Banken: Société Générale ist auf Partnersuche

Banken: Société Générale ist auf Partnersuche

Die Société Générale hat viel vor. Geht es nach Vorstandschef Daniel Bouton, dann wird die Bank „im Rahmen der Neuordnung der europäischen Bankenlandschaft eine wichtige Rolle spielen“. Bouton sieht sein Institut vor einer wichtigen Weichenstellung: Wegen des großen Bedarfs an Eigenkapital zur Entwicklung des Retail Bankings sowie zur Finanzierung von Akquisitionen müsse sich die Bank einen Partner suchen.

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Daniel Bouton will als Vorstandschef von Frankreichs größter Bank Société Générale nach Europa expandieren. Foto: Reuters

Es gab deshalb bereits Gespräche mit der italienischen UniCredit, die der Société-Générale-Chef zuvor als „Wunschpartner“ bezeichnet hatte. Doch zu einer Einigung kam es nicht, zu sehr waren die Italiener mit der Übernahme von Capitalia beschäftigt. Bouton hat acht potenzielle Bündnispartner in Europa ausgemacht, darunter die Commerzbank und die Deutsche Bank. Seit kurzem gelte außerdem die Dresdner Bank als möglicher Partner, so ein Spitzenmanager der Société Générale, eine Kooperation werde diskutiert. Sehr heftig wurde in Frankreich auch über eine mögliche nationale Konsolidierung mit der BNP Paribas spekuliert. In Presseberichten hieß es, diesbezüglich gebe es intern unterschiedliche Auffassungen. Während Bouton für ein Zusammengehen mit dem Konkurrenten eintrete, plädiere Generaldirektor Philippe Citerne nach wie vor für ein Bündnis mit UniCredit. Nachdem die BNP Paribas aber eine nationale Allianz erneut energisch zurückwies, hat sich kürzlich auch Bouton davon distanziert – betonte dabei jedoch, dass er „Alternativen zu einer Stand-alone-Lösung in Betracht“ ziehe. Die beiden Institute standen schon einmal kurz vor einem Zusammenschluss. Während einer großen Übernahmeschlacht im Jahr 1999 gelang es zwar der BNP, die Aktionäre der Paribas von einer Fusion zu überzeugen. Doch die Anteilseigner der Société Générale folgten ihrer Geschäftsführung und lehnten eine Verschmelzung ab. Heute ist es vor allem die BNP Paribas, die sich gegen einen Zusammenschluss ausspricht, weil die beiden Institute im Investmentbanking und im Retail-Banking zu ähnlich seien und im Fall einer Fusion ein personeller Kahlschlag drohe. Die Société Générale, die auf eine Börsenkapitalisierung von 64 Milliarden Euro (Stand: 27. Juni 2007) kommt, verfolgte in den letzten Jahren eine Politik organischen Wachstums, mit gezielten Akquisitionen vor allem in den Mittelmeer-Anrainerstaaten, aber auch in Mittel- und Osteuropa. Die Bank verfügt heute über Standbeine in der Türkei, in Ägypten, Polen, Kroatien, Tschechien, der Slowakei, Rumänien und der Türkei. Außerdem ist sie mit 20 Prozent an der Rosbank, einer der größten russischen Banken beteiligt und hat die Option, 2008 eine Mehrheitsbeteiligung zu erwerben. Pläne für eine Beteiligung gibt es darüber hinaus in China. International ist das Institut vor allem im Bereich der Verbraucherkredite (Cetelem), im Leasing-Geschäft und im dynamisch wachsenden Investment-Banking stark. 2001 erwarb die Société Général von der Deutschen Bank für knapp eine Milliarde Euro die Gefa und deren Tochter Auto Leasing Deutschland (ALD) und gewann damit mit einem Schlag eine europäische Statur in diesem Sektor. In Deutschland gehört das Institut seither über die ALD Lease Finance GmBH, die mit der konzerneigenen Bank Deutsche Kraftfahrzeug-Gewerbebank (BDK) zusammenarbeitet, zu den führenden Akteuren im klassischen Autoleasing für Privatkunden. Auch beim Management von Fahrzeugflotten von Unternehmen (ALD Automotive Germany) ist sie einer der Marktführer. Gleiches gilt für die Vermietung und den Service von Computersystemen für Unternehmen oder das Leasing von Kränen und Lkws. Darüber hinaus sind in Deutschland auch die Verbraucher-Kredittochter Cetelem sowie Boursorama, größter Online-Finanzdienstleister und Finanzportal Frankreichs, vertreten. Letzter firmiert unter seinem früheren Namen Fimatex und ist die Nummer vier unter den Online-Brokern. Die Société Général Asset Management ist als weltweit achtgrößter Vermögensverwalter ein „Global Player“, wie deren Chef Alain Clot sagt, mit starken Bastionen auch in den USA und in Asien. Entsprechend ambitioniert sind die Ziele in Deutschland: Bis 2011 will die Bank hier an Konkurrenten wie Fidelity, Credit Suisse, Goldman Sachs oder JP Morgan vorbeiziehen und zur Nummer fünf des Sektors werden. Im Retail-Banking tut sich das Institut dagegen schwer. Im heftig umkämpften Heimatmarkt, der mehrheitlich von genossenschaftlichen Instituten kontrolliert wird, stößt die Bank an ihre Grenzen, die Gewinne sind rückläufig. Während die BNP Paribas über die vor allem im Westen der USA tätige Banc West sowie die italienische BNL zwei starke Retail-Banking-Bastionen im Ausland hat, ist die Société Générale in diesem Sektor immer noch sehr stark auf Frankreich konzentriert. Doch das will das Management nun mit aller Macht ändern – und denkt dabei vor allem auch an den deutschen Markt. Deutschland soll, so ist aus dem Unternehmen zu hören, neben Frankreich das zweite Kernmarkt der Bank werden.

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