Bahn-Bilanzzahlen: Auf zum letzten Gefecht!

Bahn-Bilanzzahlen: Auf zum letzten Gefecht!

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, bei der Bilanz-Pressekonferenz in Berlin.

Eine prunkvolle Vorstellung kurz vor einem geplanten Börsengang sieht anders aus: Bei der Präsentation des Geschäftsberichts für 2007 verhaspelte sich Bahn-Chef Hartmut Mehdorn in jedem dritten Satz. Offenbar liegen bei dem Staatskonzern die Nerven blank, ob wegen des Widerstandes in der SPD die erhoffte Teilprivatisierung 2008 gelingt, berichtet WirtschaftsWoche-Redakteur Reinhold Böhmer aus Berlin.

„Wir haben zum sechsten Mal in Folge Umsatz und Gewinn des Vorjahres übertroffen“, machte Mehdorn im Berliner Marriott-Hotel heute Mittag gute Stimmung. Doch die wollte bei den Journalisten nicht recht aufkommen. Das 36-prozentige Umsatzplus, das die Bahn seit 2003 erzielte, resultiert zum überwiegenden Teil aus Firmenübernahmen. Der Anstieg bei Gewinn (vor Abzug von Zinsen und Steuern) um 418 Millionen Euro auf 2,895 Milliarden Euro speist sich wiederum per Saldo zu zwei Dritteln aus dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen. Den großen Brocken davon verdankt die Bahn zum einen ihrer Spedition Schenker, deren Land-, Luft- und Seetransporte kräftig wuchsen. Zum anderen erwirtschaftete Mehdorn ein Plus mit dem Schienennetz, über das immer mehr private Wettbewerber fahren und dessen Benutzungsgebühren er systematisch erhöht.

Das eigentliche Geschäft auf Gleis und Schotter hingegen dümpelte eher vor sich hin. Im Personenverkehr stagnierte die Verkehrsleistung der Deutschen Bahn auf Vorjahresniveau, während Wettbewerber dank mehr Fahrten im Nahverkehr um neun Prozent zulegten. Im Fernverkehr, bei dem die Bahn konkurrenzlos ist, ging die Auslastung der Züge sogar leicht von 43,0 auf 42,1 Prozent zurück, und das, obwohl Mehdorn die Zahl der Sitzplätze reduzierte. Eine Steigerung in Richtung 50 Prozent wird von der Investmentbank Morgan Stanley als Bedingung für einen Börsengang angesehen. Im Schienengüterverkehr wuchs die Verkehrsleistung nur um etwa 2,5 Prozent – langsamer als der Gesamtmarkt. Die Konkurrenten der Bahn legten dagegen um 28,7 Prozent zu.

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Einen Teil der Schuld daran gab Mehdorn der Lokführergewerkschaft GDL, die im vergangenen Jahr einige Male zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen hatte. Dabei räumte er ein, dass die GDL ihr Streikziel, einen eigenen Tarifvertrag, erreicht habe. Dass es deswegen überhaupt zu einem Streik kam, kostete die Bahn laut Mehdorn 160 Millionen Euro. Alles in allem würden die jüngsten Lohnabschlüsse die Bahn in den kommenden fünf Jahren mit 1,5 Milliarden Euro belasten. Wieviel davon auf das Konto der Lokführer geht, wollte Mehdorn nicht beziffern. Laut Berechnungen der WirtschaftsWoche macht der Anteil der Lokführer daran nur knapp 40 Millionen Euro aus.

Als Schönfärberei erweist sich vollends Mehdorns Investitionsprogramm ProNet, das er im vergangenen Jahr ins Leben rief, um Kritiker zu beschwichtigen, die ihm die Vernachlässigung des Netzes vorwarfen. Trotz der „besonderen Aufmerksamkeit“ (Mehdorn) für das vorhandene Netz steckte die Bahn 2007 nur rund 700 Millionen Euro an eigenen Mitteln in ihre Gleisanlagen. Das war so wenig wie seit sechs Jahren nicht mehr. 

Zum geplanten Börsengang ließ sich Mehdorn wenig Neues entlocken. Er betonte, dass angesichts der Öffnung der europäischen Verkehrsmärkte frisches Kapital dringend erforderlich sei, um im Wettbewerb mit bereits börsennotierten Konkurrenten bestehen zu können. Mehdorn äußerte sich zuversichtlich, dass die Politik nach langer Diskussion um eine Teilprivatisierung in den nächsten Wochen die Weichen dafür stellen werde. Die schwarz-rote Koalition strebt bis 28. April eine Entscheidung über die Zukunft des letzten großen Staatsunternehmens an.

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