Autozulieferer: Fusion von Schaeffler und Continental rückt in weite Ferne

Autozulieferer: Fusion von Schaeffler und Continental rückt in weite Ferne

Bild vergrößern

Maria-Elisabeth Schaeffler

von Hans-Jürgen Klesse

Der Autozulieferer Schaeffler will 15 Prozent seiner Aktien am Reifenhersteller Continental verkaufen: Der Befreiungsschlag liegt im Interesse aller Beteiligten, verändert Schaeffler aber von Grund auf. Auch eine Fusion der beiden Unternehmen wird immer unwahrscheinlicher. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Reporter Hans-Jürgen Klesse.

Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg dürften ein entspanntes Wochenende hinter sich haben: Ihr Entschluss, sich von 15 Prozent der Aktien am Autozulieferer und Reifenhersteller Continental zu trennen, macht die immense Schuldenlast, die auf dem fränkischen Familienunternehmen liegt, leichter erträglich. Rund zwölf Milliarden Euro hatte Schaeffler das Conti-Abenteuer letztlich gekostet, rund sieben Milliarden lasten auf dem operativen Geschäft des Kugel- und Wälzlagerherstellers aus Herzogenaurach, der Rest auf der Familienholding. Mit dem Erlös der verkauften Aktien dürften sich die Schulden um etwa drei Milliarden Euro verringern, außerdem konnte Schaeffler für die Refinanzierung der Restschulden bessere Bedingungen aushandeln.

Der Zeitpunkt für die Operation ist gut gewählt: Die Autokonjunktur brummt, das Geschäft von Schaeffler und Conti ebenfalls, der Aktienkurs von Conti hat sich deutlich erhöht. Wenn sich jetzt mit der teilweisen Entschuldung die Zinslast für Schaeffler um mehrere hundert Millionen Euro verringert, verbessert das das Ergebnis.

Anzeige

Auch für den Autozulieferer Continental aus Hannover eröffnet der Aktienverkauf neue Perspektiven: Das Unternehmen hat so die Option, in den Dax zurückzukehren, was dem Kurs weiteren Auftrieb geben könnte – so lange die Autokonjunktur anhält.

Für Schaeffler bedeutet der Verkauf der bisher bei den Privatbanken M. M. Warburg und Metzler geparkten Anteile aber auch einen weiteren tiefgreifenden kulturellen Wandel: Schon während der durch die Wirtschafts- und Finanzkrise aus der Kontrolle geratenen Übernahmeschlacht musste Schaeffler seinen Arbeitnehmern Mitbestimmungsrechte einräumen, um die Gewerkschaften zu Verbündeten zu machen. Gleichzeitig musste das vormals verschwiegene Familienunternehmen der Öffentlichkeit erstmals Einblick in die Firmeninterna gewähren und Zahlen repräsentieren.

Machtverschiebung bei Schaeffler

Jetzt folgt die nächste, noch schwerwiegendere Zäsur: Noch in diesem Jahr soll aus der Schaeffler GmbH eine Aktiengesellschaft werden. Das erschließt neue Finanzierungsquellen, würde aber auch die Möglichkeit schaffen, die Familienholding teilweise oder als Ganzes an die Börse zu bringen. Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler wären dann aber nicht mehr Herr im Haus, sondern müssten die Macht teilen.

Zudem hat es offenbar innerhalb der Schaeffler-Chefetage eine Machtverschiebung gegeben: Jürgen Geißinger, Chef des Unternehmens und Architekt der außer Kontrolle geratenen Conti-Übernahme, spielte bei dem Entschluss zum Aktienverkauf und der Neuordung der Kreditverträge nach Einschätzung von Beobachtern keine Rolle. Der Macher war Finanzvorstand Klaus Rosenfeld. Kein Wunder, dass jetzt wieder über Geißingers Entmachtung und möglichen Abgang spekuliert wird.

Conti-Schaeffler-Fusion vom Tisch

Fakt ist schließlich, dass die von Geißinger ursprünglich mit der Übernahme angestrebte Verschmelzung von Conti mit Schaeffler in weite Ferne gerückt ist. Zwar wäre der Schaeffler-Anteil an Conti auch nach einem Aktienverkauf noch groß genug, um die Hannoveraner zu beherrschen. Aber eine Integration der beiden Unternehmen würde Georg Schaeffler hohe Steuerzahlungen an seinem amerikanischen Wohnsitz aufbürden. Doch das dürfte nicht der ausschlaggebende Grund sein, warum das Thema vom Tisch ist – und das wohl auf absehbare Zeit, wenn nicht sogar endgültig.

Viel wichtiger ist, dass sich inzwischen auch bei Schaeffler die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass eine verordnete Integration kaum Synergien bringen würde, dafür aber kaum verheilte Wunden der Übernahmeschlacht neu aufreißen könnte. Warum solche Risiken eingehen, wenn sich Synergien bei Einkauf, Forschung, Produktentwicklung und Vermarktung genauso ergeben würden, wenn beide sich auf gemeinsame Projekte konzentrieren?

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%