Absturz einer Privatbank: Zoff ums Sal.-Oppenheim-Erbe

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Absturz einer Privatbank: Zoff ums Sal.-Oppenheim-Erbe

von Jürgen Berke, Henryk Hielscher und Cornelius Welp

Die Schlacht der Ex-Milliardäre um das Erbe des traditionsreichen Bankhauses geht in die entscheidende Phase. Ehemalige Geschäftspartner machen sich gegenseitig vor Gericht für ihre Vermögensverluste verantwortlich. Zugleich beginnt der Ausverkauf.

Es gibt diesen Moment, da öffnet sich auch bei sonst so kühl kalkulierenden Investoren das Herz. Die 80 Eigentümer der Kölner Sport- und Konzerthalle Lanxess Arena spüren das jedes Mal auf ihrer jährlichen Gesellschafterversammlung. Zieht sich die Diskussion über Mieten und Renditen zu sehr in die Länge, genießt manch einer den tollen Ausblick. Vom Konferenzraum direkt unter der imposanten Dachkonstruktion aus Stahl lässt sich die gesamte Halle mit ihrem Fassungsvermögen von maximal 20 000 Zuschauern überblicken. Einer, der dabei war, empfindet bei dem Anblick auch Stolz: Zu Lebzeiten im Stadtbild einen zweiten Fixstern neben dem Kölner Dom geschaffen zu haben, das tröstet über Durststrecken hinweg – auch wenn der Miteigner dies öffentlich nie zugeben würde.

Zum Schwelgen in Erinnerungen werden die Gesellschafter in Zukunft noch mehr Zeit haben. Denn der Bauherr der 1998 unter dem Namen Köln-Arena eröffneten zweitgrößten Mehrzweckhalle Europas – ein vom Troisdorfer Projektentwickler Josef Esch gemeinsam mit dem Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim aufgelegter geschlossener Immobilienfonds – bereitet den Verkauf vor. Das geht aus internen Protokollen und Unterlagen hervor, die die WirtschaftsWoche einsehen konnte. Auf der letzten Gesellschafterversammlung am 25. September, an der neben Fondsgeschäftsführer Esch auch Georg Baron von Ullmann und Thomas Bscher als Vertreter der ehemaligen Sal.-Oppenheim-Gesellschafter teilnahmen, wurden die Ausstiegspläne erstmals vorgelegt und diskutiert. Gelingt der Coup, winkt den Anlegern ein Erlös von mehr als einer halben Milliarde Euro – Geld, dass einige Fondszeichner dringend brauchen.

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Die Geschichte von Sal. Oppenheim

  • 1789

    Salomon Oppenheim gründet in Bonn eine Bank

  • 1798

    Umzug nach Köln

  • ab 1837

    Mit der Finanzierung von Eisenbahnen und dem Einstieg ins Versicherungsgeschäft steigt die Bank auf

  • 1938

    Auf Druck der Nazis Umbenennung in Pferdmenges & Co. (bis 1947)

  • 1964

    Alfred von Oppenheim (gest. 2005) wird Chef und baut die Betreuung reicher Privatkunden auf

  • 1989

    Verkauf der Anteile an der Colonia Versicherung, Beginn der Zusammenarbeit mit Josef Esch

  • 1993

    Ex-Bundesbank-Präsident Karl Otto Pöhl führt Sal. Oppenheim.

  • 1998

    Matthias Graf von Krockow folgt ihm.

  • 2005

    Mit dem Kauf der BHF Bank wird Sal. Oppenheim zur größten Privatbank Europas. Esch-Projekte wie der Neubau der Kölner Messe geraten in die Kritik.

  • 2008

    Die Bank macht erstmals Verlust

  • 2009

    Durch die Pleite des Handelskonzerns Arcandor, mit dem die Bank über Kredite und Aktienbeteiligung eng verbunden ist, gerät Sal. Oppenheim in eine existenzbedrohende Krise

  • 2010

    Die Deutsche Bank übernimmt Sal. Oppenheim komplett.

  • 2012

    Zahlreiche Prozesse von Anlegern wegen Verlusten bei Oppenheim-Esch-Fonds. Die Staatsanwaltschaft Köln erhebt Anklage gegen die Ex-Bankführung und Josef Esch, Prozessbeginn wohl Anfang 2013

Vor allem die ehemals persönlich haftenden Gesellschafter des Bankhauses Sal. Oppenheim, die Adelsfamilien Oppenheim, Ullmann und Krockow – alle auch im Arena-Fonds investiert – suchen nach Auswegen aus einer akuten Notlage. Einst standen sie auf den Ranglisten der reichsten Deutschen weit oben, doch inzwischen haben sie sich mit ihren oft kreditfinanzierten Investments an den Rand des persönlichen Ruins manövriert. Bei einigen übersteigen die aufgenommen Kredite das vorhandene Privatvermögen deutlich.

Zugleich machen etliche reiche Kunden die ehemalige Sal.-Oppenheim-Führungsriege für ihre Vermögensverluste bei den Fonds verantwortlich und haben Klage eingereicht. Viele frühere Geschäftspartner liegen miteinander im Clinch, und so bilden jetzt Gerichtssäle die Kulisse einer Nibelungensaga, in der es um Geld, Gier und Genugtuung geht.

Privatbank Das Leben der Oppenheims nach dem Absturz

Drei Jahre nach der Beinahepleite von Sal. Oppenheim stehen die Eigentümerfamilien vor dem Abgrund. Das Geld ist weg, das Ansehen auch. Das Leben der Kölner Adelssippe nach dem Absturz.

Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Zentrale Schlachtfelder

Auf drei zentralen Schlachtfeldern wird der Kampf um das Erbe von Sal. Oppenheim ausgefochten:

Madeleine Schickedanz, Tochter des Quelle-Gründers Gustav Schickedanz, will ihren tiefen Fall nach der Pleite des Handelskonzerns KarstadtQuelle vor Gericht stoppen und streitet vom 18. Dezember an gegen frühere Geschäftspartner aus dem Oppenheim-Esch-Umfeld um insgesamt 1,9 Milliarden Euro. Die Quelle-Erbin präsentiert sich dabei als Marionette in einem Milliardenspiel. Doch geheime Dokumente wecken Zweifel an ihrer Version.

Auch enttäuschte Anleger des Oppenheim-Esch-Immobilienfonds drohen mit einem Prozessmarathon durch die Instanzen und kämpfen um die Rückabwicklung mehrerer Fonds. Hier geht es um Streitwerte von mehreren Hundert Millionen Euro.

Wenn nun das gemeinsam von Sal. Oppenheim und Esch aufgebaute Immobilien-Imperium peu à peu abgewickelt wird, bleibt vom einstmals so traditionsreichen Geldhaus nicht viel übrig. Die ehemalige Bankführung muss sich zudem gegen eine Reihe strafrechtlicher Vorwürfe zur Wehr setzen. Nach Informationen der WirtschaftsWoche steht eine weitere Anklage unmittelbar bevor, zudem hat die Staatsanwaltschaft Köln ein weiteres Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Verfahren werden das angeschlagene Image der Bank weiter ramponieren.

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