Autozulieferer: Continental einigt sich mit Schaeffler friedlich

Autozulieferer: Continental einigt sich mit Schaeffler friedlich

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Maria-Elisabeth Schaeffler: Überrumpelt durch die Hintertür

Der Übernahmekampf um Continental ist beendet: Der Autozulieferer schloss mit der Schaeffler-Gruppe eine „weitreichende Investorenvereinbarung“.

Dabei machte Schaeffler deutliche Zugeständnisse an Conti. Eine in Hannover befürchtete Zerschlagung des Konzerns soll es nicht geben. Dennoch kann sich der neue Investor nach harten Verhandlungen beim wesentlich größeren Dax-Konzern am Ziel wähnen - das Familienunternehmen aus Herzogenaurach hat künftig bei der Conti das Sagen.

Conti habe ein akzeptables Gesamtpaket erreicht, erklärte das Unternehmen. Demnach wurden umfangreiche Regelungen zum Schutz der Interessen der Continental AG sowie ihrer Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden getroffen.

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Schaeffler habe sich verpflichtet, den Angebotspreis von 70,12 Euro auf 75,00 Euro je Continental-Aktie zu erhöhen. Darüber hinaus habe Schaeffler unter anderem zugesagt, das Engagement bei Continental innerhalb der nächsten vier Jahre auf eine Minderheitsbeteiligung von bis zu 49,99 Prozent zu beschränken.

Zudem verpflichtete sich Schaeffler zu einem Risikoausgleich bis zu einer Höhe von insgesamt 522 Millionen Euro für Verluste etwa steuerlicher Art, die im Zuge der Übernahme entstehen könnten. Eine komplette Übernahme aber hatte Schaeffler auch gar nicht angestrebt - das Ziel der Gruppe war ein Anteil von mehr als 30 Prozent.

Gerhard Schröder soll Interessen wahren

Zum Schutz der Interessen der Arbeitnehmer werde Schaeffler ohne Zustimmung des Conti-Vorstands keine Maßnahmen treffen, die auf eine Änderung von Betriebsvereinbarungen oder tarifvertraglichen Vereinbarungen abzielten. Bestehende Rechte von Mitarbeitern, Betriebsräten und Gewerkschaften würden respektiert.

Schaeffler strebt Kreisen zufolge vier Aufsichtsratsmandate an. Unklar sei aber noch, ob Schaeffler auch den Vorsitz des Kontrollgremiums beansprucht.

Als Garant für die Wahrung der Interessen von Continental sei Exbundeskanzler Gerhard Schröder gewonnen worden. Zugleich gab Continental Veränderungen im Vorstand des Unternehmens bekannt.

Vorstandschef Wennemer aber nimmt nach der größten Herausforderung seiner Karriere den Hut. Im neuen Kapitel der Unternehmensgeschichte sieht der 60-Jährige für sich selbst offensichtlich keinen Platz mehr und tritt zum 31. August zurück. „Erhobenen Hauptes“ so viel wie möglich für Conti herausholen bei den Verhandlungen mit Schaeffler - das war das Ziel Wennemers, wie es in Hannover in den vergangenen Tagen hieß.

Der Noch-Vorstandsvorsitzende Quelle: dpa

Der Noch-Vorstandsvorsitzende der Continental AG: Manfred Wennemer

Bild: dpa

Sein Nachfolger soll kurzfristig bestellt werden. Als Favoriten gelten die Conti-Vorstände Alan Hippe (41) und Karl-Thomas Neumann (47). Mit seiner harschen Kritik am Vorgehen der Schaeffler-Gruppe hatte sich Wennemer keine Freunde gemacht bei der Schaeffler-Führung um Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler und Geschäftsführer Jürgen Geißinger. In einer „Brandrede“ hatte Wennemer Mitte Juli eine harte Gegenwehr gegen die drohende Übernahme angekündigt und gewettert, das Vorgehen der Franken sei „egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos“. Schaeffler habe sich über Finanzgeschäfte, Swap-Geschäfte, rechtswidrig an Conti „herangeschlichen“. Der angebotene Preis sei viel zu niedrig. Und: „Continental würde Schaeffler nützen, Schaeffler aber nicht Continental.“

Doch die Schaeffler-Gruppe hatte sich in einem Coup eine gute Ausgangsposition bei der Conti verschafft, so dass die Übernahme am Ende nicht mehr zu verhindern war.

Schaeffler hält aktuell bereits acht Prozent an Conti und hat nach eigenen Angaben über die Finanzgeschäfte Zugriff auf weitere 28 Prozent. Mögliche Abwehr-Waffen von Conti gegen eine Übernahme blieben zudem im Arsenal. Dies anscheinend auch, weil die Suche nach einem „weißen Ritter“, einem freundlich gesonnenen Großinvestor, nicht von Erfolg gekrönt war. Zudem machte die Autoindustrie Druck für eine friedliche Einigung - VW-Chef Martin Winterkorn etwa sprach sich früh grundsätzlich für ein Zusammengehen der Zulieferer aus.

Außerdem gab es in der Conti-Führung erheblichen Streit über die Verhandlungstaktik. Dabei kam es angeblich zum Zerwürfnis zwischen Wennemer und dem einflussreichen Aufsichtsrats-Boss Hubertus von Grünberg. Von Grünberg favorisierte anscheinend von Anfang an eine friedliche Einigung mit Schaeffler.

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