100 Prozent Grupp: Nicht nur Anleger, auch Banker sollen bluten

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kolumne100 Prozent Grupp: Nicht nur Anleger, auch Banker sollen bluten

Kolumne von Wolfgang Grupp

Wenn die EU künftig Anleger und Gläubiger an der Rettung maroder Banken beteiligen will, muss sie auch die Manager zur Rechenschaft ziehen, die für den Schlammassel verantwortlich sind.

Auf den ersten Blick klingt es logisch. Wenn Banken künftig mit Geldern der EU-Steuerzahler gerettet werden, sollen auch die Anleger und Gläubiger ihren Beitrag dazu leisten. Nach dem Motto: Wer direkt oder indirekt Geld daran verdient, dass Banken zocken, der soll auch dafür bluten, wenn das Spiel schief geht. Ausgenommen wären lediglich Sparer, deren Einlagen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro sicher bleiben.

Doch dieser Gedanke greift zu kurz. Denn es kann nicht sein, dass die Hauptakteure des bösen Spiels sich eine goldene Nase verdienen und nach dem Desaster mit ihren Millionen an der Côte d’Azur oder in der Karibik ein paradiesisches Leben führen. Deshalb müssen sich Europas Regierungschef unbedingt etwas einfallen lassen, wie sie bei einer Bankenrettung auch die Chefs und Spitzenmanager der Institute für ihre Fehler zur Kasse bitten.

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Erinnern wir uns an den Januar 2007, als beim Word Economic Forum in Davos die Unternehmensberatung Oliver Wyman die irische Bank Anglo Irish als "beste Bank" der Welt auszeichnete. Die Chefs hatten den Börsenwert innerhalb von sieben Jahren um mehr als 2000 Prozent gesteigert. Doch dann kam die Finanzkrise und der bis dahin so gelobte Anglo-Irish-Chef David Drumm entpuppte sich als einer der schlimmsten Kapitalvernichter und dreister Lügner obendrein.

Als sein bisheriges Geschäft wie ein Kartenhaus zusammenbrach, flunkerte er der irischen Zentralbank vor, sieben Milliarden Euro zum Überleben zu brauchen. Diese Zahl, sagte er allerdings zu einem Kollegen am Telefon, habe er sich nur „aus dem Arsch gezogen“. Am Ende musste die EU 30 Milliarden Euro überweisen. Und Drumm? Anglo Irish existiert heute nicht mehr, Drumm selbst entschuldigte sich lediglich für seine Ausdrucksweise und lebt weiter in Saus und Braus in den USA.

Keine höhere Abfindung Ex-HRE-Aktionäre scheitern vor Gericht

Ehemalige Aktionäre der verstaatlichten Hypo Real Estate sind vor dem Landgericht München mit einer Klage gegen den staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin gescheitert. Sie wollten eine höhere Abfindung vom Bund.

Quelle: dapd

Erinnern wir uns an Georg Funke, den einstigen Chef der Hypo Real Estate. Die Münchner Bank musste 2008 mit Milliardenspritzen und dreistelligen Milliardengarantien des deutschen Steuerzahlers gerettet und verstaatlicht werden. Funke jammert heute, er werde öffentlich beschimpft, klagt ansonsten aber vor dem Arbeitsgericht auf eine millionenschwere Abfindung.

Erinnern wir uns an Dirk Nonnenmacher, der 2009 als HSH-Nordbank-Chef einen Bonus von 2,9 Millionen Euro erhielt, obwohl die Bank staatlich gerettet werden musste. Er selbst hat vier Millionen Abfindung bekommen und muss sie allenfalls dann zurückzahlen, wenn er strafrechtlich belangt wird.

Und vergessen wir auch nicht Martin Blessing, den Chef der Commerzbank, und seinen Vorgänger Klaus Peter Müller, der das Institut heute als Aufsichtsrat kontrolliert. Die Commerzbank musste mit Milliarden an Steuergeldern vor dem Kollaps bewahrt werden. Trotzdem sind Blessing und Müller noch im Amt. Blessing muss sich lediglich bei seinen Gehaltsforderungen bescheiden geben, weil der Staat ihm aufgrund der Rettung nur 500.000 Euro im Jahr zubilligt.

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Aus diesen Erfahrungen müssen die Politiker Konsequenzen ziehen. Von einem bestimmten Stichtag an muss klar sein: Wirtschaften Bankenmanager ein Institut in den Abgrund, gibt es Geld vom Steuerzahler nur, wenn auch die Chefs für ihre Fehler haften.

Jeder Familienunternehmer spürt sofort an seinem Geldbeutel oder am Kontostand, wenn er sich vergaloppiert hat und die Einnahmen ihm deswegen einbrechen oder er von seinem Vermögen Kapital nachschießen muss.
Das muss auch für Banker gelten. Wenn der Staat ihre Fehler ausbügelt, muss er sich einen Teil des Geldes von den Verantwortlichen holen. Das kann über eine besondere Besteuerung passieren oder aber durch klare Haftungsregeln. Gäbe es diese, wäre auch der Aufsichtsrat entlastet. Wer für die Schäden, die er anrichtet, einstehen muss, kommt erst gar nicht auf die Idee, so große Räder zu drehen, dass die Rechnung dafür nur von der Allgemeinheit beglichen werden kann.

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