Autos: Hoffen auf Olympia

Autos: Hoffen auf Olympia

Die Fahrzeughersteller stehen vor einem schwierigen Jahr. Neue Modelle treffen auf verunsicherte Kunden und einen Markt im Wandel.

Eine Modelloffensive mit einem Rückruf zu beginnen ist zweifellos unglücklich. Besonders pikant aber wird es, wenn so etwas während der Eroberung eines Marktes passiert – und mit einer Technologie, die auf diesem Markt noch auf breite Skepsis stößt. So gesehen ist Dieter Zetsche der Start in das Jahr 2008 ziemlich schlecht geraten. Rund 9000 Mercedes-Diesel müssen in den USA in die Werkstätten, wegen eines Problems an der Motorverkabelung. Die betroffenen Autos könnten schlagartig Leistung verlieren oder gar nicht mehr anspringen.

Dabei hatte sich der Daimler-Chef eigentlich vorgenommen, den nordamerikanischen Markt mit dem sauberen Diesel zu erobern. Die bei Daimler Bluetec genannte Technik, die in der neuesten Generation auch die strengen kalifornischen Abgasnormen erfüllt, will Zetsche angesichts steigender Öl- und Kraftstoffpreise als sparsame Alternative zu konventionellen Benzinmotoren und auch zu Hybridantrieben etablieren. Die ersten Verkaufszahlen waren vielversprechend. Rund 12.000 Selbstzünder hat Daimler im vergangenen Jahr in den USA verkauft. Auch BMW und Audi versuchen nun, mit ihren eigenen Dieseln auf dem US-Markt Fuß zu fassen. Doch noch sind die Dieselverkäufe in den USA nicht mehr als ein zartes Pflänzchen. Die Rückrufaktion von Mercedes ist deshalb ein herber Dämpfer für die Dieselambitionen der deutschen Autoindustrie in Nordamerika. „ Jetzt heißt es unter den Diesel-Skeptikern wieder ,Diesel doesn’t work‘ “, sagt Christoph Stürmer, Autoexperte beim Beratungsunternehmen Global Insight.

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Das ist nur eines von vielen Themen, mit denen sich die deutschen Autohersteller in diesem Jahr plagen werden. Auch sonst droht eine schwierige Wegstrecke. Auf der einen Seite haben sich Volkswagen, Mercedes und Co. hohe Absatz- und Renditeziele gesetzt und glänzen mit einer Reihe attraktiver neuer Autos, von denen einige das Zeug zum Weltbestseller haben. Auf der anderen Seite aber werfen die Börsenkrise und die mögliche Rezession dunkle Schatten. „Wirtschaftskrisen schlagen immer auch auf den Autoabsatz durch“, weiß Global-Insight-Experte Stürmer.

Hinzu kommt die Debatte über künftige CO2-Grenzwerte in der europäischen Union. In Deutschland scheint die Diskussion über die Umstellung auf eine rein emissionsbezogene Kfz-Steuer kein Ende nehmen zu wollen. Frankreich hat derweil eine Strafsteuer für Fahrzeuge mit hohem Kraftstoffverbrauch eingeführt. Und Italien zahlt Verschrottungsprämien für alte Autos. Davon profitieren allerdings in erster Linie die Hersteller von Klein- und Kompaktwagen, weil die Prämie nur Käufern sparsamer Autos gezahlt wird. Nur in den osteuropäischen Ländern ist der Appetit auf neue Fahrzeuge bislang ungebrochen. Doch das wird kaum reichen: „In Europa sehen wir 2008 insgesamt ein Nullwachstum“, prognostiziert Willi Diez, der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) an der Fachhochschule Nürtingen.

Immerhin könnte sich der deutsche Markt wieder ein bisschen beleben: 2007 war ein Trauerjahr. Mit weniger als 3,2 Millionen Autos erreichten die Zulassungen den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Dabei machte den Analysten vor allem eine Kundengruppe zu schaffen: die privaten Autokäufer. Sie, so schien es, gehörten dringend auf die rote Liste der bedrohten Arten, gemeinsam mit dem Gartenrotschwanz (Vogel) oder der kleinen Hufeisennase (Fledermaus). Erstmalig, so wurde berichtet, hätten 2007 die gewerblichen Autokäufe die private Nachfrage übertroffen. Eine Detailanalyse der Zulassungsdaten des Kraftfahrtbundesamtes zeigt allerdings: Im vergangenen Jahr übertraf die Nachfrage durch Privatkunden die der Geschäftskunden noch immer deutlich. Allerdings greifen immer mehr Privatkäufer zu sogenannten Tageszulassungen, also zu Fahrzeugen, die beispielsweise freie Händler auf sich zugelassen haben, um sie anschließend mit ordentlichem Rabatt als junge Gebrauchte zu verkaufen. Auch der überwiegende Teil der Autos, die die Hersteller in ihrer eigenen Vertriebsorganisation zugelassen haben, dürfte nach Einschätzung von Global Insight schon nach kurzer Verweildauer in den Händen privater Autokäufer gelandet sein, sodass noch immer gut zwei Drittel aller Zulassungen auf private Nachfrage zurückgehen. Zwar ist der Anteil der echten gewerblichen Nachfrage nach Schätzungen der Branchenexperten aufgrund des Rückgangs der privaten in 2007 von knapp 28 auf 32 Prozent gestiegen, „einen strukturellen Einbruch des Privatkundensegments können wir aber nicht entdecken“, sagt Global-Insight-Analyst Stürmer.

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