoffverbrauch geben.   

Konzernchef Dieter Zetsche hat für Deutschland Zulassungsprämien für Elektroautos gefordert. Was sollte gezahlt werden?

Fest steht, dass es mit den jetzigen Batteriekosten sehr schwierig bis unmöglich ist, mit Elektroautos ein profitables Geschäft zu machen. Nissan und Renault sind auf dem Gebiet weit vorgeprescht. Der Grund dafür liegt auf der Hand. In Frankreich beispielsweise gibt es 5000 Euro für die Zulassung eines Elektroautos.  

Bei einer Prämie in gleicher Größenordnung in Deutschland würde Mercedes zügig Elektroautos auf den Markt bringen?

Technologisch sind wir von allen Autoherstellern beim Elektroantrieb am weitesten. Wir haben den smart, und auch die A-Klasse mit Elektroantrieb fährt sich hervorragend. Mit der Deutschen Accumotive können wir Batterien selbst herstellen. Wir sind also bestens vorbereitet. Aber die Kosten sind noch sehr hoch, so dass ein breite Marktdurchsetzung in Deutschland nicht machbar ist – es sei denn, die Batteriekosten sinken dramatisch oder es gibt vom Staat eine vorübergehende Unterstützung.

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