Risiko der Banken messen
Bild: dpaJP Morgan Chase
Die nach Vermögenswerten größte US-Bank JP Morgan Chase sieht ihre Teilbereiche derart hoch angesehen, dass sie sich gut verkaufen würden. Im Übrigen verfüge die Bank über Liquiditätsrserven in Höhe von fast 400 Milliarden Dollar. Schon vor zwei Wochen vor dem Finanzausschuss des Senats hatte Firmenchef Jamie Dimon angesichts eines Milliardenverlustes durch Fehlspekulationen beteuert, dass JP Morgan im Fall der Fälle nicht vom Steuerzahler gerettet werden müsste.
Bild: REUTERSDie Bank of America bleibt im öffentlichen Teil ihres Testaments ähnlich vage wie die übrigen Institute. Sie spricht unter anderem von unbestimmten Käufern (darunter „nationale, internationale und regionale Finanzinstitute“), die im Falle einer Pleite Teile der Bank übernehmen würden. Der Steuerzahler müsse nicht zur Hilfe kommen.
Bild: dpaDie Bank unter Firmenchef Vikram Pandit beteuert, im Fall einer Pleite abgewickelt werden zu können. Und zwar in einer Weise, die kein systemisches Risiko berge, die die Finanzmärkte nicht in Aufruhr bringe und keine Milliarden von den Steuerzahlern notwendig mache.
Bild: REUTERSLaut dem Notfallplan würde die Investmentbank „rasch“ Geschäftsteile oder Vermögenswerte verkaufen und damit eine Liquidation vermeiden. Der Branchenprimus nutzt derweil sein Testament auch, um die ganze Übung indirekt als sinnlos zu bezeichnen. „Die Umstände, die zu einem Kollaps einer für das System wichtigen Institution führen, werden wahrscheinlich andere sein als in diesen Annahmen vorgegeben“.
Bild: dpaMorgan Stanley
Die Investmentbank Morgan Stanley mit ihrer weltgrößten Broker-Sparte würde ebenfalls „abtrennbare“ Teile verkaufen. Man habe Vorsorge getroffen, dass eine Abwicklung keine Panik auf den Finanzmärkte auslösen würde.
Bild: REUTERSDie britische Großbank kommt für das Szenario ihres Untergangs im öffentlichen Teil des Testaments mit einer halben Seite aus. Darin heißt es unter anderem, die Notfallpläne seien so ausgeklügelt, dass im Falle einer Pleite eine Katastrophe auf den Finanzmärkten nicht zu erwarten sei.
Bild: dpaDie Deutsche Bank deutet an, dass die US-Regulierer im Erstfall die deutsche Bankenaufsicht BaFin umgestört operieren lassen sollten. Dann sei die im Notfall zu gründende Überbrückungsbank in der Lage, die US-Firmenteile mit Liquidität zu versorgen.
Bild: dapdDie Credit Suisse wartet mit drei verschiedenen Szenarien jeweils für den Schweizer, den amerikanischen und den britischen Markt auf. So sollen die wichtigsten Geschäfte im Fall einer Pleite in eine Überbrückungsbank überführt werden. Außerdem, so heißt es vage weiter, beinhalte der Plan „eine beträchtliche Anzahl vorbereitender Maßnahmen, um eine zügige und effektive Auflösung“ zu erreichen.
Bild: REUTERSDie Schweizer Großbank begnügt sich mit einem Absatz am Ende des öffentlich zugänglichen Dokuments. Darin heißt es unter anderem, dass die Zahl der potentieller Käufer von UBS-Geschäften angesichts der schieren Größe der Bank begrenzt sei. „Die wahrscheinlichsten Kandidaten wären die Konkurrenten der UBS“.
JP Morgan Chase
Die nach Vermögenswerten größte US-Bank JP Morgan Chase sieht ihre Teilbereiche derart hoch angesehen, dass sie sich gut verkaufen würden. Im Übrigen verfüge die Bank über Liquiditätsrserven in Höhe von fast 400 Milliarden Dollar. Schon vor zwei Wochen vor dem Finanzausschuss des Senats hatte Firmenchef Jamie Dimon angesichts eines Milliardenverlustes durch Fehlspekulationen beteuert, dass JP Morgan im Fall der Fälle nicht vom Steuerzahler gerettet werden müsste.
Werden die höheren Kapitalpolster laut Basel III Bankenpleiten wie Lehman verhindern?
Die höheren Eigenkapitalquoten sorgen dafür, dass die Aktionäre einer Bank stärker für Verluste haften und weniger Risiken bei den Gläubigern, also den Kreditgebern, hängen bleiben. Allerdings wird der Anteil des Fremdkapitals auch nach Umsetzung der Basel-III-Vorschriften in den Bankbilanzen noch sehr hoch sein.
Um höhere Kapitalquoten zu erreichen, werfen die Banken gerade massenhaft notleidende Kredite und Randgeschäft aus den Bilanzen. Dadurch werden sie kleiner, wie es Politiker und Finanzaufseher wünschen. Ist damit alles in Ordnung?
Noch besser ist es, einen direkten Preis für Größe und Vernetzung zu verlangen. Systemrelevante Institute müssen dann für die Gefahren zahlen, die sie für die Finanzmärkte verursachen. Aus den über Steuern oder Versicherungsbeiträge eingesammelten Gebühren lassen sich notfalls spätere Rettungsaktionen finanzieren, ohne dass die Staatskasse haften muss. Die wissenschaftliche Herausforderung ist nun, Systemrisiko zuverlässig zu messen. Die politische Herausforderung ist es, notwendige Daten für derartige Indikatoren zu erheben, diese öffentlich zu machen und schließlich im Interesse von Investoren und Einlegern, ordnungspolitisch nach ihnen zu handeln.
Wie wird sich der Finanzsektor dadurch ändern?
Wenn Größe zu teuer für die Banken wird, werden Management und Aktionäre im eigenen Interesse dafür sorgen, ihre Häuser kleiner und damit weniger gefährlich zu machen. Es ist wie in der Industrie: Solange etwa die Verschmutzung der Luft durch Fabriken kostenlos ist, werden sie der Umwelt schaden. Dieses Verhalten ändert sich erst, wenn der Ausstoß von Abgas gemessen und mit Gebühren belegt wird.
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Alle Kommentare lesen17.09.2012, 10:57 UhrAnonymer Benutzer:rolf
Man sollte schon den Mut haben, Banken Pleite gehen zu lassen, auch dann wenn einiges an Vermögen verloren geht. Die Leute sollten sich schon selbst gut überlegen, wo und für was sie ihr Geld anlegen und von Finanzprodukten, die sie selbst nicht verstehen, die Finger lassen.
16.09.2012, 20:57 UhrAnonymer Benutzer:MV_
@allesverloren
Seit dem 11.09.2001 wurden bis heute (16.09.2012) 19.612 islamische Attentate mit mindestens einem Todesopfer verübt. Sagen Sie mal, sind Sie noch zu retten?
16.09.2012, 00:08 UhrAnonymer Benutzer:allesverloren
Banken die hohe Gehälter oder hohe Boni auszahlen sollten nicht mehr gerettet werden. Das muss auch klar kommuniziert werden. Man sollte renitente Manager unmittelbar rausschmeissen.
Die Politik sollte auch eine Dividendenverbot beschließen, bis die Banken 20% und mehr an Eigenkapital aufgebaut haben. Das Dividendenverbot sollte unmittelbar und strafbewehrt sein.
Der Rest sollte verstaatlich werden, um sie kontrolliert abzuwickeln.
Leider stellen die Banken heute ein höheres Risiko dar als Al Qaida und die Salafisten zusammen.