
Gerade Müller hackte nur zu gern auf den Sparkassen herum. „Die Commerzbank hat nie nach staatlichem Schutz gerufen. Und ich sehe das auch in Zukunft nicht“, sagt er noch im Oktober 2007 in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. „Die Unterstützung, die ich mir wünsche, wäre, dass die Bundesländer uns keine Hemmnisse mehr in den Weg legen.“
Damit spielt er auf die Sparkassen-Gesetze der Bundesländer an, die eine Privatisierung der kommunalen Sparkassen verbieten. Und ein paar von diesen öffentlich-rechtlichen Instituten hätte Müller nur zu gern gekauft.
Ausgerechnet Müllers Institut wird jetzt selbst zur Staatsbank. Zehn Milliarden Euro pumpt der Bund in die zweitgrößte deutsche Bank. 8,2 Milliarden Euro in Form einer stillen Beteiligung. Mit den restlichen 1,8 Milliarden Euro werden weitere 25 Prozent der Commerzbank-Aktien gekauft. Damit soll der Kauf der Dresdner Bank abgesichert werden, heißt es. Vor einigen Monaten hatte Müllers Nachfolger Martin Blessing der Allianz die Dresdner Bank abgekauft. Im Januar sollte der Deal über die Bühne gehen.
Private Investoren zahlen drauf
Die privaten Investoren sind erbost, denn sie müssen die Zeche für die Transaktion zahlen. Ihr Anteil wird zum einen durch den Einstieg des Staats verwässert. Zum anderen müssen sie zumindest mittelfristig auf Dividenden verzichten. Denn die 8,2 Milliarden Euro die die Commerzbank nun erhält, werden genauso wie die letzte Finanzspritze mit neun Prozent verzinst – Geld, das die Commerzbank erst einmal erwirtschaften muss. Das werde die Commerzbank für ein Jahrzehnt belasten, warnt UBS-Aktienanalyst Philipp Zieschang.
Commerzbank-Chef Blessing habe sich mit der Dresdner Bank übernommen, wettern andere Branchenexperten. „Die Dresdner-Bank-Übernahme war zu teuer. Jetzt steht man vor einem Dilemma“, sagt Stephan Thomas, Fondsmanager bei Frankfurt Trust. „Man muss die Frage stellen: Wie war das mit der eingehenden Prüfung der Bücher durch die Commerzbank vor dem Kauf? Im Dezember hatte die Commerzbank nach verhandelt. Was ist seitdem schief gelaufen?“
„Die Commerzbank hätte sich vor dem Kauf fragen müssen, ob angesichts der sich abzeichnenden Finanzkrise nicht mehr Vorsicht angebracht wäre und man den Kauf zumindest verschieben sollte.“, sagt auch Manfred Piontke, Mitgründer der Fondsgesellschaft Frankfurt Performance Management. Am liebsten wäre es den meisten Commerzbank-Investoren wohl, wenn Blessing die Dresdner-Bank-Übernahme platzen ließe. "Der unwahrscheinliche Fall, dass die Commerzbank von dem Deal Abstand nimmt, würde dem Aktienkurs bedeutendes Aufwärtspotenzial bringen", sagt Zieschang am Tag vor der Teilverstaatlichung der Bank. Jetzt wo der Staat eine Sperrminorität hält, ist dieser Ausweg für Blessing vollends versperrt.
Wann die Commerzbank die Fesseln der Bundesregierung wieder los wird, ist unklar. Bei den Landesbanken haben sich zumindest die Landesregierungen stets gegen einen Anteilsverkauf gesträubt.













