Banken nach der Krise: Harte britische Bankenwelt

Banken nach der Krise: Harte britische Bankenwelt

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Bankenviertel London

von Yvonne Esterházy

Drei Jahre nach der Krise sind die Kreditinstitute am wichtigsten Finanzplatz Europas kaum wiederzuerkennen. Einstige Stars sind geschrumpft, neue Player mischen die Branche auf.

Cameron Hope verlieh seinem Frust Nachdruck. Er griff zu Maurerkelle, Ziegel und Beton – schon war der Eingang der Barclays Bank in Westbourne, einem wohlhabenden Viertel der südenglischen Küstenstadt Bournemouth, unpassierbar. „Es ist, als spräche man mit einer Mauer“, begründete der Bauunternehmer seine Aktion, nachdem er sich vergeblich um einen Kredit bemüht hatte.

Drei Jahre nachdem die Bilder von verängstigten Kunden der wenig später verstaatlichten Hypothekenbank Northern Rock um die Welt gingen, ist die Verärgerung über die Banken in Großbritannien ungebrochen. Das Misstrauen gegen die Finanzbranche, in die knapp eine Billion Euro gepumpt wurde, sitzt tief.

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Doch es hat sich einiges bewegt am wichtigsten Finanzplatz Europas. Manche namhaften Institute sind kaum wiederzuerkennen, neue Player drängen auf den Markt. Drei von vier der größten Banken bekommen gerade einen neuen Chef. Zugleich erhalten Investmentbanker wieder mehr Macht und Boni. Zwar schreiben alle britischen Großbanken wieder schwarze Zahlen. Aber ihre Stellung am Markt und ihre künftigen Rollen haben sich teilweise grundlegend gewandelt.

Nur noch ein Schatten seiner selbst ist der frühere Gigant Royal Bank of Scotland (RBS), der sich in Deutschland mit seinen Krediten an Conti und Heidelcement eine blutige Nase geholt hat. Der frühere Chef Sir Fred Goodwin ritt die ehemals größte Bank Europas durch die Übernahme des belgisch-niederländischen Finanzriesen ABN Amro in die Grütze.

Geordnetes Erbe

Die RBS, die nur eine staatliche Kapitalspritze vor dem Untergang bewahrte und nun zu 83 Prozent dem britischen Steuerzahler gehört, gilt als der große Verlierer der Finanzkrise. Stark geschrumpft, beschränkt sie sich heute vor allem auf den britischen Heimatmarkt. Stephen Hester, der Nachfolger Goodwins, mahnt: „Der Neuaufbau der RBS ist ein Marathonlauf – kein Sprint.“ RBS machte zwar im ersten Halbjahr Gewinn, doch der resultierte in erster Linie aus einer geringeren Risikovorsorge für faule Kredite. Neues Ungemach droht dennoch: Die Bank hat irische Staatsanleihen im Wert von 4,3 Milliarden Pfund in ihren Büchern.

Ebenfalls in die Kategorie „Schwer krisengeschädigt“ fällt die Lloyds Banking Group, allerdings erobert sie sich ihren einstigen Ruf langsam zurück. Lloyds galt früher als solide Bank, vor allem im Massenkundengeschäft breit und gut aufgestellt. Doch dann übernahm Chef Eric Daniels 2008 die britische Hypothekenbank HBOS – die Lloyds Bank geriet selbst in schwere See. Wenige Wochen später musste sie mit 17 Milliarden Pfund vom Staat gerettet werden, der bis heute 43 Prozent an dem Institut hält.

Trotzdem hinterlässt Daniels, der seinen Posten innerhalb eines Jahres als Folge des HBOS-Debakels aufgeben wird, seinem noch nicht ernannten Nachfolger ein geordnetes Erbe. Die Bank erzielte im ersten Halbjahr einen Gewinn vor Steuern von 1,6 Milliarden Pfund. Der Kauf von HBOS erweist sich als Glück im Unglück. Denn ohne die Finanzkrise hätten die Wettbewerbsbehörden die Übernahme nie genehmigt. Nun verfügt Lloyds auf dem heimischen Markt über jeweils ein Drittel aller Spar- und Girokonten und Hypothekengeschäfte. Über die Börse beschaffte sich die Bank neues Kapital und verbesserte damit ihre Chancen für einen baldigen Ausstieg des Staates.

Wettbewerber ausgetrickst

Zu den erfolgreich Überlebenden zählt die HSBC, die in 80 Ländern zu Hause ist. Das Institut konnte den Gewinn im ersten Halbjahr 2010 mit 11,1 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Die HSBC war nach ihrem Kauf der US-Tochter Household zwar schon früh in den Sog durch US-Ramschhypotheken geraten. Doch kam dem HSBC-Chef Michael Geoghegan das starke Standbein im Wachstumsmarkt Asien zugute. Dank regionaler Streuung und der Tatsache, dass Asien kaum unter der Finanzkrise gelitten hat, kam die HSBC mit vergleichsweise geringen Schäden durch die Krise.

Alles schien gut zu laufen, bis Aufsichtsratschef Stephen Green überraschend ankündigte, er wolle als Handelsminister in die Regierung wechseln, und damit einen heftigen Machtkampf an der Spitze auslöste. Finanzvorstand Douglas Flint wird Greens Nachfolger, der bisherige Chef des Investmentbankings, Stuart Gulliver, rückt für Geoghegan nach, der die Bank verbittert verlässt. Strategisch dürfte sich aber nicht viel ändern – Gulliver verbrachte sein gesamtes Berufsleben bei der HSBC.

Geschickt hat HSBC-Konkurrent Barclays die Krise genutzt. Einst war Barclays eine britische Geschäftsbank mit einer Kapitalmarkttochter, der Barclays Capital. Repräsentant des krisengestählten Geldhauses ist der neue Chef Bob Diamond. Der umstrittene, schwerreiche Boss der Investment-Sparte wird im März offiziell den Platz des gegenwärtigen Vorstandsvorsitzenden John Varley einnehmen.

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