Autozulieferer: Continental schreibt Milliardenverlust und weitet Kurzarbeit aus

Autozulieferer: Continental schreibt Milliardenverlust und weitet Kurzarbeit aus

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Der Vorstandsvorsitzende der Continental AG, Karl-Thomas Neumann.

Die Übernahme von VDO beschert Continental einen Jahresverlust von 1,2 Milliarden Euro. Wegen der Krise weitet der Autozulieferer die Kurzarbeit in seinen Werken aus. Zum neuen Eigentümer Schaeffler blieb die Konzernspitze wortkarg.

Unterm Strich gab es bei Continental im Geschäftsjahr 2008 ein Minus von 1,12 Milliarden Euro, wie der Konzern heute in Hannover mitteilte. Dies lag vor allem an einer Abschreibung im Zuge der Übernahme der Siemens-Tochter VDO. Die erforderliche Abschreibung des Automotive-Geschäfts aufgrund der schwächeren Marktentwicklung „enttäuscht uns natürlich sehr“, sagte Continental-Chef Karl-Thomas Neumann. Im Jahr 2007 wurde noch ein Plus von 1,02 Milliarden Euro erzielt.

Angesichts der Krise in der Autoindustrie rechnet Continental im laufenden Jahr mit „erheblichen Restrukturierungsmaßnahmen“. So will Continental weitere Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Auch in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie in der Verwaltung seien kürzere Arbeitszeiten geplant, sagte Neumann heute. „Im Januar waren in Deutschland 7000 Mitarbeiter in Kurzarbeit“, sagte Personalvorstand Heinz-Gerhard Wente. „Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl erhöhen wird in den nächsten Monaten.“ Über darüber hinaus gehende Einschnitte sei noch nicht entschieden.

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Schuldenabbau hat höchste Priorität

Der Abbau des hohen Schuldenberges habe oberste Priorität. Um die geplante Entschuldung des Konzern zu erreichen, schließt Conti die Ausgabe neuer Aktien weiter nicht aus. „Eine Kapitalerhöhung morgen am Aktienmarkt zu machen wäre Quatsch“, sagte Neumann. „Aber wir müssen 2010 etwas machen.“

Auch der Verkauf von Firmenteilen sei denkbar. „Es gibt keinen aktiven Verkaufsprozess für die Rubber Group“, sagte Vorstandsmitglied Hans-Joachim Nikolin. Die Vorbereitungen dafür, die Gummi-Sparte aus dem Konzernverbund herauszulösen, liefen allerdings weiter und würden noch einige Monate in Anspruch nehmen.

Conti-Reifensparte soll ausgegliedert werden

Die Zukunft der Conti ist derzeit offen. Großaktionär Schaeffler ist wegen der Conti-Übernahme hoch verschuldet und bittet um Staatshilfen. Conti-Vorstandschef Neumann ging nicht auf Fragen zu einem möglichen Zusammenbruch von Schaeffler ein. Neumann sagte aber, Conti wolle dafür sorgen, nicht „Teil des Problems“, sondern „Teil der Lösung“ zu sein.

Conti und Schaeffler arbeiten derzeit an einem Konzept zur Zusammenarbeit zwischen den beiden Autozulieferer-Sparten. Dies werde aber noch Monate dauern, sagte Neumann. Die Conti-Reifensparte soll ausgegliedert werden. Die Conti-Spitze betonte, ohne die Abschreibungen in Höhe von 1,23 Milliarden Euro hätte der Konzern im vergangenen Jahr schwarze Zahlen geschrieben. Conti hatte für VDO mehr als 11 Milliarden Euro bezahlt.

Neumann sagte, die mit dem VDO-Kauf verbundenen Erwartungen hätten sich nicht erfüllt, der Kauf sei sicher kein „Schnäppchen“ gewesen. Dennoch sei die Übernahme der richtige Schritt gewesen, denn Conti sei damit in den wichtigsten Branchentrends Sicherheit, Umwelt und Information bestens positioniert. Sorgenkind unter den einzelnen Konzernsparten bleibt der Geschäftsbereich Powertrain, der etwa Antriebsstränge fertigt. Der Bereich verzeichnete Verluste. Dagegen erzielte Conti etwa im Bereich Pkw-Reifen eine vergleichsweise hohe Rendite.

Mit konkreten Prognosen für das laufende Geschäftsjahr hielt sich die Conti-Spitze angesichts der unsicheren Zukunft der Autoindustrie zurück. Neumann sagte, der Umsatzrückgang gerade in den Autozulieferer-Sparten dürfte sich im ersten Halbjahr 2009 noch einmal beschleunigen. Die Conti erwarte aber 2009 unterm Strich wieder ein positives Ergebnis - falls Abschreibungen ausblieben.

Das Ergebnis bereinigt um Sondereffekte stieg 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozent auf rund 1,8 Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich vor allem wegen der VDO-Übernahme um fast 46 Prozent auf 24,2 Milliarden Euro.

Die Netto-Finanzschulden verringerten sich gegenüber dem Jahresende 2007 um rund 373 Millionen Euro auf rund 10,5 Milliarden Euro.

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