Autokrise: Chance für deutsche Autozulieferer

Autokrise: Chance für deutsche Autozulieferer

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Die Robert Bosch GmbH legte die Produktion im Werk Reutlingen-Rommelsbach still und schickte 400 Mitarbeiter nach Hause

Deutsche Autozulieferer haben beste Chancen, aus der gegenwärtigen Krise als Gewinner hervorzugehen, sagt eine bisher unveröffentlichte Studie.

Wo an normalen Arbeitstagen einige Hundert Autos stehen, herrscht gähnende Leere: Der Parkplatz des Bosch-Werkes im schwäbischen Rommelsbach liegt verwaist da. Auch in den Werkshallen auf der anderen Seite der Landstraße L 378 herrscht gespenstische Stille. Bereits seit Montag vergangener Woche ruht die Produktion, die rund 400 Mitarbeiter wurden vorübergehend nach Hause geschickt.

Das Bosch-Werk Rommelsbach fertigt Einspritzpumpen für Dieselmotoren. Zwar schwächelte die Nachfrage bei den Kunden in der Autoindustrie schon seit einiger Zeit, doch nun ließen die Schockwellen der Finanzkrise den Absatz weiter einbrechen: Mercedes, BMW und Opel hielten die Bänder an. Der Geschäftsführung in Stuttgart blieb nur die vorläufige Werksschließung, um größere Lagerbestände zu verhindern.

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Der Absatzeinbruch trifft Bosch-Chef Franz Fehrenbach schwer – und trotzdem könnte er zusammen mit einigen anderen Wettbewerbern als Gewinner aus der aktuellen Krise hervorgehen. Denn der Nachfragerückgang nach Autos dürfte langfristig eine Fusionswelle bei den Zulieferern auslösen, bei der die Stärksten der Branche ihre Kraft noch vergrößern. Höchstwahrscheinlich zu den Siegern werden voraussichtlich Anbieter aus Deutschland gehören. Das belegt eine Studie des Frankfurter Beratungsunternehmens PRTM, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.

PRTM hat untersucht, welche Zulieferer ihre Wettbewerber aufkaufen könnten und welche eher Übernahmekandidaten sind. Dabei nahmen die Experten die größten Zulieferer der Welt und die führenden in Deutschland unter die Lupe. Zentrales Ergebnis: Sechs der acht Unternehmen mit der größten Kraft, Konkurrenten zu übernehmen, haben ihren Hauptsitz in Deutschland – obwohl nur gut ein Drittel der 39 untersuchten Unternehmen aus Deutschland kommt. Anders als die schwer angeschlagene Zulieferindustrie in den USA haben viele deutsche Unternehmen in den vergangenen Jahren ihr Eigenkapital erhöht, die Kosten gesenkt und die führende Position bei den Innovationen weltweit ausgebaut.

Bewältigung der Absatzkrise steht im Mittelpunkt

„Sicherlich steht für die Zulieferer im Augenblick die Bewältigung der Absatzkrise im Mittelpunkt“, sagt PRTM-Geschäftsführer Norbert Wittemann. „Allerdings dürfte vielen auch bewusst sein, dass sie ein Akquisitionsziel, das sie vielleicht schon länger im Auge haben, womöglich nie mehr so günstig bekommen, wie in dieser Situation.“ Zudem geht Wittemann davon aus, „dass der Kostendruck auf die Zulieferer auch in der Krise nicht nachlassen wird“.

Vor allem kleineren Mittelständlern, die stark abhängig sind von einzelnen Autoherstellern oder nur geringe finanzielle Reserven haben, könnte da schnell die Puste ausgehen. Deshalb werde die Konsolidierung der Branche, zu der allein in Deutschland rund 700 Unternehmen mit mehr als 350.000 Beschäftigten gehören, deutlich an Tempo zulegen. Das erwartet auch Yann Delabrière, Vorstandschef des drittgrößten europäischen Autozulieferers Faurecia: „Die derzeitige Krise wird den Konzentrationsprozess beschleunigen“.

Für ihre Studie haben die Berater aus einer Reihe von Kenngrößen – darunter Umsatz, Gewinn, Finanzstärke, Innovationskraft, Zugang zu Kapital, Kundenstruktur und Produktpalette – einen Index für die Akquisitionskraft gebildet. Je höher der Wert, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen als Käufer eines Wettbewerbers auftritt. Unternehmen, bei denen diese Größen nicht ermittelt werden konnten, wurden in der Studie nicht berücksichtigt.

Grafik: Jäger und Gejagte (zur Vollansicht bitte auf Grafik klicken)

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In der Top-Gruppe der übernahmestärksten Unternehmen gelte zurzeit das besondere Augenmerk Bosch, ElringKlinger im schwäbischen Dettingen und Knorr Bremse in München, meint Berater Wittemann. „Sie sind stark und gleichzeitig unabhängig, sie könnten relativ spontan zugreifen, wenn sich eine Gelegenheit am Markt ergibt.“

Erfolg versprechende Kombinationen haben die Berater auch schon ausgemacht: Bosch könnte sich, so die Prognose, das Lichtmaschinen-, Scheibenwischer- und Anlasser-Geschäft von Valeo greifen, der Lichttechnikanbieter Hella aus dem westfälischen Lippstadt den Geschäftsbereich Licht des US-Konkurrenten Federal Mogul. Der wiederum könnte seine Bremsenproduktion an Knorr verkaufen. Die Unternehmen möchten sich dazu nicht äußern.

Eine wahre Megafusion wäre der Zusammenschluss von Faurecia aus Frankreich, dem achtgrößten Zulieferer der Welt, mit Lear, der Nummer neun aus den USA. Das fusionierte Unternehmen käme auf einen Umsatz von gut 33 Milliarden Dollar. „Jetzt sind es zwei relativ schwach positionierte Unternehmen, die beide im Bereich Innenausstattung tätig sind. Durch einen Zusammenschluss entstünde ein wesentlich stärkerer Player, beide Seiten würden profitieren“, sagt Wittemann. Für Faurecia-Chef Delabrière steht jedenfalls fest: „Ich gehe davon aus, dass wir zu den Überlebenden gehören.“

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