AWD-Gründer: Maschmeyers Masche mit den Medien

KommentarAWD-Gründer: Maschmeyers Masche mit den Medien

von Andreas Toller

Was der bekannte Multimillionär Carsten Maschmeyer kann, kann der NDR auch: Die Bilder in der umstrittenen Reportage über den AWD-Gründer sagen mehr als die Worte.

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Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (l) und seine Frau Doris Schröder-Köpf sowie AWD-Gründer Carsten Maschmeyer beim "Sommerball" in der russischen Botschaft in Berlin

Eine Fernsehreportage des NDR wirft Carsten Maschmeyer, dem Gründer und langjährigen Chef des Finanzvertriebs AWD, zweifelhafte Geschäftsmethoden und Günstlingswirtschaft dank bester Kontakte zu Spitzenpolitikern vor. Der wehrt sich – und verstärkt so die Zweifel an seiner Person.

Schon vor der Ausstrahlung der Reportage „Der Drückerkönig und die Politik“ hatte Maschmeyers Anwalt Matthias Prinz alle Intendanten der ARD-Sender angeschrieben. Der Reporter, so sein Vorwurf, habe bei der Recherche die  journalistische Sorgfaltspflicht verletzt. 60 Seiten umfasst Prinz Protestschreiben.  Die ARD ließ sich davon nicht schocken und sendete trotzdem.

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Keine Offenbarung

Wie erwartet wurde Carsten Maschmeyer als zwielichtige Gestalt dargestellt, die womöglich mit wenig seriösen Methoden zu großem Reichtum gekommen ist und beste Verbindungen zu Spitzenpolitikern wie Gerhard Schröder, Christian Wulff oder den Namensgebern der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge, Walter Riester und Bert Rürup, unterhält - was dem Verdacht der Günstlingswirtschaft weiter Nahrung geben sollte.

Schließlich hat der Finanzvertrieb mit Riester- und Rürup-Rentenprodukten ein Riesengeschäft gemacht. Und womöglich, so suggierte die Reportage, haben AWD-Berater ihren Kunden bei der Gelegenheit weit riskantere dafür aber provisionsträchtige Produkte verkaufen können. Einen Beweis liefert die Reportage jedoch nicht.

Journalistisch war die Sendung keine Offenbarung. Neue Fakten oder gar Enthüllungen gab es nicht. Weniger die Erkenntnisse der Reporter überraschten, vielmehr waren es die Bilder und die aufgezeichneten, sämtlich gescheiterten Versuche, ein Interview mit Maschmeyer zu bekommen. NDR-Chefreporter Christoph Lütgert geißelte das Schweigen Maschmeyers angesichts „tausender geprellter AWD-Kunden“ als „Zynismus“.

Antworten schuldig geblieben

Warum es tatsächlich nicht zum Interview kam, wissen nur die Beteiligten. Dem Reportageteam um Lütgert zufolge wollte Maschmeyer dem NDR trotz zahlreicher Anfragen über Monate hinweg kein Interview geben. Weil der NDR im vergangenen September sehr kritisch über den Finanzvertrieb AWD und dessen schillernden Gründer berichtet hatte, wäre das auch eine Überraschung gewesen. Von Seiten Maschmeyers heißt es hingegen, es habe keine Interviewanfragen oder Angebote zur Stellungnahme gegeben. Vor allem vermisste der AWD-Gründer laut Medienberichten eine schriftliche Anfrage mit einer Liste von Fragen. Lütgert sagt im Film, er habe diese geschickt, aber dennoch keinen Termin bekommen.

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