Autozulieferer: Continental und Schaeffler brauchen die Hilfe der Kanzlerin

KommentarAutozulieferer: Continental und Schaeffler brauchen die Hilfe der Kanzlerin

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Eingang des Hauptsitzes der Schaeffler KG in Herzogenaurach

Eine Schuldenlast von 22 Milliarden Euro und die Autoabsatzkrise manövrieren die Schaeffler-Gruppe in eine kaum mehr handhabbare Lage. Bundeskanzlerin Merkel muss nun einspringen, fordert Ferdinand Dudenhöffer in seinem Gastkommentar für wiwo.de.

Die Lage bei Schaeffler und Continental wird immer brisanter. Der neue deutsche Riese im Weltzuliefergeschäft könnte schneller Historie werden als von vielen vermutet. Schaeffler hat Continental zu 49,9 Prozent bereits übernommen und eine Schuldenlast von 22 Milliarden Euro angehäuft. Gepaart mit der größten Krise der Automobilindustrie seit dem zweiten Weltkrieg manövriert das die fränkische Unternehmebnsgruppe und in eine kaum mehr handhabbare Lage. Der neue Riese wird von der Schuldenlast erdrückt, sollte sich kein Ausweg finden.

Die Möglichkeiten sind äußerst eng. Ein Investor, der sich als eine Art stiller Gesellschafter, engagiert ist nicht auszumachen. Wie sollte denn auch in der Finanzkrise jetzt ein Deus ex Machina auftauchen? Ähnliches gilt für den Verkauf von Firmenteilen, wie der Reifensparte, um Liquidität zu schaffen. Soll der Crash vermieden werden bleibt nur eine Option: Die Kanzlerin muss über ihren Schatten springen und Bürgschaften ermöglichen.

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Schaeffler könnte ab 2012 Schulden abbauen

Ist dies verantwortbar? Schaeffler und Continental waren bis vor ein paar Monaten sehr ertragreiche Unternehmen. Die Chance, dass dies auch nach der Krise – etwa ab dem Jahr 2011 wieder so sein wird – ist grundsätzlich gegeben. Weder die Innovationsfähigkeit, noch die Effizienz und Qualität der Fabriken oder die guten Kundenbeziehungen wurden in den letzten Monaten zerstört. Die Organisation, die über Jahre ertragreich gearbeitet hat und eine beeindruckende Wachstumsstory geschrieben hat ist intakt und unverändert.

Das Problem steckt im Kapital. Gelingt es die Verschuldung zu meistern, ist die Chance groß nach der Krise ertragreich zu wachsen. Eine Modellrechnung hilft diese Frage zu beantworten. Nach unserer Einschätzung dürfte für das Jahr 2008 der Umsatz der Schaeffler-Continental-Gruppe in der Größenordnung von 33 Milliarden Euro liegen und ein EBIT (Gewinn vor Steuern und Zinsen) von 800.000 Euro erzielt werden. Unterstellt man eine langfristige Verzinsung des Fremdkapitals von 6 Prozent, steigt der Schuldenberg der Gruppe im Jahr 2008 auf 22,5 Milliarden Euro.

Dieser Schuldenaufbau wird sich auch 2009 und 2010 fortsetzen. Im Jahre 2011 wäre nach unserer Kalkulation ein Schuldenberg von 23,7 Milliarden Euro angehäuft, weil wir eben zwei sehr dürre Jahre in der Autowelt vor uns haben und mit Umsatzrückgängen von 15 Prozent rechnen müssen. Aber mit Beginn des Jahres 2012 sind die Voraussetzungen gut, die Schuldenlast langsam abzubauen. Zwei Annahmen treffen wir dabei: Wir unterstellen ein konservatives Wachstum der Weltautomärkte, das für Schaeffler-Continental ein jährliches Umsatzwachstum von drei Prozent generiert. Zudem nehmen wir eine konservative EBIT-Rendite von 9 Prozent an. Unter diesen Voraussetzungen wäre bereits im Jahre 2020 der Schuldenberg auf knapp 10 Milliarden Euro abgebaut, wenn keine Gewinne entnommen werden und die Gewinne zu 35 Prozent versteuert werden. Das Problem ist also lösbar.

Ertragsaussichten sind von Börse falsch bewertet

Wie realistisch sind jetzt die übrigen Annahmen der Modellrechnung? Macht es Sinn zu unterstellen, dass bei der Continental keine Dividende bezahlt wird? Zum einen zeichnet sich die Schäffler-Gruppe als Familienunternehmen aus, das seit Jahren Gewinne im Unternehmen stehen lässt. Also kann das auch bis zum Jahre 2020 erfolgen. Für Continental wäre das auch kein Problem, da ja gut 90 Prozent der Aktien direkt oder indirekt ohnehin im Schaeffler-Besitz sind. Zum zweiten ist Schaeffler-Continental weit mehr wert als die heutigen Aktienkurse der Conti-Aktien zum Ausdruck bringen. Der Bilanzwert der beiden Unternehmen – sieht man jetzt man von den beiden dürren Jahren 2009 und 2010 ab – ist ja nicht durch ein Erdbeben oder ähnliches zerstört worden, sondern die Börse bewertet das Unternehmen Continental neu.

In dieser Börsenbewertung kommen zweifelsohne Ertragsaussichten zum Ausdruck, aber deutlich überbetont. Das zeigt auch die kleine Modellrechnung. Kein Mensch geht vom Ende der Autowelt im Jahr 2011 aus, sondern alle rechnen mit einem fortgesetzten Wachstumspfad, der aus neuen Märkten wie Asien und Russland wichtige Impulse erhält. Also sind die Ertragsaussichten – klammert man die Dürreperioden aus - vorhanden und von der Börse falsch bewertet. So was passiert schon mal.

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