Banken: Erster Verlust für Postbank seit Jahren

Banken: Erster Verlust für Postbank seit Jahren

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Postbank-Chef Wolfgang Klein auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt: Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen einen Verlust von 821 Millionen Euro

Die Postbank erwartet nach dem ersten Verlust seit Jahren 2009 eine leichte Entspannung der Märkte und will die Finanzkrise aus eigener Kraft überstehen.

Nach tiefroten Zahlen 2008 rechnet der Bonner Dax-Konzern zwar mit weiteren Rückschlägen allerdings „deutlich unter denen des vergangenen Jahres“, in dem die Krise mit Belastungen vor Steuern von knapp 2,2 Milliarden Euro zu Buche geschlagen hatte. „Alles in allem sind wir für das laufende Jahr vorsichtig optimistisch“, sagte Postbank-Chef Wolfgang Klein heute in Frankfurt. An den Märkten gebe es „erste zarte Anzeichen für eine Beruhigung der Lage“, für die Postbank sei das Jahr gut angelaufen. Insgesamt sei aber die „Gefahr einer erneuten Eskalation“ noch nicht gebannt.

Einen Stellenabbau plant der Konzern im 100. Jahr seines Bestehens derzeit nicht.

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Im vergangenen Jahr stürzte die Postbank nach einem dramatischen vierten Quartal im Gesamtjahr in die roten Zahlen. Unter dem Strich stand ein Minus von 821 Millionen Euro nach einem Gewinn in etwa gleicher Größenordnung im Vorjahr. Der Großteil des Verlustes fiel mit 710 Millionen Euro von Oktober bis Ende Dezember an. Neben Abschreibungen auf das Engagement bei der insolventen US-Bank Lehman Brothers und Wertkorrekturen auf Kredite hatte die Bank bis Ende Dezember Aktienbestände verkauft und damit ein Minus von 581 Millionen Euro in Kauf genommen. Der Grund dafür: der notwendige Abbau des Marktportfolios.

Vor Steuern summierte sich der Verlust im Gesamtjahr auf 974 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte dieser Wert - nach neuer Berechnung - plus 992 Millionen Euro betragen. „Natürlich enttäuscht und schmerzt das sehr, auch mich persönlich“, sagte Klein zum Jahresergebnis. „Jeder Cent tut weh.“ Den letzten Verlust aus dem laufenden Geschäft hatte das Institut nach Angaben eines Sprechers 1993 verbucht. Das Minus 2008 resultiere „allein aus der Finanzmarktkrise, auf die wir leider keinen Einfluss haben“, sagte Klein. „Unser operatives Kundengeschäft ist demgegenüber so stark wie nie zuvor.“

Größte Privatkundenbank

Mit 14,1 Millionen Kunden, davon 4,9 Millionen Stammkunden, ist der Konzern Deutschlands größte Privatkundenbank. Wegen der tiefroten Zahlen verzichtet der Postbank-Vorstand auf Bonuszahlungen für das Jahr 2008. Bei Führungskräften habe die Postbank vor, „genauso individuell zu honorieren, wie wir es vereinbart haben“, sagte Klein. Jedoch werde sich das schlechte Ergebnis spürbar auswirken. Bei Führungskräften betrage die Bonuskomponente am Gesamtgehalt 40 Prozent. Die Aktionäre sollen erstmals seit dem Börsengang im Jahr 2004 keine Dividende erhalten. Klein betonte: „Die Postbank ist weiterhin in der Lage, diese Krise aus eigener Kraft zu meistern.“

Einen Inanspruchnahme von staatlichen Garantien für Emissionen sei derzeit kein Thema. Finanzchef Marc Heß erklärte zudem, der Konzern brauche aktuell kein zusätzliches frisches Geld. Die aktuelle Kernkapitalquote von 7,4 Prozent betrachte die Bank für ihr Geschäftsmodell als angemessen. In der Branche gilt diese Eigenkapitalquote aber als etwas zu gering. Der Markt erwartet Experten zufolge hier zehn Prozent.

Die Postbank hatte sich im Herbst bei der Mutter Post frisches Kapital in Höhe von einer Milliarde Euro besorgt und damit die Kernkapitalquote deutlich erhöht. Eine weitere Stärkung ihres Geschäfts erhofft sich die Postbank vom Einstieg der Deutschen Bank. Die Deutsche Bank übernimmt zunächst 22,9 Prozent und hat Optionen auf die Postbank-Mehrheit. Wie die Zusammenarbeit genau aussehen soll, wollen die beiden Dax-Konzerne im März bekanntgeben.

Klein betonte, das Postbank-Management werde die Bank zunächst so führen, „als bliebe es bis auf weiteres beim Status quo“. Mittelfristig will die Postbank eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 13 bis 15 Prozent erzielen. Im vergangenen Jahr lag sie bei minus 18 Prozent. Im vergangenen Jahr erhöhten sich die Spareinlagen bei der Postbank binnen Jahresfrist um 12 Prozent, der Bestand an Privatkrediten stieg um 30 Prozent.

Zins- und Provisionsüberschuss konnten gesteigert werden - ein gutes Signal. Für ausfallgefährdete Kredite legte die Bank mit 408 Millionen Euro gut ein Fünftel mehr zurück als 2007. Zur Bewältigung der Krise hält Klein eine Art „Bad Bank“ als Auffangstation für Risikopapiere der Banken für unverzichtbar: „Ich glaube nicht, dass wir in der Lage sind, diese Krise ohne solche Vehikel schnell zu überstehen.“ Wenn im zweiten Halbjahr wie befürchtet noch die gesamte Exportwirtschaft in die Krise gerate, „dann Gnade uns Gott“.

Auf jeden Fall müssten Lösungen gefunden werden, bei denen nicht Verluste auf die Steuerzahler abgewälzt würden. Auch die Postbank würde gerne problematische Wertpapiere auslagern: Den Umfang des entsprechenden Pakets an strukturierten Papieren bezifferte der Konzern auf netto vier Milliarden Euro.

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