Autokrise: Deutsche Autobauer kämpfen in China mit Absatzsorgen

Autokrise: Deutsche Autobauer kämpfen in China mit Absatzsorgen

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Ein VW-Polo mit chinesischen Schriftzeichen für den Namenszug Polo in VWs Werk nahe Shanghai: Die höchsten Zuwächse gibt es bei kleinen und mittleren Autos

China ist für deutsche Autobauer weiter Hoffnungsmarkt, wie die starke Präsenz auf der heute beginnenden Shanghaier Automesse belegt. Auch hier kämpfen die Deutschen gegen die Krise - bei Kleinwagen ist das einfacher als im Luxussegment.

Die Zeiten sind hart für den erfolgsverwöhnten Winfried Vahland. „Wir spüren die Krise“, sagt der China-Chef von VW. Mehr als 40 Modelle, davon 24 lokal produziert, bietet VW in China an. Der Absatz kletterte jedes Jahr zweistellig. Mit etwa 18 Prozent Marktanteil liegt VW vorn. Doch im letzten Quartal 2008 stieg der gesamte Autoabsatz in China nur noch leicht auf 5,8 Millionen Autos. Trotzdem legte VW noch um zwölf Prozent auf mehr als eine Million Wagen zu.

Schwerer haben es die Premiumhersteller. Bei Daimler war die Haupterlösquelle der Verkauf importierter S-Klassen. 2008 legten die Stuttgarter um 60 Prozent auf 16.000 Karossen zu, im Januar und Februar waren es rund 20 Prozent weniger. Bei den BMW-7er-Limousinen sieht es ähnlich aus.

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Chinas Regierung hilft: Wer auf dem Land wohnt und sein altes Auto gegen einen neuen Kleinwagen tauscht, bekommt einen Zuschuss von etwa 520 Euro. Zudem wurde die Mehrwertsteuer für Pkws mit einem Hubraum bis 1,6 Liter auf fünf Prozent halbiert. Prompt verkauften die Hersteller im Februar fast 20 Prozent mehr Autos als im Vorjahresmonat, im März waren es zehn Prozent.

Kleinwagen-Erzeuger gehören zu Gewinnern

Zu den Gewinnern gehören chinesische Kleinwagen und Hyundai aus Korea. Aber auch VW verkaufte im März neun Prozent mehr, vor allem dank Polo und Jetta. Dennoch ist Vahland skeptisch: „Wir wissen nicht, wie lange dieses Wachstum anhält, es ist ja von der Regierung initiiert.“ Audi verlor im ersten Quartal 4,7 Prozent. Um stärker von der Förderpolitik zu profitieren, stellt VW auf der heute beginnenden Automesse in Shanghai den neuen Golf vor, der auch zur 1,6-Liter-Hubraum-Klasse zählt.

Obwohl reiche Chinesen weiter Limousinen der Oberklasse kaufen dürften, geht der Trend zu mittelgroßen und kleinen Autos. „Dort wird es in Zukunft die Zuwächse geben“, prognostiziert die Beratung Arthur D. Little. Daher lassen sich die Luxushersteller einiges einfallen: Wer etwa einen Mercedes ordert, bekommt ein zinsloses Darlehen.

Peking will die Krise nutzen, um die Konsolidierung des Marktes voranzutreiben. Etwa 100 vor allem kleine Hersteller kämpfen um Kunden. Schon vor der Krise waren die Kapazitäten nur zu 70 Prozent ausgelastet. „Es gibt zu viele Hersteller“, sagt Zhang Xin, Analyst bei Guotai Junan Securities, „aber keiner ist international konkurrenzfähig.“ Vier Anbieter, darunter dem Vernehmen nach VWs Partner SAIC und FAW sowie Fords Partner Changan, sollen kleinere Hersteller schlucken. Zu den Übernahmekandidaten gehört auch der kränkelnde BMW-Partner Brilliance. Wenn FAW oder SAIC zuschlagen, hätte Brilliance zwei deutsche Partner, die miteinander konkurrieren.

Derzeit hat VW jedoch andere Sorgen. 2009 will Vahland den Absatz in China trotz Krise um fünf Prozent steigern. Zugleich muss VW kräftig sparen. Vahland: „Sie werden mich öfter in der Economy Class sehen.“

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