Banken: Société Générale: Probleme mit der Risikokontrolle

Banken: Société Générale: Probleme mit der Risikokontrolle

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Der Skandal bei der Société Générale offenbart grundlegende Probleme der Banken bei der Risikokontrolle.

Der Skandal bei der Société Générale offenbart grundlegende Probleme der Banken bei der Risikokontrolle.

Wenn der Händler Jérôme Kerviel bei seinen Kollegen überhaupt auffiel, dann durch seinen Fleiß. Der war so ausgeprägt, dass er sich den Aufforderungen seines Vorgesetzten, Urlaub einzureichen, über Monate widersetzt haben soll. Warum er dies tat, weiß seit Donnerstag vergangener Woche die ganze Welt. Denn da krachte das von ihm errichtete Kartenhaus aus Scheingeschäften und falschen Passwörtern zusammen und erschütterte das ohnehin angeschlagene Vertrauen in die Finanzinstitute. Die Société Générale, Frankreichs zweitgrößte Bank, verlor durch Kerviels Dax-Spekulationen fast fünf Milliarden Euro und gilt seitdem als Übernahmekandidat. Deshalb sprang ihr sogar Staatspräsident Nicolas Sarkozy zur Seite und verkündete, dass das Institut französisch bleiben müsse.

Wie konnte es zu dem Desaster kommen? Der 31-jährige Kerviel sei ein Einzelgänger gewesen, habe „persönliche Probleme“ gehabt, hieß es sofort nach Bekanntwerden des Skandals. Die Botschaft dahinter: Ein verschrobenes Genie hat mit einem Höchstmaß an krimineller Energie die Abwehrmechanismen überlistet. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass der Handel wie eine Droge, eine Sucht sei – eine Einschätzung, die das Bild des kleinen Mannes ergänzt, der zwei Nummern größer sein will, als er ist.

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Das dürfte aber nur die halbe Wahrheit sein. Der Handelsüberwachungsstelle (HÜSt) der deutsch-schweizerischen Terminbörse Eurex waren Kerviels Positionen schon im November aufgefallen. Die Aufseher schrieben einen Brief an die für interne Kontrolle zuständige Stelle der französischen Großbank. Die Antwort war aber wohl derartig unbefriedigend, dass sie noch einen Brief hinterher-schoben. Die Reaktionen seien ausgefallen, „als ob der Händler bei dem Briefschreiber auf dem Schoß gesessen hätte“, heißt es in Frankfurter Börsenkreisen. Offenbar gingen die Antworten auf die Briefe nicht nur nach Frankfurt, sondern auch an mindestens drei Stellen in der Bank. Auch das Risikomanagement der Deutschen Börse war routinemäßig mit dem Fall beschäftigt. Bei Future-Geschäften müssen immer sogenannte Margins hinterlegt werden, das sind Gelder, die für eventuelle Zahlungsverpflichtungen bereitstehen. Allein für mögliche Nachschussverpflichtungen dürfte die Bank den Börsen-Risikomanagern über eine Milliarde Euro nachgewiesen haben. „Das kann kein Händler tun“, sagt ein Frankfurter Experte.

Der Fall zeigt nach Einschätzung von Fachleuten auch strukturelle Probleme vieler Banken bei der Steuerung und Kontrolle von Risiken. „Es gibt eine große Kluft zwischen dem Risikomanagement und der Risikokontrolle“, sagt Andreas Hackethal, Bankenprofessor an der Goethe Business School der Universität Frankfurt. In den Banken hätten sich „Silos“ entwickelt, die Mitarbeiter aus Front und Back Office, also aus Bereichen mit Kundenkontakt und Verwaltung, verstünden oft zu wenig von den spezifischen Problemen des jeweils anderen Bereichs. Das fange schon bei der Ausbildung an, zudem sei das Wissen der Kontrolleure oft veraltet. Deshalb hielten deren Methoden nicht immer mit der Produktentwicklung Schritt. Und in Einzelfällen seien sie schlicht zu oberflächlich, etwa, wenn nur Nettopositionen überprüft würden. „Jemand, der beide Seiten kennt, hat einen Riesenvorteil“, sagt Hackethal. Das meint auch die Berliner Betrugsermittlerin Birgit Galley, die Unternehmen bei der Bekämpfung von Mitarbeiterkriminalität berät: „Es ist immer ein Risiko, wenn Angestellte, die die Kontrollmechanismen kennen, in eine Fachabteilung wechseln.“

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