Bank of America: Warten auf Wikileaks

Bank of America: Warten auf Wikileaks

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Der Bank of America drohen Enthüllungen auf Wikileaks.

von Oliver Voß

Die nächste Wikileaks-Veröffentlichung soll eine Bank zu Fall bringen, hat Julian Assange angkündigt. Das wahrscheinlichste Ziel ist die Bank of America - das Geldhaus arbeitet derzeit fieberhaft an Abwehrmaßnahmen.

Seit Wochen bereitet sich die Bank of America auf den Ernstfall vor. Bruce Thompson, der Chef der Risikovorsorge, hat eine Spezialeinheit aus 15 bis 20 Topmanagern gebildet, das interne Dokumente nach brisanten Inhalten durchforstet und nach Informationslecks sucht.

Nach einem Bericht der „New York Times“ unterstützen zudem Experten der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton und mehrere Anwaltskanzleien die größte US-Bank.

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Auslöser der Aufregung war ein Interview, das Wikileaks-Gründer Julian Assange im November gegeben hat. Darin hatte er erklärt, im Besitz von Unterlagen zu sein, die „eine oder zwei Banken zu Fall bringen könnten“. Die Dokumente sollen Anfang des Jahres veröffentlicht werden.

Bank of America durchleuchtet

Die Bank of America gilt als wahrscheinlichster Kandidat für die Enthüllung, da Assange bereits im Oktober 2009 erklärt hatte, Wikileaks besitze die Festplatte eines Vorstandes der US-Bank. Fünf Gigabyte an Daten soll die Platte beinhalten, die Menge des Materials ist wohl  einer der Gründe dafür, dass es bislang nicht veröffentlicht wurde.

Wikileaks möchte das Material vorher aufbereiten, doch schon die Publikationen der fast 500.000 Kriegsdokumente aus Irak und Afghanistan, sowie der US-Botschaftsdepeschen brachte die Organisation an ihre Kapazitätsgrenzen.

Die internen Bankunterlagen würden einen intimen Einblick in die Arbeit der Führungsetage geben und Untersuchungen nach sich ziehen, hatte Assange erklärt. Das Material sei nur mit dem Fall Enron vergleichbar – die gefälschten Bilanzen des Energiekonzerns hatten 2001 zu einem der größten Wirtschaftsskandale in der US-Geschichte geführt.

Doch trotz solch vollmundiger Ankündigungen sind manche Experten skeptisch, wie brisant die möglichen Veröffentlichungen wirklich sind. In der Folge der Finanzkrise waren auch bei der Bank of America bereits tausende Dokumente durch Sonderausschüsse und Untersuchungskommissionen der US-Behörden durchforstet worden. Vor allem die Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch und des Hypothekenspezialisten Countrywide Financial standen dabei im Fokus.

Die Verantwortlichen der Bank of America versuchen dennoch, sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Bankchef Brian Moynihan ließ im Dezember sogar hunderte Internetadressen sichern, mit denen das Finanzhaus und seine Topmanager geschmäht werden könnte – beispielsweise BrianMoynihanSucks.com.

Bank of Ameriva schreibt fünf Milliarden ab

Ein anderer Krisenherd ist hingegen gelöscht: Die Bank of America einigte sich mit den staatlichen Baufinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac über faule Hypothekenkredite. Um einen drohenden Rechtsstreit in Folge der Finanzkrise kommt herum. Das allerdings kommt die Bank teuer zu stehen, denn sie muss insgesamt fünf Milliarden Dollar abschreiben. Der Hauptteil der Summe rührt aus der Einigung mit Fannie Mae und Freddie Mac her, die große Pakete an Immobilienkrediten aufgekauft hatten und sich im Nachhinein übervorteilt fühlten.

Die Bank hatte sich die Probleme mit der Übernahme des einst landesweit größten Immobilienfinanzierers Countrywide im Jahr 2008 ins Haus geholt. Countrywide hatte selbst denjenigen noch Kredit gewährt, die kaum Sicherheiten hatten und sich deshalb eigentlich gar kein Haus hätten leisten können. Die Kredite bündelte Coutrywide dann und verkaufte sie an Fannie Mae und Freddie Mac weiter.

Die laxe Kreditvergabe rächt sich heute. Fannie Mae und Freddie Mac mussten mit Abermilliarden Dollar vom Staat gestützt werden. Die Bank of America als einer der Geschäftspartner hat den beiden Baufinanzierern als Wiedergutmachung vor wenigen Tagen jeweils rund 1,3 Milliarden Dollar überwiesen - und damit einen lange schwelenden Rechtsstreit aus der Welt geschaffen, der wie ein Damoklesschwert über ihr hing.

Die Anleger waren erleichtert: Vorbörslich sprang der Kurs der Aktie der Bank of America um rund 4 Prozent hoch. Die milliardenschweren Rückstellungen und Abschreibungen werden das Ergebnis des vierten Quartals 2010 belasten. Bereits im dritten Quartal hatte die Bank of America einen Verlust von unterm Strich 7,6 Milliarden Dollar erlitten, wenn auch wegen des Kreditkartengeschäfts.

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