
Unterdessen kämpft der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) ums Überleben. Der amerikanischer Autohersteller hat im vergangenen Jahr den vierten Milliardenverlust in Folge eingefahren. Unter dem Strich stand 2008 ein Minus von 30,9 Milliarden Dollar (24,2 Milliarden Euro). Das teilte GM heute in Detroit mit. Allein im vierten Quartal lag der Verlust bei 9,6 Milliarden Dollar. Das Minus fiel nochmals weit höher aus als von Experten erwartet.
Der GM-Umsatz brach im Schlussquartal angesichts der Krise auf den Automärkten um mehr als ein Drittel auf 30,8 Milliarden Dollar ein. Im Gesamtjahr stürzten die Erlöse um 17 Prozent auf 149 Milliarden Dollar. Der von der Pleite bedrohte Konzern verbrannte erneut Milliardensummen seiner Kapitalreserven. Zum Jahresende lagen die flüssigen Mittel noch bei 14 Milliarden Dollar. Im Jahr 2007 hatte GM - nach inzwischen angepassten Zahlen - auf vergleichbarer Basis einen Rekordverlust von mehr als 43 Milliarden Dollar eingefahren.
GM kann derzeit nur durch staatliche Notkredite überleben, die noch von der Bush-Regierung genehmigt worden waren, und ist ohne neues Geld in wenigen Wochen pleite. Zusammen mit schon erhaltenen Hilfen fordert der Autobauer für seine Sanierung von der US-Regierung bis zu 30 Milliarden Dollar. Dafür muss GM bis Ende März seine Überlebensfähigkeit konkret beweisen (siehe Info-Kasten auf der vorigen Seite).
Opel-Gesamtbetriebsrat fordert Trennung von GM
Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Opel, Klaus Franz, hat daher heute vehement die Trennung des Autobauers von der angeschlagenen US-Mutter General Motors gefordert. Sonst bestehe die Gefahr, dass GM die Töchter in Europa mit in den Abgrund reißt. „Es gibt nur eine einzige Chance, die heißt Ausgliederung“, sagte der stellvertretende Opel-Aufsichtsratsvorsitzende vor rund 15 000 Menschen auf einer Kundgebung der Opel-Belegschaft im Stammwerk Rüsselsheim.
GM müsse Anteile abgeben, aber mit einer Minderheit an Opel und Vauxhall beteiligt bleiben, um auch künftig Technologietransfers und einen gemeinsamen günstigeren Einkauf zu ermöglichen. Bei einem europäischen Autobauer aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall könne die Produktion unter den bestehenden Opel-Werken in Europa gerecht aufgeteilt werden, „so dass niemand durchs Raster fällt“, sagte Franz. Das Opel-Management will sein eigenes Rettungskonzept morgen dem Aufsichtsrat vorlegen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bekräftigt, dass der Staat dem angeschlagenen Autobauer Opel nur bei Vorlage eines zukunftsfähigen Unternehmenskonzepts helfen wird. „Dann kann man überlegen: Welche Art von Brücken sind notwendig“, sagte Merkel heute in Berlin vor Journalisten. Die Bundesregierung habe ein Interesse daran, angeschlagenen Unternehmen, die eine solide Wirtschaftsstruktur und eine Perspektive haben, solche Brücken zu bauen. „Aber die Frage muss schon sein: Ist die Situation ... durch die Krise entstanden, oder ist es eine strukturelle Situation?“
Um Opel zu retten, hätten die Opel-Händler bereits zugesagt, mehr als einen zweistelligen Millionenbetrag zu investieren, sagte Franz. Zudem forderte er eine „Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesellschaft“, über die die Beschäftigten Anteile halten und über die Zukunft des Unternehmens mitbestimmen könnten.
Saab produziert wieder
Der insolvente schwedische Autohersteller Saab, Schwesterunternehmen von Opel, hat seine Produktion nach eintägiger Unterbrechung wieder in vollem Umfang aufgenommen. Wie eine Unternehmenssprecherin in Trollhättan heute mitteilte, seien „Schwierigkeiten mit einem Lieferanten“ ausgeräumt worden. Nach Medienberichten vom Vortag hatte Schwedens Zoll wegen unbezahlter Rechnungen den zeitweiligen Stopp der Produktion herbeigeführt.
Saab gehört wie Opel in Deutschland zum US-Konzern General Motors (GM) und will mit einem neuen Eigner überleben. Der bisherige Konzernchef Jan-Åke Jonsson sagte in der Zeitung „Svenska Dagbladet“, es gebe derzeit „sieben bis acht seriöse Kaufinteressenten“. Man müsse aber damit rechnen, dass die bisher angepeilte Frist von drei Monaten zur Neustrukturierung nicht ausreichen werde. Danach werde GM neues Kapital für die Fortsetzung der Produktion bereitstellen müssen. Saab hat der selbst um ihr Überleben kämpfenden US-Mutter in den vergangenen Jahren stets hohe Verluste eingebracht. 2008 produzierten die 4000 Beschäftigten nur noch 94.000 Wagen.














- als Spam melden
- antworten
- als Spam melden
- antworten
- als Spam melden
- antworten
Alle Kommentare lesen07.03.2009, 13:34 UhrAnonymer Benutzer: meckerer
Es ist deprimierend, in einem Land zu leben, in dem der gesunde
Menschenverstand offenbar nicht mehr existiert. Jedes weitere
Wort ueber die Opelrettung, die ein gigantisches Verbrechen am
ganzen Volk ist, ist ueberfluessig.
28.02.2009, 20:57 UhrAnonymer Benutzer: Volker
@ Anti Schmarotzer
DU bist das Volk. ich bin nur Volker.
27.02.2009, 17:34 UhrAnonymer Benutzer: Jens
@ Kyoto: Natürlich werden Arbeitsplätze verloren gehen, was ich für die Leute zutiefst bedauere und keinem wünsche. Die tiefer liegenden Probleme kann man doch aber nicht durch eine gigantische Subventionierung reparieren. Hier hat sich eine Monokultur aufgebaut, die sich in der Krise rächt. Natürlich wird man auch weiterhin in Europa Karossen herstellen, aber nur, wenn es effizient und wirtschaftlich erfolgt und die Kunden die Dinger zu den verlangten Preisen auch kaufen wollen. Die Tatsache ist allerdings, das die ganze branche einen Speck angesetzt hat, der nun die beweglichkeit einschränkt. Das ganze Geschäftsmodell wurde doch bisher sowieso schon massiv über Steuererleichterungen subventioniert (Firmenwagen u.ä.), was die Autoindustrie sicherlich nicht besonders motiviert hat, sich fit zu halten. Der Run auf die Prämie beweist doch ganz klar, daß die Autopreise im Schnitt mindestens 2500 € zu hoch liegen. Von dem dort herrschenden Lohnniveau konnte man doch anderswo seit Jahrzehnten nur träumen.