Autozulieferer: Continental und Schaeffler: Stunk hinter den Kulissen

KommentarAutozulieferer: Continental und Schaeffler: Stunk hinter den Kulissen

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Karl Thomas Neumann, Continental-Vortstandsvorsitzender, (l.) und Rolf Koerfer, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Continental AG

Ein paar Wochen lang schien es so, als hätten sich die Wogen zwischen Continental und seinem Mehrheitsaktionär Schaeffler geglättet. Doch hinter den Kulissen brodelt es schon wieder heftig. Der nächste offene Streit zwischen Hannover und Herzogenaurach scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Katzensteiner.

Die relativ guten Zahlen, die Conti jüngst präsentiert hat, können nicht darüber hinwegtäuschen: Der Hannoveraner Autozulieferer braucht weiterhin dringend frisches Geld, sein Großaktionär sowieso. Doch über die Art der Entschuldung gibt es schon wieder Stress zwischen den beiden Konzernen, der schon auf der Continental-Aufsichtsratssitzung in der kommenden Woche am Donnerstag eskalieren könnte.

Da ist einerseits der Plan von Conti, sich selbst über eine Kapitalerhöhung neues Geld zu beschaffen. Da sind andererseits die Überlegungen seitens Schaeffler, sich ganz oder in Teilen an Conti zu verkaufen und damit die eigenen Schulden, die durch die Übernahme des größeren Konkurrenten entstanden und dem fränkischen Zulieferer über den Kopf gewachsen sind, zu tilgen. Der größte Knackpunkt hier: der Preis.

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Zehn Milliarden für Schaeffler sind "absurd"

Auch wenn es bei Schaeffler heißt, jene zehn Milliarden Euro, die seit einigen Tagen als möglicher Preis für das operative Geschäft von Schaeffler kursieren, seien lediglich Berechnungen einer Investmentbank: So ganz zufällig kommt diese Zahl sicher nicht zustande. Deckt sie sich doch auffallend mit den Schulden, unter denen Schaeffler seit der Conti-Übernahme leidet.

In Frankfurter Finanzkreisen jedenfalls wird die Summe als „absurd“ bezeichnet. Allenfalls die Hälfte sei das operative Geschäft von Schaeffler wert, behaupten hochrangige Banker. Ob es sich hier um schlichte Basarmentalität handelt oder Schaeffler einen Zusammenschluss unter dem Conti-Dach gezielt torpediert, wird sich wohl erst in dem kommenden Tagen zeigen und sicher noch die ein oder andere hitzige Diskussion nach sich ziehen.

Gleiches gilt für die von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann angestrebte Kapitalerhöhung. Erst vor wenigen Tagen hat Neumann seine jüngste Investoren-Roadshow beendet. Mit sehr positiver Resonanz, wie man in Hannover betont.

Bei Schaeffler dürfte das wenig Begeisterung auslösen. Denn eine Kapitalerhöhung um mindestens eine Milliarde Euro – weniger erscheint kaum sinnvoll – würde den derzeit 90-prozentigen Anteil, den Schaeffler hält, erheblich verwässern. Schließlich beträgt die gesamte Marktkapitalisierung von Conti gerade einmal knapp 4,3 Milliarden Euro.

Schaeffler bleibt keine Wahl

Maria-Elisabeth Schaeffler Quelle: REUTERS

Maria-Elisabeth Schaeffler

Bild: REUTERS

Andererseits: Welche Wahl bleibt Schaeffler? Selber kann der Zulieferer wohl kaum eine Kapitalspritze für die neu erworbene Tochter zur Verfügung stellen und ein Kapitalmarktzugang, wie ihn der börsennotierte Conti-Konzern hat, fehlt Schaeffler als Familienunternehmen.

So werden die Entscheidung, wer wem was bezahlen muss, am Ende wohl die beteiligten Banken treffen, bei denen Conti und Schaeffler Schulden haben – wenn Sie sich denn grüner sind als die beteiligten Unternehmen. Das allerdings darf bezweifelt werden.

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