Banken: Dresdner verabschiedet sich mit Rekord-Verlust von Allianz

Banken: Dresdner verabschiedet sich mit Rekord-Verlust von Allianz

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Der Allianz-Konzern muss ein letztes Mal hohe Verluste der Dresdner Bank verkraften

Die Dresdner Bank macht ihren Müttern keine Freude: Während der Allianz-Konzern kurz vor dem Verkauf riesige Verluste verkraften muss, sorgt sich die Commerzbank um die Zukunft des Neuerwerbs. Branchenkenner kritisieren den Deal als überteuert und riskant.

Die Dresdner Bank bringt ihren Eigentümern kein Glück: Unter noch-Mutter Allianz schrieb das traditionsreiche Geldhaus im abgelaufenen Quartal mit Belastungen von fast einer Milliarde Euro ihren größten operativen Verlust seit sechs Jahren. Das zehrt an der Kapitaldecke der Dresdner, die auch mit Kostenproblemen kämpft. Die Finanzkrise schlägt auch immer stärker auf das klassische Bankgeschäft mit Privat- und Geschäftskunden durch.

Der Ausblick bleibt angesichts der anhaltenden Marktturbulenzen unsicher. Staatliche Hilfen für das Institut lehnte Allianz-Finanzchef Helmut Perlet am Montag aber kategorisch ab. Wie auch bei anderen Instituten schlug die Verschärfung der Finanzkrise nach dem Kollaps von Lehman Brothers bei der Dresdner Bank negativ zu Buche. Operativ belief sich der Verlust im dritten Quartal auf 834 Millionen Euro nach einem Mini-Gewinn von 87 Millionen Euro vor einem Jahr. Ohne Anwendung der jüngst gelockerten Bilanzierungsregeln wäre nun sogar ein Fehlbetrag in Milliardenhöhe angefallen - die neue Vorgaben führten zu Entlastungen von mehr als 400 Millionen Euro.

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Dresdner belastet Allianz-Bilanz stark

Als einzige deutsche Großbank steckt die Dresdner Bank fast seit Beginn der Marktturbulenzen vor einem Jahr in den roten Zahlen, der Jahresverlust wird sich auf rund 2,6 Milliarden Euro belaufen. Mit dieser stattlichen Summe belastet das Institut zum letzten Mal das Ergebnis des Versicherungskonzerns Allianz. Ebenfalls schmerzlich für die Münchner: Die Commerzbank bezahlt den Kaufpreis zu großen Teilen in eigenen Aktien. Diese sind jedoch im Zuge der Finanzkrise stark eingebrochen. Dieser Rückgang führte bei der Allianz im dritten Quartal zu Abschreibungen und einem Nettoverlust von gut zwei Milliarden Euro. Der Buchwert der Dresdner-Beiligung, für die die Allianz vor sieben Jahren 24 Milliarden Euro bezahlt hatte, sank damit auf 7,8 Milliarden Euro. Wegen der Finanzmarktkrise zog die Allianz ihre Prognosen für dieses und nächstes Jahr zurück.

Nach dem Kaufvertrag erwirbt die Commerzbank in einem ersten Schritt Anfang 2009 gut 60 Prozent an der Dresdner Bank und die Allianz im Gegenzug etwa 19 Prozent an der Commerzbank. Die Allianz wird letzten Endes an der Commerzbank halten und deren Gewinne oder Verluste in entsprechender Höhe in die eigene Gewinn- und Verlustrechnung übernehmen. Der Commerzbank-Aktienkurs wirkt dennoch nicht auf das Jahresergebnis der Allianz aus, weil die Beteiligung nur mit dem anteiligen Eigenkapital in den Büchern stehen wird.

Während man auf Seiten der Allianz unter dem Strich über den Verkauf froh ist, steht die Commerzbank als Käuferin vor einer Herkulesaufgabe. Der Zukauf will restrukturiert und integriert werden. „Die Commerzbank hat sich ein viel zu hohes Risiko für einen viel zu teuren Preis eingekauft“, kommentiert Dirk Becker, Bankenexperte von Landsbanki Kepler, die Zahlen der Dresdner. Die Risiken seien unüberschaubar. An der Börse verlor die Commerzbank-Aktie gegen den Markttrend mehr als 4,4 Prozent. Das Institut hatte vor zwei Monaten die Übernahme der Dresdner Bank für knapp zehn Milliarden Euro vereinbart. Mittlerweile ist die Transaktion vor allem wegen des stark gesunkenen Commerzbank-Aktienkurses keine acht Milliarden Euro mehr wert. Trotz der wachsenden Zweifel vieler Investoren am Erfolg des Deals pochen Allianz und Commerzbank seit Wochen darauf, dass die Übernahme wie geplant durchgezogen werde. Allianz-Vorstand Perlet bekräftigte, dass es keine Nachverhandlungen gebe. „Wir haben einen unterschriebenen Vertrag“, sagte er.

An den Märkten wächst die Skepsis: „Die Frage ist, ob die Commerzbank mit der Dresdner die Finanzkrise gut übersteht“, betonte Bankenexperte Becker. „Das werden harte Jahre für die Commerzbank.“ Die zweitgrößte deutsche Bank musste im dritten Quartal auch Verluste verkraften und sieht sich gezwungen, staatliche Kapitalhilfen in Anspruch zu nehmen. Damit rüstet sich das Institut für die Dresdner-Übernahme, die die Kapitaldecke angreifen wird. Die Commerzbank peilt mittlerweile eine Kernkapitalquote von sieben bis neun Prozent an. Kurzfristig steigt dieser Wert mit Hilfe des Staatstopfes auf knapp elf Prozent. Die Dresdner kommt auf 8,1 Prozent, was im internationalen Branchenvergleich im unteren Bereich liegt. Insgesamt summieren sich die Abschreibungen bei der Dresdner Bank mittlerweile auf fast vier Milliarden Euro - halb soviel wie bei der vier Mal größeren Deutschen Bank. Die Belastungen fielen alle in der Investmentbank-Sparte Dresdner Kleinwort an, die die Commerzbank nach der Übernahme zurückfahren will. Bereits angekündigt ist der Abbau von 9000 Stellen.

Im dritten Quartal stiegen bei der Dresdner Bank die Kosten im Jahresvergleich nochmals um ein Viertel auf 1,25 Milliarden Euro. Der Grund: Höhere Bonuszahlungen als Halteprämien für Banker wegen des vereinbarten Verkaufs. In Medienberichten war von Boni über 400 Millionen Euro die Rede. Perlet wies dies als zu hoch zurück: „Wir reden hier von weniger als einem Drittel.“

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