Autoservice: ATU: Zu viel, zu schnell

Autoservice: ATU: Zu viel, zu schnell

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Reifenlager bei ATU

Der Fall der Autoservicekette ATU zeigt, wie schwer es für Investoren sein kann, im operativen Geschäft zu glänzen.

Nein, Auto-Teile-Unger (ATU) ist keiner jener Fälle, in denen ein Investor ein Unternehmen auspresst, ohne operativ viel versucht zu haben. Zwar konnten die beiden Finanzinvestoren KKR und Doughty Hanson als Anteilseigner von ATU der Versuchung nicht widerstehen, der Firma einiges an Schulden aufzubrummen – derzeit etwa 650 Millionen Euro. Im Gegenzug haben sie allerdings bei der Werkstatt- und Ersatzteilkette kräftig Hand angelegt. ATU ist daher ein Beispiel dafür, dass sich ehrgeizige Investoren oft zu viel vornehmen und anschließend die übernommenen Unternehmen in Schwierigkeiten geraten.

Unternehmensgründer Peter Unger hatte die Mehrheit an seiner Firma 2002 an den britischen Investor Doughty Hanson verkauft, zwei Jahre später stieg KKR ein; die Amerikaner halten heute 80 Prozent von ATU, Doughty den Rest. KKR trieb ein Heer von Beratern durch das Unternehmen. Sie verordneten dem ohnehin schon auf Effizienz getrimmten Unternehmen eine noch schlankere Struktur in einer Reihe von Bereichen, vom Einkauf bis zur Lagerhaltung; oben drauf setzten die Berater einen ambitionierten, europaweiten Wachstumsplan. Finanziert werden sollte das alles mit dem Geld, das das Tagesgeschäft in die Kassen des vor wenigen Jahren noch florierenden Unternehmens spülte.

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Anfangs schien der Plan aufzugehen. Doch zwei warme Winter – und entfallendes Winterreifengeschäft – genügten, um aus ATU einen Sanierungsfall zu machen. Rund 140 Millionen Euro haben KKR und Doughty Hanson jetzt nachgeschossen, um das Unternehmen mit seinen rund 15.000 Mitarbeitern vor der Insolvenz zu retten.

Auch der Betriebsrat ist in Aufregung, weil ATU erstmals in der Unternehmensgeschichte Stellen abbaut. Zwar ist deren Zahl mit 350 überschaubar. Per Saldo wurden seit dem vergangenen Jahr durch zusätzliche Neueinstellungen sogar 850 neue Jobs geschaffen. Doch Betriebsratschef Mirko Kuklenski macht eine andere Rechnung auf: So sei in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Mitarbeiter pro Filiale von 25 auf 21 gesunken: „Wir haben die Geschäftsleitung mehrmals darauf hingewiesen, dass wir so die Service-Qualität in den Filialen nicht mehr aufrechterhalten können. Setzen Sie sich doch mal am Samstagmittag eine Stunde in eine Filiale und schauen Sie, was da abgeht.“

Der Mann, der das Unternehmen wieder in die Spur führen soll, ist der ehemalige VW-Vertriebschef Michael Kern. Er will alte Stärken von ATU wieder herauskehren, also das klassische Ersatzteil- und Werkstattgeschäft, wo ATU über niedrige Preise die Kunden von den Markenwerkstätten weglocken will. Doch die Autohersteller halten dagegen.

Volkswagen etwa will mit 300 eigenen „Stop+Go“-Werkstätten in Deutschland künftig verstärkt Fremdmarken und ältere Autos betreuen und wildert so im ATU-Revier. Dazu kommt: Immer mehr Hersteller verlängern die Garantie- und Gewährleistungsfristen. So erhalten Fiat-Kunden für Modelle wie den Grande Punto inzwischen fünf Jahre Garantie, Opel-Kunden für ihre Autos gar sechs. In der Zeit sieht kaum eine freie Werkstatt die Wagen, weil die Kunden– wenn auch unbegründet – Angst um ihre Garantieansprüche haben. Deshalb will Kern sich künftig auch stärker auf Autos fokussieren, die mindestens vier Jahre alt sind.

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