Ackermann-Rücktritt: Ende einer Schnapsidee

KommentarAckermann-Rücktritt: Ende einer Schnapsidee

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank AG, Josef Ackermann

von Cornelius Welp

Ein unrühmliches Ende für den Chef Deutschlands größter Privatbank: Josef Ackermann verzichtet auf den Aufsichtsratsvorsitz bei der Deutschen Bank. Zum Glück.

Das Ende der Karriere des ebenso viel geschmähten wie gerühmten Bankchefs Josef Ackermann kommt überraschend, wirkt unrühmlich - und ist doch folgerichtig. Ackermanns unerwarteter Rückzieher von der Kandidatur als Aufsichtsratsvorsitzender dürfte jedenfalls nicht einmal in der Deutschen Bank für allzu viel Trauer sorgen. Das hat der Schweizer nun selbst erkannt – spät, aber rechtzeitig. Dass Münchner Staatsanwälte im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess in der vergangenen Woche auch sein Büro durchsuchten, dürfte dabei allenfalls der Anlass und nicht die Ursache für den Entschluss gewesen sein – wenn sich in den umfangreichen Prozessakten nicht noch bisher unbekanntes Beweismaterial findet.

Ackermanns Wunsch, entgegen aller Vorschriften der Corporate Governance im kommenden Jahr den Vorsitz im Aufsichtsrat zu übernehmen, war von Beginn an eine Schnapsidee. Vor Jahren schon hatte er das selbst erkannt und sich entsprechend geäußert. Dass er sich umstimmen ließ, war eine schwere Fehlentscheidung des erfahrenen Machtspielers: So ist schon zweifelhaft, ob ihm Investoren in ausreichender Zahl bei diesem Durchmarsch gefolgt wären.

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Ackermann glaubte wohl, die durch den Nachfolgestreit mit dem amtierenden Kontrollgremiumschef Clemens Börsig zermürbte Bank durch seine Kandidatur befrieden zu können. Das Gegenteil wäre der Fall gewesen. In Teilen des Vorstands traf sein Ansinnen auf tiefes Unverständnis. Die ohnehin fragile Konstellation einer Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen hätte mit einem Oberkontrolleur Ackermann nie funktioniert. Denn auch wenn er und Investmentbankchef Anshu Jain sich öffentlich lobend übereinander äußerten, war in Wahrheit das Gegenteil der Fall: Das Verhältnis zwischen beiden ist zerrüttet. Jain dürfte es Ackermann vermutlich nie verzeihen, dass er ihn – aus seiner Sicht - als Chef verhindern wollte und dabei als Prototyp des gewissenlosen Zockers darstellte. Vor Querschüssen aus Ackermanns Ecke wäre er nie ganz sicher gewesen.

Vermutlich ist Ackermann letztlich auch ein Opfer seines eigenen Erfolgs – und vielleicht auch seiner PR-Strategen. Die haben ihn solange gekonnt als unersetzbares Finanzgenie positioniert, bis nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch er selbst daran glaubte. Ackermann ist ohne Zweifel ein großartiger Finanzfachmann, dessen Rat – allen Anfeindungen zum Trotz – in aller Welt gefragt und – nicht nur im Interesse der Deutschen Bank - wünschenswert ist. Aber er ist kein alles andere überstrahlender Superheld. Und, nein, er hat die Deutsche Bank nicht ganz allein relativ unbeschadet durch die Krise gesteuert. Das Verdienst kann sich vermutlich – wenn es einem Einzelnen überhaupt gebührt - Risikovorstand Hugo Bänziger ans Revers heften.

Seine Nachfolger Fitschen und Jain sind jetzt noch mehr gefordert als vorher. Sie müssen das Erscheinungsbild des Instituts, das wirtschaftlich solide dasteht, von den Schrammen der vergangenen Monate befreien. Es geht schließlich um mehr als nur ein paar Pöstchen. Es geht um die letzte weltweit wirklich Ernst zu nehmende deutsche Bank.

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