Banken: Märchen vom Großreinemachen bei Commerzbank

KommentarBanken: Märchen vom Großreinemachen bei Commerzbank

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Eine Notizmappe liegt am 28.10.2009 während einer Pressekonferenz der Commerzbank

Die Commerzbank hat im vierten Quartal mal wieder einen Riesenverlust eingefahren und damit nicht nur die Analysten enttäuscht. Wer daraus ableitet, das Institut habe besonders sorgfältig ausgekehrt, um befreit durchzustarten, sollte sich allerdings auf Enttäuschungen gefasst machen.

Eine Milliarde mehr Verlust als im Vorjahresquartal – das ist selbst im Jahre Drei der Finanzkrise erklärungsbedürftig. Vor allem dann, wenn viele Konkurrenten im gleichen Zeitraum schon wieder klotzig verdient haben. Was angesichts der jüngsten Quartalsergebnisse von Deutsche Bank und Co. jedenfalls gar nicht geht, ist, von einem „saisontypisch schwachen vierten Quartal“ zu sprechen, wie das die Commerzbank in ihrer Adhoc-Mitteilung gestern Abend tat.  Die klare Antwort der Börse (die Aktie verlor bis zum Nachmittag mehr als sieben Prozent): So bitte nicht!

Genauso kritisch zu sehen sind so genannte Insider. Sie brachten im Vorfeld der gestern Abend veröffentlichten Zahlen in Umlauf, der Konzern habe alles abgeschrieben, was nicht niet- und nagelfest war.  Es spricht aus der bisherigen Erfahrung eigentlich wenig dafür, dass die Commerzbank auf ihre Risikopositionen wie toxische Wertpapiere oder ausfallgefährdete Kredite härter abschreibt als andere Institute. Dafür gibt es einen simplen Grund: Konsequentes Abschreiben ist teuer. Jeder Abschreibungsposten belastet das Eigenkapital der Bank. Derzeit steht die Bank dank 18 Milliarden Euro Staatshilfe mit einer Kernkapitalquote von 10,5 Prozent zwar noch vergleichsweise solide da (erst bei unter vier Prozent drohte ihr die Schließung). Doch würde die Bank ihr Portfolio so agressiv wertberichtigen, wie das einige US-Banken, unter anderem auch die viel gescholtene Investmentbank Goldman Sachs, getan haben, wäre diese Zahl schnell Makulatur.

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Langes Zaudern bei notleidenden Krediten

Ein Beispiel für die Zögerlichkeit des Instituts ist der Bootsbauer Bavaria Yachtbau. Der stand im Jahr 2008 noch mit jeweils rund 400 Millionen Euro bei der Commerzbank und Goldman Sachs in der Kreide. Doch als sich abzeichnete, dass das im Besitz der Finanzinvestors Bain Capital befindliche  Unternehmen hoffnungslos überschuldet und akut insolvenzgefährdet war, wagte Goldman den harten Schnitt. Von der ersten Kredittranche trennten sich die Amerikaner zu 65 Cent je Euro, vom Rest wenige Monate später zu nur mehr 35 Cent je Euro. Ende 2008 war Goldman aus dem Engagement raus. Und was tat die Coba? Sie wartete noch bis  Ende August vergangenen Jahres, ehe auch sie sich im von dem notleiden Kredit trennte – zu kolportierten 30 Cent je Euro.

Auch der Herzogenauracher Autozulieferer Schaeffler, der sich an der Übernahme des größeren Konkurrenten Continental verhoben hat, verdankt seine vorübergehende Rettung großenteils dem bilanziell erzwungenen Langmut der Commerzbank. Sie ist durch die Dresdner-Übernahme mit rund fünf Milliarden Euro zum mit Abstand größten Gläubiger des überschuldeten Unternehmens geworden. Doch größere Abschreibungen oder gar eine Umwandlung des Kredits in eine Unternehmensbeteiligung hätte die Coba schlicht nicht finanzieren können, weshalb laut Managern von Banken, die mit der Coba im Konsortium der Schaeffler-Kreditgeber sitzen,  diese Variante auch in Zeiten größter Not von vorneherein ausgeschlossen schien.

Der unerwartet hohe Verlust im vierten Quartal, so ungern Steuerzahler und Aktionäre das hören mögen, ist deshalb vieles, aber sicher keine Koketterie, um die Anleger dieses Jahr mit besonders schönen Zahlen zu beglücken. 

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