Bahn-Konkurrent Locomore: Ryanair auf Schienen

Bahn-Konkurrent Locomore: Ryanair auf Schienen

Bild vergrößern

Locomore-Chef Ladewig will mit gebrauchten Zügen das Monopol auf der Schiene knacken

von Christian Schlesiger, Andreas Henry und Gerhard Bläske

Mehr Wahlmöglichkeiten, niedrigere Preise, Komfort für Familien – ein Wettbewerber versucht, dem ICE und Intercity der Deutschen Bahn von 2010 an mit neuen Angeboten Konkurrenz zu machen.

Alles begann mit einer "kleinen Spinner-Gruppe" vor drei Jahren, wie Derek Ladewig seine Freunde aus der Branche nennt. Die fünfköpfige Runde traf sich monatlich in Kneipen oder Büros und grübelte über Wettbewerb auf der Schiene, den es trotz "passabler" Voraussetzungen nicht gab. Sie rechneten Geschäftsmodelle durch, diskutierten über Preise, Zug-Angebote und Gewinne. Als der Businessplan stand, gründete Ladewig im Sommer 2007 das Unternehmen Locomore Rail, bezog ein Büro am Potsdamer Platz 11 in Berlin, nur einen Steinwurf von der 25-stöckigen Zentrale der Deutschen Bahn entfernt — und schmiedete einen Angriffsplan.

Heute, zwei Jahre später, ist Ladewig fast am Ziel. Am 15. August kommenden Jahres, einem Sonntag, startet er mit eigenem Zug um 6.38 Uhr in Köln, nimmt Reisende etwa in Essen und Münster auf und fährt um 10.51 Uhr im Hamburger Hauptbahnhof ein. Es wäre die erste Großoffensive im Personenfernverkehr, den die Deutsche Bahn mit ihren ICE- und Intercity-Zügen zu fast 100 Prozent Marktanteil dominiert. Lediglich ein paar Nachtzüge und Schnellzüge aus Paris dürfen in Absprache mit der Bahn durch die Republik rollen. Locomore ist nicht der einzige Angreifer: Auch die französische Staatsbahn SNCF will einsteigen.

Anzeige

Ehrgeizige Pläne bei Locomore

Der Takt, mit dem Locomore der Bahn Kunden abjagen will, ist ehrgeizig: drei Mal täglich, nur 14 Minuten langsamer als die Bahn. Ladewig verspricht "niedrige Preise bei vergleichbarer Qualität". Das dafür gegründete Unternehmen Hamburg-Köln-Express (HKX) nutzt ausrangierte Züge der Österreichischen Bundesbahn – mit Bestuhlungen, die man sonst nur in Großraumwagen der ersten Klasse findet: zwei plus eins Sitze in einer Reihe.

Die Preise orientieren sich an den Komfortwünschen der Kunden – wahlweise Ruhewagen, Handyempfang, Service am Platz oder größere Familienbereiche mit Freiraum für Kinder. An Pendlertagen wie freitags werden Tickets teurer. "Wir versuchen, eine hohe Zugbindung zu erreichen", so Ladewig, ohne Spontanreisende auszuschließen.

Damit nicht genug: Ladewig will noch ein zweites Unternehmen gründen, das ab 2011 auf zwei Strecken ein Konzept anbietet wie Billigflieger Ryanair: Die eine verbindet Berlin mit Frankfurt, die andere Hamburg mit Stuttgart — Umstiege sind möglich in Hannover und Frankfurt-Süd Angeboten wird nur eine Klasse, entscheidend sei der Preis, sagt Ladewig. Lowcost auf der Schiene.

Geduldige Invesoren aus den USA

Der Angriff wie aus dem Nichts hat seine Wurzeln in den USA. Finanziert wird er über die Investmentfirma Rail Development Corporation (RDC) aus Pittsburgh. Das Unternehmen sammelt Geld ein und investiert in internationale Bahnprojekte — bislang in England, Estland, Afrika und Südamerika. Im Projekt HKX steckt ein einstelliger Millionenbetrag.

Als Schmuckstück von RDC gilt die Tochter Iowa Interstate Railroad in den USA, die im vergangenen Jahr rund 80 Millionen Dollar umsetzte. Das Eisenbahnunternehmen, das eine Regionalstrecke nach Chicago unterhält, investierte zuletzt 40 Millionen Dollar in Lokomotiven. "Das könnten wir nicht tun, wenn wir nicht eine profitable Gesellschaft wären", sagt RDC-Chef Henry Posner.

Posner erwartet auch von Locomore Profit — zumindest langfristig. Es sei kaum zu erwarten, "dass die Züge am ersten Tag voll sein werden". Einen schnellen Rückzug aus Deutschland werde es aber auf keinen Fall geben. "Wir sind ungeduldige Manager, aber geduldige Investoren."

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%