Badarmaturenhersteller: Wunder ausgenommen bei Grohe

Badarmaturenhersteller: Wunder ausgenommen bei Grohe

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Edelstahlarmaturenproduktion bei Grohe

Grohe galt als Vorzeigestück über das Wirken von Finanzinvestoren – erst im Bösen, dann im Guten. Doch die hohen Schulden bleiben eine Bedrohung.

Der Einstieg der neuen Herren im Mai 2004 war alles andere als harmonisch. Rund 3000 Jobs, so empfahl eine McKinsey-Studie, sollten bei dem Hersteller von Badarmaturen wegfallen. Die Investoren TPG und die Credit-Suisse-Tochter CSFB (heute: CS Private Equity) bekamen reichlich Gegenwind. Vor allem im brandenburgischen Grohe-Werk Herzberg, das ein Jahr später geschlossen wurde, schlugen die Wogen hoch. Der Fall des ehemaligen Familienunternehmens Grohe löste in Deutschland die Debatte über Nutzen und Schaden von Private Equity erst richtig aus. 2005 verglich der einstige SPD-Vorsitzende und Arbeitsminister Franz Müntefering, dessen Wahlkreis nahe der ehemaligen Grohe-Zentrale im sauerländischen Hemer liegt, Beteiligungsgesellschaften mit gefräßigen Heuschrecken.

Doch dann kam es besser als erwartet. Statt über 3000 Arbeitsplätze verhandelte der neue Vorstandschef David Haines nur über 940 Stellen. Da die Konjunktur anzog, konnte er 200 bereits ausgesprochene Kündigungen zurückziehen. Den Sozialplan, den der Betriebsrat mit ihm aushandelte, bezeichnete die IG Metall als vorbildlich. Auch die neue Strategie wirkte überzeugend, keine Rede von Ausbeinen. Bis Ende dieses Jahres werden die neuen Besitzer 85 Millionen Euro in das Unternehmen mit heute 5200 Beschäftigten investiert haben.

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Haines greift durch: Die Zahl der Produkte senkte er von 17.000 auf 6500, die Zahl der Lieferanten von 7500 auf 3000. Die Zentrale verlegte er nach Düsseldorf, sechs Standorte will er zusammenfassen, um die Produktion zu beschleunigen. Erste Erfolge: Brauchte eine Armatur 2004 noch 20 Tage Durchlaufzeit, so verlässt sie heute die Fabrik in drei Tagen. „So gut ging es Grohe noch nie“, sagt Haines.

Doch TPG, CS Private Equity und die Vorbesitzer – BC Partners, die Grohe 2004 von der Familie übernommen hatten – schulterten der Firma enorme Schulden auf, die inzwischen über zwei Anleihen in Gesamthöhe von 1,135 Milliarden Euro finanziert werden. Die Anleihen sieht die Ratingagentur Standard & Poor’s als „Non Investment Grade“, als ausfallgefährdet an – wie viele von Finanzinvestoren gehaltenen Investments.

Allein die jährliche Zinslast für Grohe beträgt rund 80 Millionen Euro. Dazu kommen noch Steuern und Abschreibungen. Vor einem Jahr, als Haines für 2006 ein operatives Ergebnis von 171 Millionen Euro verkündete, lag das Nettoergebnis, über das der ehemalige Coca-Cola-Manager nicht spricht, bei minus 96 Millionen Euro. Für 2007 stieg das operative Ergebnis auf 203 Millionen, über das Netto-Ergebnis schweigt der Investor allerdings erneut. Beim Eigenkapital ist die Bilanz mager. Auf Anfrage heißt es aus der Firmenzentrale in Düsseldorf, dass die Eigenkapitalquote über 20 Prozent liege. Erstaunlich: 2006 lag sie erst bei sieben Prozent.

2014 werden die Anleihen fällig und bedürfen – Wunder ausgenommen – wohl einer Anschlussfinanzierung. Sollten die Börsen wie Kreditmärkte das nicht hergeben, könnte es für Grohe eng werden. Immerhin scheint TPG entschlossen, an Grohe festzuhalten: Grohe stehe entgegen anders lautenden Medienberichten nicht zum Verkauf, heißt es bei TPG.

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