Banken: Deutsche Bank hakt die Krise bewusst noch nicht ab

Banken: Deutsche Bank hakt die Krise bewusst noch nicht ab

von Cornelius Welp

Die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr einen Milliardengewinn erzielt. Dennoch hakt Deutschlands größtes Geldinstitut die Finanzkrise noch nicht ab. Die Zeche zahlen die Aktionäre in Form einer niedrigen Dividende – doch die Boni fließen wieder reichlich.

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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann

Seit Monaten fordern um die derzeitige und künftige Stabilität des Finanzsystems besorgte Notenbanker und Aufseher von den Banken, Dividenden und Boni sparsam auszuzahlen und stattdessen lieber das Kapital zu stärken. So sollen sich die Institute besser für künftige Krise und veränderte Regeln rüsten. Zumindest in einem Punkt ist die Deutsche Bank dem gefolgt. Mit den von Bankchef Josef Ackermann bei der heutigen Bilanzkonferenz vorgeschlagenen 0,75 Euro pro Aktie fällt die Dividende noch niedriger aus als erwartet.

Bei der Vergütung der eigenen Mitarbeiter ist dagegen keine Sparrunde angesagt. Die Zahl der Mitarbeiter ist weltweit um 3500 gesunken, der Personalaufwand dennoch um 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Es fließen also wieder reichliche Boni. Und auch der Vorstand selbst erklärt die Diät für beendet. In diesem Jahr will er wieder verdienen, wie es ihm vertraglich zusteht. Fünf Milliarden Gewinn sollen dafür ein ausreichendes Argument sein.

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Ackermann schließt mit Krise bewusst noch nicht ab

Ist die Krise abgehakt? Den Eindruck will Ackermann unbedingt vermeiden. Er hat einige Argumente dafür. Das Vergütungssystem ist reformiert, die Bilanzsumme drastisch reduziert, die Leverage-Ratio verkleinert – auf dem Wunschzettel der Regulatoren hat Ackermann einige Punkte schon abgehakt.

Bei anderen verknüpft er geschickt das ureigene Interesse seiner Bank mit der staatsmännischen Sorge ums gesamte System: Der Volcker-Plan, der den Banken den Handel auf eigene Rechnung verbieten soll? Der würde die Deutsche Bank zwar nicht hart treffen, könnte aber dazu führen, dass sich größere Teile der Finanzindustrie in nicht regulierte Gebiete verlagern. Zum wiederholten Mal fordert er Ausgewogenheit ein. Im Zweifel will er für die Stabilität des Systems aber sogar seinen Lebenstraum einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent opfern. Und wirkt dabei nicht allzu traurig. So ist die heutige Veranstaltung vor allem auch ein Signal nach Berlin: Lasst die Banken nur machen, haltet euch zurück, sie bewegen sich doch.

Chancen für die Deutsche Bank, Risiken für die anderen

Risiken sind ein Jahr nach dem Tiefpunkt der Krise bei der Deutschen Bank bloß noch eine Randnotiz. Zumindest derzeit kann Ackermann eher von Chancen sprechen – auch wenn die Deutsche Bank im vergangenen Jahr vor allem vom Boom bei Anleihen profitiert hat und diese seinen Höhepunkt nun überschritten hat. Die Kreditvorsorge wurde zwar deutlich erhöht, der Rahmen ist aber verkraftbar.

Um andere deutsche Banken, die auch im Jahr 2009 Verluste machen,  muss man sich dagegen weiter große Sorgen machen. Wo bitteschön sollen sie das Kapital hernehmen, das Ackermann nun auch bei seinen Aktionären einspart? Dass ihre Lage so desolat ist, spricht doch für ein härteres Regiment der Regulierer, um künftige Katastrophen zu verhindern.

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