Autoindustrie: Angst vorm China-Crash

Autoindustrie: Angst vorm China-Crash

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Ulrich Walker, Chef ebei Daimler in China

von Matthias Kamp

Auftakt zur 14. Automobilmesse in Shanghai: Nirgendwo boomt das Geschäft der deutschen Pkw-Hersteller so wie im Reich der Mitte. Inzwischen wächst der Absatz der Konzerne aus Deutschland sogar stärker als der Gesamtmarkt. Doch jetzt macht sich Furcht vor einer zu starken Abhängigkeit breit.

Ulrich Walker, Chef bei Daimler in China, macht sich bisweilen so seine Gedanken. "Manche Leute vergleichen die Entwicklung in China mit der Blase in Japan in den Achtzigerjahren", sagte der Deutsche kürzlich in Peking, "und auch wir diskutieren diese Parallele". Allerdings, so Walker, sprächen auch viele Indikatoren für eine Fortsetzung des Booms in China, auch im Automobilsektor. So lag der Grad der Urbanisierung Ende 2010 bei 47,5 Prozent. Ende 2015 wird er 51,5 Prozent betragen. Damit steigen auch die Einkommen und die Möglichkeiten der Menschen, ein Auto zu kaufen. In China, so Walker, kämen auf 1000 Einwohner 29 Pkw, in Deutschland 505. Viel Raum nach oben also.

Doch Walker ist nicht der einzige deutsche Automanager, der seine optimistischen China-Prognosen neuerdings mit nachdenklicheren Tönen mischt. Sicher, auf der heute beginnenden Automesse in Shanghai feiern sich die deutschen Hersteller zunächst einmal wieder selbst – und das auch ganz zu recht. Mercedes hat im ersten Quartal seinen Absatz in China um Schwindel erregende 86 Prozent auf fast 44.000 Autos gesteigert. Der Volkswagen-Konzern verbuchte in den ersten drei Monaten ein Plus von 19,9 Prozent und verkaufte 548.000 Pkw im Reich der Mitte. In Shanghai stellen die Wolfsburger ihren neuen Beetle vor, außerdem den neuen, eigens für China entwickelten, Passat. Weltpremiere feiert in China heute auch der Mini-SUV Audi Q3.

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Vorsicht auch bei Audi

Letztes Jahr wurden in China fast 13 Millionen Pkw verkauft. Dietmar Voggenreiter, Chef bei Audi in China, sieht den Markt in den kommenden Jahren auf ein Volumen von 20 Millionen Einheiten anwachsen. Doch trotz des guten Geschäfts – Audi verkaufte im ersten Quartal in China 24,6 Prozent mehr Autos – bleibt der Deutsche vorsichtig. "Mit einem Werk für 250.000 Einheiten würde ich mich unwohl fühlen", so Voggenreiter. Er nehme Erweiterungen in China lieber in kleinen Schritten und flexibel vor. Im Februar hat Audi in China alle drei Gewerke – den Karosseriebau, die Lackierereien und die Montage – optimiert, um auf mögliche Fluktuationen beim Absatz schnell reagieren zu können. Eine mögliche zu starke Abhängigkeit vom chinesischen Markt beschäftige ihn natürlich, räumt Voggenreiter in Shanghai ein. Allerdings sei der staatliche Joint-Venture-Partner First Automotive Works ein "gewisser Investitions- und Planungsschutz. Denn die sind auch an Profiten interessiert." Im vergangenen Jahr verkaufte Audi in China 225.000 Autos. In diesem Jahr sollen es 280.000 sein.

Gnadenloser Preiskampf

Auch Karl-Thomas Neumann, Chinachef der Volkswagen Group in Peking, knüpft seinen Optimismus an die regierungsnahen chinesischen Partner der Wolfsburger. Durch diese, so Neumann, halbiere sich am Ende ja das Risiko.

Zu den Risiken, die unabhängige Experten und chinesische Regierungsvertreter in jüngster Zeit immer wieder nennen, gehören der gnadenlose Preiskampf unter den mehr als 100 Herstellern in China und Überkapazitäten in der Fertigung. Die Mercedes-Händler in China etwa verlieren beim Verkauf der lokal gefertigten C- und E-Klassen derzeit Geld. Denn Daimler will unbedingt BMW als Marktführer im Premium-Segment ablösen und setzt stärker auf große Volumen denn auf Profit. "Der ganze Markt ist überhitzt", sagt ein Mercedes-Verkäufer in Peking, "die Margen im operativen Geschäft sind nicht hoch."

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