Banken: Weichspüler im harten Stresstestprogramm

Banken: Weichspüler im harten Stresstestprogramm

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Bankensykline von Frankfurt

von Mark Fehr, Silke Wettach und Cornelius Welp

Ein neuer, angeblich härterer Stresstest für Europas Finanzinstitute soll Klarheit über die Krisenfestigkeit der Branche bringen. Doch der Plan droht auch diesmal zur Farce zu werden.

Stresstests haben Konjunktur. Nach dem Beben in Japan hat Brüssel für Europas Kernkraftwerke Belastungsproben angekündigt. Sie sollen zeigen, ob die Meiler unvorhergesehenen Extremereignissen standhalten können, ohne die allgemeine Sicherheit zu gefährden.

Die Atomangst lässt fast in Vergessenheit geraten, dass sich auch Europas größte Geldhäuser einem Krisenszenario stellen müssen. Die Ergebnisse des finanziellen Gesundheitschecks werden voraussichtlich im Juni veröffentlicht. Der oberste EU-Bankenkontrolleur, Andrea Enria, hat bereits angekündigt, nicht zimperlich mit seinen Schäfchen umzugehen. Immerhin steht auch der Ruf der gerade erst gegründeten europäischen Bankenaufsicht EBA auf dem Spiel.

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Doch der Test dürfte lasch ausfallen. Die EBA schlampt bei der Kontrolle der von den Banken gelieferten Daten und geht allzu schonend mit ausfallgefährdeten Staatsanleihen um. Auch die nationalen Regulierer fürchten sich laut Kritikern davor, die Probleme ihrer Institute transparent zu machen. „Es ist doch allgemein bekannt, welchen Banken es schlecht geht“, sagt ein hochrangiger Frankfurter Banker.

Selbst Kreise der Finanzaufsicht haben erhebliche Zweifel am Sinn des Verfahrens und attestieren dem Prozedere nur „beschränkte Aussagekraft“. Der Test hätte nur dann das erwünschte Ergebnis, heißt es bei der Ratingagentur Fitch, wenn gleichzeitig die allgemeinen wirtschaftlichen Verunsicherungen und die Sorgen um mögliche Staatspleiten in der Euro-Zone sänken. Das sei aber kaum zu erwarten.

Der angelaufene Test simuliert, was ein Konjunktureinbruch in den Bankbilanzen anrichten würde. Die Folgen wären steigende Arbeitslosigkeit, Verbraucherinflation sowie fallende Häuser- und Aktienpreise. Die Banken berechnen zurzeit, wie viele ihrer Kredite ausfallen könnten und wie stark ihr Vermögen und Eigenkapital schrumpfen würden. Die Ergebnisse müssen sie bis Mitte kommenden Monats über die nationalen Aufsichtsbehörden an die EBA melden.

Der erste öffentliche europäische Banken-Stresstest unter der Ägide der EBA-Vorgängerin CEBS endete im Sommer 2010 mit einer Farce. Von 91 getesteten Instituten waren lediglich sechs durchgefallen, trotzdem brach nur wenige Wochen später der Finanzsektor Irlands spektakulär zusammen. Und das, obwohl alle irischen Banken die Prüfung bestanden hatten. Eine solche Peinlichkeit darf den Aufsehern auf keinen Fall wieder passieren. Deren neuer starker Mann will daher um jeden Preis den Eindruck vermeiden, die Banken nicht hart genug ranzunehmen. „Es wird mehr Konflikte geben, weil wir nicht nach Kompromissen suchen“, hat Enria angekündigt. Ist seine kampfeslustige Rhetorik nur heiße Luft – und wie streng sind die Tester wirklich?

Stresstests sollen den Marktteilnehmern offenbaren, ob die Banken für den Fall einer neuen Krise gewappnet sind. Die Grundidee lautet: Transparenz schafft Vertrauen. Das ist auch drei Jahre nach Ausbruch der weltweiten Finanzkrise immer noch nicht wiederhergestellt. Wenn die Spieler nun die Karten auf den Tisch legen, schaffen sie Klarheit über ihre tatsächliche Finanzkraft. Sollte sich bei dem Verfahren ergeben, dass sie zu wenig Kapital haben, müssten sie dieses aufnehmen. Das System wäre wieder robust. Vorbild für die europäischen Bemühungen sind die USA, die bereits 2009 einen Stresstest durchführten, die Banken anschließend rekapitalisierten und damit die Märkte deutlich beruhigten.

Vertrauen statt Kontrolle

Neu beim diesjährigen europäischen Test ist, dass die Aufsicht auch erfasst, welche zusätzlichen Finanzierungskosten die Banken im Krisenfall zu schultern haben. Die kurzfristigen Zinsen steigen im Szenario um 1,25 Prozentpunkte. Daraus soll berechnet werden, was die Institute aufwenden müssen, um sich im Notfall frisches Kapital zu besorgen. Verluste bei Wertpapieren müssen die Banken aber wie im Vorjahr nur dann erfassen, wenn sie die Anlagen im Handelsbuch ausweisen, von wo aus sie diese jederzeit verkaufen können. Werden die Papiere dagegen ins Bankenbuch gepackt, das Anlagen enthält, die bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden, müssen die Banken keine Wertkorrekturen vornehmen.

An dieser Praxis gibt es starke Kritik: Denn der Test erfasst nur unzureichend die möglichen finanziellen Schäden durch Staatsanleihen kriselnder EU-Staaten wie Griechenland, Irland oder Portugal, die bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden. Gehen Länder pleite, drohen europäischen Banken zwangsläufig auch dann Milliardenverluste (siehe Grafik), und nicht nur durch den Verkauf vor Fälligkeit. Zudem ist der Stresstest bei den Staatsanleihen auch deshalb fragwürdig, weil er den Banken überlässt, ob sie diese Anlagen als Handelspapiere verbuchen oder sie bis Fälligkeit halten wollen.

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