Bahn-Konkurrenz: Ein schwarzer Tag für Bahnreisende

KommentarBahn-Konkurrenz: Ein schwarzer Tag für Bahnreisende

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Der französischen Hochgeschwindigkeitszug (TGV) der Bahngesellschaft SNCF

Die französische SNCF bläst den Angriff auf die Deutsche Bahn im Fernverkehr ganz ab, private Konkurrenten streichen Strecken. Bis 2016 wird es in Deutschland kaum Wettbewerb geben.

An der Wand meines Büros hängt ein Blatt Papier mit einer Karte des deutschen Schienennetzes: Rote Linien markieren die Gleise, über die französische Staatsbahn SNCF ab 2011 mit Fernverkehrszügen fahren wollte - von Straßburg nach Hamburg, einmal westlich über Köln, einmal östlich über Berlin. Eine Verlängerung ging nach Salzburg. Blaue Linien markieren die geplanten Trassen des Berliner Bahnunternehmens Locomore Rail: Hamburg-Köln, Köln-Berlin und Stuttgart-Hamburg. Das Papier kommt jetzt in die Tonne.

Die einzige Fernverkehrsstrecke, auf der die Deutsche Bahn bald Wettbewerb zu erwarten hat, ist Köln-Hamburg. Das kann ich mir auch so merken. Es ist ein schwarzer Tag für den Bahnverkehr in Deutschland und vor allem für Zugreisende. Wer gehofft hat, künftig auf mehreren Strecken in Deutschland günstiger fahren zu können, wird jetzt enttäuscht. Intensiver Wettbewerb findet auf lange Zeit nicht statt.

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Keine Alternativen im Fernverkehr

Wer längere Strecken mit der Bahn fahren möchte, muss weiterhin in einen Intercity oder ICE der Deutschen Bahn einsteigen. Nur von Rostock über Berlin nach Leipzig fährt der Interconnex, eine Tochter des französischen Konzerns Veolia, allerdings mit Zügen, die einem Fernreisezug kaum ähnlich sind. Erst im April kommenden Jahres fährt das Berliner Bahnunternehmen Locomore Rail drei Mal täglich von Hamburg nach Köln und zu gleichen Zeiten in die Gegenrichtung. Dafür gründete Locomore mit US-Investoren den Hamburg-Köln-Express (HKX) und fährt mit gebrauchten und umgebauten Intercity-Zügen der Österreichischen Bundesbahn. Ursprünglich wollte Locomore schon im August dieses Jahres starten.

Die verspätete und schleppende Entwicklung des Wettbewerbs im Fernverkehr auf der Schiene ist bedauerlich. Es wäre auch zu schön gewesen: preiswertere Tickets, besserer Service, freundlichere Schaffner. Wettbewerb hätte den Bahnverkehr in Deutschland belebt. Insbesondere die Staatsbahn SNCF hätte über ihre deutsche Tochter Keolis mit ihren geplanten 22 Zügen attrative Bahnreisen im Markt anbieten müssen, um Marktanteile zu gewinnen. Das Gute daran wäre gewesen: Auch die Deutsche Bahn hätte ihre Stärken ausfahren und zeigen können, dass sie weitaus besser ist als ihr Ruf.

Eisenbahnrecht bremst Wettbewerb

Doch damit ist auf absehbare Zeit nicht zu rechnen. Schuld daran ist vor allem das rigide Eisenbahnrecht in Deutschland. Zum einen dauert es oft viele Monate, bis selbst neue Schienenfahrzeuge für den Verkehr auf der Schiene zugelassen werden. Das hohe Sicherheitsdenken ist zwar zu begrüßen. Dennoch muss der Zulassungsprozess beim Eisenbahnbundesamt künftig deutlich schneller ablaufen können, damit Wettbewerber eine Chance haben, ihre Loks und Waggons rechtzeitig zum Betriebsstart genehmigt zu bekommen.

Noch schlimmer wirkt der Prozess bei der Vergabe so genannter Rahmenverträge. Diese Verträge sichern den Eisenbahnunternehmen für mindestens fünf Jahre den Zugang zum Schienennetz auf bestimmten Strecken und zu bestimmmten Zeiten. Für einen Zug, der etwa um sieben Uhr morgens in Köln starten und viereinhalb Stunden später in Berlin einfahren soll, kann ein Bahnunternehmen die Trasse für die Dauer von mehreren Jahren blockieren. Das erleichtert die Planung.

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