Banken als Opfer: Makabre Methoden

Banken als Opfer: Makabre Methoden

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Kontoauszug: In vielen Filialen deutscher Banken werden Kunden nicht gut beraten

Nicht nur Kunden, auch die Banken selbst fallen dem Betrug ihrer Berater zum Opfer. Deren Methoden sind oft makaber.

In ihrer Vertriebsnot lassen sich manche Bankberater skurrile bis geradezu makabre Methoden einfallen, um ihre Ziele zu erreichen. Kaum einer kennt die Tricks und Finten besser als Peter Zawilla, der jahrelang bei einer Großbank gearbeitet hat und mit seiner Unternehmensberatung Fraud Management Services heute Banken hilft, Mitarbeiterbetrug aufzudecken. Denn nicht selten werden die Banken selbst zu Opfern.

Dabei machen es die Institute ihren Angestellten ziemlich leicht, ihre Zahlen zu manipulieren: „Ein beliebtes Mittel, um die Zahl der Neukunden zu steigern, ist es“, sagt Zawilla „eine Hochhaussiedlung abzuklappern.“ Zwölf Häuser mit je 40 Parteien ergeben ein Potenzial von 480 Kunden. „Der Berater ködert die Neukunden an der Haustür mit einem 5-Euro-Geschenkgutschein, als Gegenleistung müssen die Kunden nur einen Kontoeröffnungsantrag unterschreiben. An einem Tag gewinnt er so bis zu 100 neue Kunden.“ Die kommen zwar wahrscheinlich nicht ein einziges Mal in die Bank und bringen keinen Ertrag, aber der Mitarbeiter hat sein Jahresziel in Sachen Kundenakquise legal erfüllt.

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Noch bequemer ist es, auf dem Friedhof Kunden zu gewinnen. „Man kann die Namen und Geburtsdaten von den Grabsteinen abschreiben und hat einen Neukunden“, sagt Zawilla. Nach dem gleichen Prinzip ließen sich auch Todesanzeigen in Zeitungen auswerten. Selbst Legitimationsdaten wie die Personalausweisnummer seien für die gefälschte Kontoeröffnung einfach zu erfinden: Wenn der Mitarbeiter das Prinzip kenne nach dem die Ausweisnummern aufgebaut sind, sei es kein Problem für ihn, diese zu fälschen. Informationen darüber wie das funktioniert, lassen sich ganz schnell im Internet finden. Die Kontrollmechanismen der Banken stellen kein Hindernis dar. „Die Ziffern werden später in den Banken, wenn überhaupt, nur auf ihre Plausibilität hin überprüft.“

So aberwitzig es klingt: Tote Kunden sind „gute“ Kunden. Sie zu „akquirieren“ ist für Berater verlockend, denn sie haben einen unschlagbaren Vorteil gegenüber Lebendigen: Sie haben naturgemäß keine Einträge in der Schufa-Kartei. „Der Berater kann später für diese Personen Kredite beantragen“, sagt Zawilla. Denn auch die fehlende Gehaltsabrechnung kann ganz einfach herbeigeschafft werden. Es gibt Internet-Seiten, auf denen nur noch das gewünschte Gehalt und einige persönliche Daten eingetragen werden müssen – schon kommt die Lohnabrechnung aus dem Drucker.

Zawilla beschreibt keine „theoretischen Möglichkeiten“. Fälle, in denen Banker sich so verhalten haben, hat es tatsächlich gegeben. Und was noch viel schlimmer ist: Es handelt sich dabei jeweils nicht einmal um Einzelfälle.

Zawilla hat erlebt, dass Mitarbeiter auch noch weiter gehen und zum Beispiel Kredite vergeben haben, obwohl sie eigentlich zu riskant waren. Die Angestellten hätten dann fingierte Sicherheiten herbeigeschafft und später „sogar über weitere Kredite im Schneeballprinzip versucht, Liquiditätsengpässe über Jahre hinweg zu verschleiern“. Fälle dieser Art gibt es viele. Zawilla hat gemeinsam mit Kollegen das über 500 Seiten starke Buch mit dem Titel „Unregelmäßigkeiten im Kreditgeschäft“ mit Praxisfällen und Methoden bestückt.

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