Autozulieferer: Conti-Aufsichtsrat will mehr Geld von Schaeffler

Autozulieferer: Conti-Aufsichtsrat will mehr Geld von Schaeffler

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Conti-Spitze: der Vorstandsvorsitzende, Manfred Wennemer (l.), und der Chef des Aufsichtsrats, Hubertus von Grünberg

Im Poker um Continental hat dessen Aufsichtsrat das Angebot der Schaeffler-Gruppe zurückgewiesen. Die Kontrolleure halten den Preis für zu niedrig - und zeigen sich dennoch gesprächsbereit.

Nach einer Krisensitzung des Kontrollgremiums erklärte der Konzern in Hannover, das Übernahmeangebot von Schaeffler bewerte Conti als nicht angemessen. Es werde den Unternehmensinteressen nicht gerecht. Der Aufsichtsrat unterstütze die Vorgehensweise des Vorstands „in vollem Umfang“.

Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg sprach von einer „Schicksalsstunde“, das erreichte Ergebnis sei einhellig. Dennoch ist er gesprächsbereit.

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Es solle neue Verhandlungen geben, hieß es. Eine Einigung mit dem fränkischen Familienunternehmen sei „erstrebenswert“. Sollte die Schaeffler-Gruppe bereit sein, entweder über eine angemessene Prämie für Conti-Aktionäre oder über die Begrenzung auf eine für das Unternehmen akzeptable Beteiligungsquote zu verhandeln, habe der Vorstand die Unterstützung des Aufsichtsrats, direkte Verhandlungen mit Schaeffler aufzunehmen. Dabei würden Aufsichtsrat und Vorstand alles tun, um die Interessen der Aktionäre und Mitarbeiter zu schützen.

Die Schaeffler Gruppe begrüßte, dass der Conti-Vorstand und -Aufsichtsrat eine Einigung für „erstrebenswert“ halten. „Die Schaeffler Gruppe wartet jetzt darauf, dass die Continental AG ihre Vorstellungen konkretisiert, damit sich die Schaeffler Gruppe äußern kann.“

Vor der Sitzung des Conti-Aufsichtsrats hatte es Spekulationen gegeben, das Kontrollgremium könne dem Vorstand um Wennemer die erhoffte Rückendeckung verweigern. Von Grünberg hatte vor einem „Kampf um jeden Preis“ gewarnt. Schaeffler sichere zu, Conti nicht zerschlagen zu wollen. Dagegen hatte sich der Vorstand wesentlich misstrauischer gezeigt.

Schaeffler will nach eigenen Angaben mehr als 30 Prozent der Conti-Anteile übernehmen. Der Conti-Vorstand ist aber nur zu einer Beteiligung von 20 Prozent bereit, was wiederum Schaeffler ablehnt. Schaeffler bietet in dem Übernahmeangebot 70,12 Euro pro Aktie. Branchen-Analysten halten einen Preis zwischen 80 und 100 Euro für gerechtfertigt.

Schaeffler hat allerdings direkt und über sogenannte Swap-Geschäfte bereits Zugriff auf ein Aktienpaket von rund 36 Prozent, falls die an dem Deal beteiligten Banken bis zum Ende mitspielen. Damit hätte Schaeffler wegen der geringen Präsenz auf Hauptversammlungen faktisch das Sagen bei der Conti. Wennemer hatte das Vorgehen Schaefflers als rechtswidrig bezeichnet. Conti teilte mit, das Schaeffler-Angebot berücksichtige zum Beispiel nicht die hierdurch eintretenden Steuernachteile und erhöhten Refinanzierungskosten. Die Art und Weise der Annäherung von Schaeffler solle durch die zuständigen Aufsichtsbehörden weiterhin juristisch geprüft werden.

Gewerkschaft pocht auf Tarifverträge

Wennemer hatte Schaeffler vorgeworfen, sich „durch die Hintertür“ angeschlichen zu haben und dabei Meldepflichten umgangen zu haben. Das Vorgehen von Schaeffler sei „egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos“. Die Schaeffler-Gruppe dagegen erklärte, das Unternehmen habe sich „marktüblicher Finanzinstrumente bedient und dabei keinerlei geltendes Recht“ verletzt.

Conti teilte weiter mit, der Aufsichtsrat habe den vom Vorstand „bereits identifizierten Handlungsoptionen“ zugestimmt. Einzelheiten wurden nicht genannt. Als Möglichkeiten gelten aber rechtliche Schritte, eine Kapitalerhöhung sowie die Suche nach einem „weißen Ritter“ - einem freundlich gesonnenen Großinvestor, der bei der Conti einsteigt. Zudem hat Conti die Finanzaufsicht BaFin dem Vernehmen nach aufgefordert, die umstrittenen Swap-Geschäfte von Schaeffler vorerst zu blockieren.

Vize-Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der Gewerkschaft IG BCE sagte, die Arbeitnehmervertreter seien bereit zum Dialog mit Schaeffler. Sie erwarteten aber Sicherheit für Standorte und Arbeitsplätze. Die Tarifverträge müssten eingehalten werden, die Mitbestimmungsrechte erhalten bleiben. Zudem dürfe es keinen Verkauf oder Verlagerung von Unternehmensteilen geben.

IG Metall-Bezirkschef Hartmut Meine sagte, mündliche Absichtserklärungen der Schaeffler- Gruppe reichten nicht aus, notwendig seien Verträge, deren Einhaltung nachprüfbar sei.

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