Banken: Der unbekannte Nutzen der Stresstests

Banken: Der unbekannte Nutzen der Stresstests

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Wichtiges Polster. Kernkapitalquoten der deutschen banken, die am Stresstest teilnehmen

von Cornelius Welp und Elke Pickartz

Der Stresstest für die europäischen Banken soll endlich Klarheit über deren Stabilität bringen. Ob das funktioniert, ist zweifelhaft. Denn ein realistisches Krisenszenario birgt ungewollte Risiken.

Jean-Claude Trichet ist voll des Lobes. Er sei beeindruckt, wie gut sich die Fußballmannschaften aus dem Euro-Raum bei der Weltmeisterschaft geschlagen hätten, sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Donnerstag. „Man sollte Europa nicht unterschätzen“, fügte er hinzu. Doch während Europas Fußballer den Stresstest schon bestanden haben, steht er den Banken noch bevor. Trichet spricht von Transparenz und Vertrauen, die der Test schaffen soll. Doch wie das geschehen soll, lässt er offen. Einzelheiten soll es erst in zwei Wochen geben, wenn der Test veröffentlich wird.

Bis dahin sorgt der mithilfe der EZB entwickelte Stresstest der europäischen Bankenaufsicht CEBS weiter für Unruhe bei Aufsehern, Zentralbankern, Politikern und Banken. Er soll endlich Klarheit über den wahren Zustand der europäischen Institute bringen. Doch Fachleute zweifeln daran, dass die Hauruck-Aktion funktioniert – ihnen sind die Testbedingungen zu unklar, politisch beeinflusst und damit voraussichtlich zu lasch.

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Halbherziger Versuch

Die Sorge um die Stabilität der Banken ist durch die Schuldenkrise in den vergangenen Monaten wieder deutlich größer geworden. Viele Banken sitzen auf Staatsanleihen als kritisch geltender Länder oder sind mit Krediten etwa auf dem spanischen Immobilienmarkt engagiert. Am europäischen Geldmarkt ist das Misstrauen deshalb ähnlich groß wie nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Trotz der Milliardenbeträge, mit denen die EZB den Banken unter die Arme greift, leihen sich viele Institute untereinander kein Geld. Stattdessen parkten sie zuletzt täglich mehr als 300 Milliarden Euro bei der EZB.

Der Stresstest, so die Hoffnung, soll das verlorene Vertrauen wieder herstellen. Er konfrontiert 91 europäische Banken, davon 14 in Deutschland, mit einem wirtschaftlichen Negativszenario. Die Ergebnisse sollen zeigen, welche Institute noch Leichen im Keller haben. Banken, deren Kapitalausstattung in der Testsimulation unter den Mindestwert fällt, müssten sich frisches Kapital besorgen. Das könnte den Banken helfen, zum Normalgeschäft zurückzukehren, und Hilfen der EZB überflüssig machen. In den USA ist ein ähnlicher Plan 2009 aufgegangen: Dort mussten sich die getesteten Banken mit insgesamt 75 Milliarden Dollar stärken. Seitdem hat sich die Lage entspannt.

Damit das funktioniert, muss der Test realistische Ergebnisse liefern. „Absolute Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse“, nennen Banker als Grundbedingung. „Wenn alle Banken den Text bestehen, ist er nutzlos und sorgt für weitere Verunsicherung“, sagt ein Vorstand einer internationalen Großbank. Zu schlecht sei etwa der Zustand einiger spanischer Sparkassen, als dass diese die Belastungsprobe einfach passieren dürften.

Die bisher bekannten Details lassen Experten jedoch am Erfolg des Unterfangens zweifeln. So soll nach Angaben der CEBS das Wachstum in der Euro-Zone im Stressszenario zwar drei Prozent unter der aktuellen Prognose liegen. Selbst das halten manche Analysten für zu wenig.

Zudem sollen die Banken Abschläge auf die Staatsanleihen in ihrem Bestand vornehmen. Wie hoch diese ausfallen, dürfte erst die Veröffentlichung zeigen. Die Aufseher äußern sich bisher nebulös: Der Test werde eine Situation abbilden, die dem Mai 2010, in dem die Krise der südeuropäischen Euro-Staaten eskalierte, vergleichbar sei. Tatsächliche Zahlungsausfälle könnten zu höheren Verlusten führen. Das CEBS-Konzept sei halbherzig, kritisiert etwa Jürgen Michels, leitender Europa-Volkswirt bei der Citigroup. „Die Aufseher trauen sich nicht richtig, und dafür gibt es politische Gründe.“

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