Autozulieferer : Volle Kassen bei ZF Friedrichshafen

Autozulieferer : Volle Kassen bei ZF Friedrichshafen

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Montage Nutzfahrzeuggetriebe ZF Friedrichshafen

von Hans-Jürgen Klesse

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen strotzt vor Finanzkraft und kann sich auch die Übernahme schwächelnder Partner leisten. Kopfzerbrechen bereitet Härter allerdings der Zustand einiger eigener Zulieferer.

Silbern glänzende Zahnräder, groß wie eine Pizza, Laufwellen so dick wie Kinderarme, Alu-Gehäuseteile wie Bierkästen, dazu jede Menge Scheiben, Bolzen und Federn – was die Bandarbeiter in der Nutzfahrzeug-Abteilung von ZF Friedrichshafen zusammenbauen, sind reine Kraftwunder. Ohne sie brächten die Motoren in Bussen und Lastwagen ihre mehrere 100 PS nie auf die Straße.

Was der Laie nicht sieht: Keines der Getriebe der Baureihe Ecolife/Ecomat ist wie das andere. Einige sind für Fernreise-, andere für Stadtbusse, einige für 40-Tonnen-Lkw im Flachland, andere für Nutzfahrzeuge, die ständig Steigungen bewältigen müssen.

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Was aber auch der Laie bemerkt: Das Produktionsband in der Nutzfahrzeugabteilung am Stammsitz in Friedrichshafen am Bodensee läuft auffällig langsam. Eine zweite Fertigungsstraße in der großen Halle steht sogar ganz still. Monteure im Blaumann erledigen Wartungsarbeiten und modernisieren die Anlagen.

Das Geschehen in der Nutzfahrzeuggetriebefertigung ist symbolisch für die Lage des ganzen Konzerns, einem der weltweit führenden Autozulieferer für Antriebs- und Fahrwerkkomponenten. Die ausgeklügelte Technik setzt weltweit Standards, allerdings läuft die Produktion nach Überwindung der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise noch nicht in allen Bereichen wieder richtig rund. Sorgen macht sich darum aber keiner: ZF ist weniger anfällig als andere Unternehmen.

Hans-Georg Härter, Vorstandsvorsitzender des Getriebeherstellers, ist in einer Situation, um die ihn andere beneiden. Haupteigentümer ist mit fast 94 Prozent die gemeinnützige Zeppelin Stiftung, den Rest hält die Dr.-Jürgen-Ulderup-Stiftung, die Bildungseinrichtungen fördert. Als nicht-börsennotierte Aktiengesellschaft kann sich ZF zwar kein frisches Geld vom Kapitalmarkt besorgen. Der Nachteil wiegt aber nicht so schwer, denn an die beiden Stiftungen muss ZF nur eine Dividende von gerade mal 21 Millionen Euro jährlich ausschütten – sieben Prozent auf das Stammkapital von 300 Millionen. Unter dem Strich bleiben in guten Jahren aber zwischen 400 und 500 Millionen Euro als Gewinn. Das sichert nicht nur die hohe Eigenkapitalquote von rund 40 Prozent sondern auch ein dickes Finanzpolster für schlechte Zeiten und genügend Liquidität für Investitionen.

Kopfzerbrechen bereitet Härter allerdings der Zustand einiger eigener Zulieferer: „Die sind durch die Krise immer noch so geschwächt, dass ihnen jetzt die Liquidität zur Finanzierung des Aufschwungs fehlt – wenn einer von denen in Schwierigkeiten gerät, droht ein Abriss der Lieferkette." Um das zu vermeiden, ist der ZF-Chef auch bereit, viel Geld in die Hand zu nehmen. „Die weitestgehende Möglichkeit besteht darin, in Not geratene Zulieferer selbst zu übernehmen."

Rettungsaktion für Zulieferer

Wie das funktioniert, hat ZF beim elsässischen Alu-Guss-Hersteller Fonderie Lorraine gezeigt, dessen Produktion zu 90 Prozent an ZF geht. Ende 2010 erwarb Härter die französische Tochter des insolventen Autozulieferers Honsel aus dem sauerländischen Meschede. Am liebsten würde er das auch mit dem Rest der Honsel-Gruppe so machen. Zusammen mit dem mexikanischen Zulieferer Nemak, der ebenfalls Interesse an Honsel hat, will ZF eine Allianz schmieden, um den Hersteller von Motorblöcken und anderen Gussteilen zu übernehmen. Eine Entscheidung steht noch aus und kann noch Wochen dauern – zuerst müssen die Kartellbehörden zustimmen.

Den anteiligen Kaufpreis für Honsel aufzubringen – nach Expertenschätzung rund 100 Millionen Euro – wäre für Härter kein Problem. Dank der Stiftungskonstruktion bleibt so viel Geld in der Kasse, dass der Konzern sich ein dickes Budget für Investitionen in die Zukunft leisten kann. Eine Dreiviertel Million Euro gibt ZF in diesem Jahr für Forschung und Entwicklung neuer Produkte aus, knapp eine Milliarde umfasst das Investitionsprogramm. Gut ein Drittel davon fließt in ein neues Getriebewerk in den USA, in Schweden baut ZF eine Fabrik, um eigens für Saab entwickelte Fahrwerkskomponenten zu fertigen.

Was währenddessen mit dem größten Teil der Dividende passiert, kann ZF-Chef Härter vor den Werkstoren verfolgen. Die Zeppelin-Stiftung gehört zum Sondervermögen der Stadt Friedrichshafen und betreibt Jugendeinrichtungen und Kindertagesstätten.

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