Autozulieferer: Karmann sucht Rettung in der Insolvenz

KommentarAutozulieferer: Karmann sucht Rettung in der Insolvenz

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Karmann Ghia-Fahrzeuge werden am Band im Karmann-Werk Osnabrück gefertigt (Archivfoto vom März 1960).

Einst war Karmann ein Unternehmen von Weltruhm. Doch nach einem Abstieg auf Raten meldet der Osnabrücker Autozulieferer nun Insolvenz an. Doch die ist wohl die einzige Chance zur Rettung.

Es wird ein harter Weg, den Firmenchef Peter Harbig nun gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter und den rund 3500 Mitarbeitern der Wilhelm Karmann GmbH gehen muss, aber es war wohl der einzige, der ihm noch blieb. Nachdem die Eigentümerfamilien vergeblich mit mehreren potenziellen Investoren verhandelt hatten, steht nun fest, dass Karmann angesichts stark sinkender Umsätze und Millionenverpflichtungen, die sich aus dem Sozialplan für den jüngsten Stellenabbau ergeben, seine Zahlungsfähigkeit nicht mehr sicherstellen konnte.

Durch die Insolvenz bietet sich nun die Gelegenheit, das Unternehmen fortzuführen, wenn auch in eine Zukunft, die mit der glorreichen Historie nicht mehr viel gemein hat.

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Die Zeit als Auftragsfertiger ist vorbei

Autoaffine Menschen erinnern sich heute noch meist mit Freude an den legendären Karmann Ghia, ein schnittiges Coupé auf VW-Käfer-Basis, das einst den Weltruhm von Karmann begründete. Über Jahrzehnte machte sich das Unternehmen einen Ruf vor allem als Auftragsfertiger für die großen Autohersteller.

Das Golf-Cabrio lief hier vom Band, das Audi A4 Cabrio, der Mercedes SLK der ersten Generation genauso wie der Sportwagen Chrysler Crossfire. Doch Anfang des Jahres endete das Kapitel Auftragsfertigung. Karmann ist nurmehr ein reiner Autozulieferer mit dem Schwerpunkt Dachsysteme.

Karmann hätte früher nach Alternativen suchen müssen

Ob das Desaster vermeidbar gewesen wäre, lässt sich aus heutiger Sicht nur schwer beantworten. Klar ist aber: Karmann hätte wohl noch früher seinen Weg abseits der Aufttragsfertigung von Automobilen suchen müssen, die wegen immer besserer und flexibler Produktionssysteme bei den Herstellern seit vielen Jahren im Sinkflug war. Doch offenbar hofften auch die Eigentümerfamilien zu lange, dass das Geschäft von einst noch einmal zurückkommen würde.

Was bleibt, ist wenigstens ein Systemlieferant, dessen Engineering-Kompetenz in der gesamten Branche geschätzt wird und auch in den teuersten Automobilen Einsatz findet. Das siebenlagige Verdeck des Bentley Continental Cabriolet etwa ist eine Karmann-Entwicklung. Karmann dürfte deshalb, genau wie der ebenfalls insolvente Konkurrent Edscha, auf Dauer kaum von der Bildfläche verschwinden. Von den  lieb gewordenen Karmann-Klassiker, wie dem von Fans als „Erdbeerkörbchen“ postulierten Golf-Cabriolet bleibt aber nur die Erinnerung.

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