Banken: Auf dem Weg in die Kreditklemme?

Banken: Auf dem Weg in die Kreditklemme?

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Die Ampel vor den Bankentürmen in Frankfurt am Main steht auf Gelb. Droht in Deutschland eine Kreditklemme?

Immer mehr Experten warnen davor, dass die Banken die Unternehmen auf breiter Front nicht mehr finanzieren können. Bisher ist es noch nicht soweit, doch die Gefahr wächst.

Geht deutschen Unternehmen demnächst das Geld aus? Bekommen sie flächendeckend keine Kredite mehr für Investitionen oder Betriebsmittel? Zieht das die gesamte Volkswirtschaft noch mehr nach unten? Nach diversen Verbandsvertretern warnt nun auch Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einer drohenden Kreditklemme im Sommer.

Die Gefahr, dass es soweit kommt, wächst. In den Bilanzen vieler Banken lagern weiter größtenteils unbekannte Risiken. Das verschlechtert ihr Rating, erhöht die Risikoaufschläge und macht die Refinanzierung teurer. Zudem wird die Zahl der Kreditausfälle wegen des Konjunktureinbruchs deutlich steigen, was die Bilanzen der Banken zusätzlich belastet. Die drohende Herabstufung weiterer Wertpapiere durch die Ratingagenturen kann die Lage weiter verschärfen.

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Kreditzugang deutlich erschwert

Deshalb bauen die Banken derzeit Risiken ab. Das macht es für sie aber auch schwerer, neue Kredite zu vergeben. Die KfW vermutet, dass die Zusagen für frisches Geld im zweiten Quartal um vier bis acht Prozent und im Lauf des Jahres noch weiter sinken werden. In einer Rezession ist das erst einmal normal, weil die Nachfrage nach neuen Mitteln ohnehin geringer ist. Die Unternehmen investieren schlicht weniger. So ist etwa nach dem „Bank Lending Survey“ der Bundesbank die Nachfrage nach langfristigen Krediten von Januar bis April drastisch zurück gegangen. Dass die Kreditsumme in Deutschland im April zum dritten Mal in Folge gefallen ist, taugt ebensowenig als Beleg für eine wirkliche Kreditklemme. Sie liegt auch jetzt noch höher als im Jahr 2008.

Klar ist aber auch, dass die Banken ihre Anforderungen für neue Kredite deutlich verschärft haben. In einer Umfrage der KfW und der Spitzenverbände der Wirtschaft vom Mai gaben etwa 17 Prozent der Unternehmen an, dass sie Probleme haben, überhaupt einen Kredit zu bekommen. Für 35 Prozent hat sich der Zugang verschärft. In einer ebenfalls kürzlich veröffentlichten Umfrage des Münchner ifo-Instituts klagten 43 Prozent der befragten Unternehmen über erschwerten Kreditzugang. Auch die Umfrage der Bundesbank bei den Instituten bestätigt eine deutliche Verschärfung der Kriterien. Verlangt werden vor allem mehr Sicherheiten und eine bessere Dokumentation. Zudem sind Kredite deutlich teurer geworden. Weiter verschärfen könnte sich die Situation für die Unternehmen, wenn sich aufgrund der schwächeren Geschäftsentwicklung auch noch ihre Ratings verschlechtern. Diese basieren größtenteils noch auf dem relativ erfolgreichen Jahr 2008.

Abwärtsspirale droht

Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt wird, kann das zu einer gefährlichen Abwärtsspirale führen. Es könnten noch deutlich mehr Unternehmen in ihrer Existenz bedroht werden, was zu neuen Belastungen in den Bilanzen der Banken führen würde, worauf diese die Mittelvergabe weiter drosseln. In einigen Branchen ist es bereits deutlich schwerer bis unmöglich geworden, sich frisches Geld zu besorgen. Zu ihnen zählen etwa Autozulieferer und Werften.

Das 40-Milliarden-Sonderprogramm der KfW kann hier allenfalls unterstützend wirken, zumal seine Anforderungen relativ streng sind. Um die Kreditversorgung wieder zu garantieren, müssten die Banken zuerst ihre Problempositionen los werden. Das soll über das Bad-Bank-Konzept der Bundesregierung gelingen, das in den nächsten Tagen verabschiedet werden soll. Ob dieses in der derzeitigen Fassung dazu geeignet ist, ist in der Branche jedoch sehr umstritten.  

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