Ältestes Geldhaus der Welt: Krisenbank Monte Paschi verschärft Sparplan

Ältestes Geldhaus der Welt: Krisenbank Monte Paschi verschärft Sparplan

Die italienische Krisenbank Monte Paschi hat am Montag einen härteren Sanierungsplan vorgestellt, mit dem sie eine Verstaatlichung abwenden will.

Das älteste Geldhaus der Welt teilte mit, auf Geheiß der EU-Kommission nun 8000 Stellen zu streichen und Kosten um 440 Millionen Euro zu senken. Ursprünglich wollte die Bank nur 4600 Jobs abbauen. Zudem will die drittgrößte Bank Italiens die Vergütungen der Spitzenmanager auf 500.0000 Euro jährlich senken und bis 2017 das milliardenschwere Engagement in italienische Staatsanleihen auf 17 Milliarden Euro von derzeit 23 Milliarden Euro reduzieren. Am Markt kam der Plan gut an: Die Monte-Paschi-Aktie schloss 6,3 Prozent höher.
Bereits im nächsten Jahr will das Finanzinstitut rund drei Milliarden Euro Staatshilfen zurückzahlen. Die komplette Rückzahlung sei bis 2017 geplant, teilte die Bank weiter mit. Dann wolle das Geldhaus auch wieder einen Nettogewinn von 900 Millionen Euro erwirtschaften. Die Bank rechne mit der Genehmigung des neuen Restrukturierungsplans durch die EU-Kommission bis zum 14. November. Dann präsentiert Monte Paschi ihre Zahlen für das dritte Quartal. Die milliardenschwere Kapitalerhöhung solle 2014 abgeschlossen werden.

Italien gefährdet Merkels Euro-Mission

  • Warum ist die Enttäuschung im Regierungslager groß?

    Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone spielt eine zentrale Rolle bei der Lösung der Schuldenkrise. Italien drücken mehr als zwei Billionen Euro Schulden, rasche Reformen sind nötig, ein Rückfall in den Krisenmodus soll vermieden werden. Kanzlerin Merkel hatte mehr oder weniger offen dafür geworben, dass der Reformkurs des parteilosen Übergangspremiers Mario Monti fortgesetzt wird. Und damit immer auch zu verstehen gegeben, dass eine Rückkehr von Berlusconi alles andere als wünschenswert sei.

  • War die Wahl ein Statement gegen Merkels Krisenmanagement?

    Im Grunde schon. Immerhin haben mit Berlusconi und dem Populisten Beppe Grillo zwei erklärte Gegner der Spar- und Reformpolitik der deutschen Kanzlerin etwa die Hälfte aller Stimmen erhalten. Und Merkels Favorit Mario Monti, der versucht hatte, Italien vor der Pleite zu bewahren und an den Märkten neues Standing zu geben, gehört zu den Wahl-Verlierern.

  • Gibt es eine anti-deutsche Stimmung in Italien?

    Das wohl nicht. Merkel und die angebliche Hegemonie der „Tedeschi“ (ital. die Deutschen) in Europa waren im Wahlkampf aber allgegenwärtig. Berlusconi hatte gemutmaßt, Monti und Merkel hätten sich verständigt, die lange in Umfragen führenden Sozialdemokraten zu unterstützen. Das wäre eine Regierung von Merkels Gnaden gewesen, ätzte Berlusconi. Die Dementis aus Berlin und von Monti haben wohl nichts genützt.

  • Hat dies Auswirkungen auf die deutsche Europa-Politik?

    Der Wahlausgang muss Berlin zu Denken geben. Mit Sprüchen gegen die Kanzlerin hat Berlusconi im Wahlkampf unglaublich aufgeholt. Der Milliardär und Medienmogul gibt vor allem Merkel die Schuld an der Misere Italiens. In die gleiche Kerbe schlägt Ex-Komiker Grillo, der gegen „die da oben“ in Brüssel und in Berlin punktete. Der Populist holte aus dem Stand ein Viertel der Stimmen. Für den deutschen Linkenchef Bernd Riexinger kein Wunder: „Die Wut, die sich an den italienischen Wahlurnen Bahn gebrochen hat, ist imstande, die Euro-Zone zu sprengen. Merkels Sparbombe tickt!“

  • Droht nun eine Rückkehr der Euro-Schuldenkrise?

    Ja, obwohl die Krise nicht wirklich verschwunden war. Die Lage hatte sich allenfalls entspannt. Zumal sich auch für das angeschlagene Euro-Land Zypern nach langem Zögern Berlins eine Lösung bis Ende März abzeichnet. Aus der erhofften Ruhe wurde nichts: Wegen des drohenden politischen Stillstands in Italien steigen nicht nur Risikoaufschläge für italienische Anleihen, sondern die für Papiere anderer Krisenstaaten gleich mit.

  • Was bedeutet das?

    Zunächst einmal dürfte die Verschuldung des ohnehin klammen Italien weiter steigen. Befürchtet wird vor allem, dass das drittgrößte Euro-Land unter den Rettungsschirm schlüpfen muss. Der Hilfstopf ist einschließlich der Restmittel aus dem auslaufenden Fonds zwar noch gut gefüllt, könnte bei einem Schwergewicht wie Italien aber schnell an seine Grenzen stoßen.

  • Droht Deutschland eine teure Mithaftung?

    Bei Rettungshilfen an Italien steigen auch die Garantien und die Haushaltsrisiken für die deutschen Steuerzahler. Was wiederum nicht ohne Folgen für die Kreditwürdigkeit Deutschlands ist und damit Auswirkungen auf die Staatskassen hierzulande hat. Was keine guten Aussichten sind für die schwarz-gelben Wahlkämpfer um Merkel & Co.. Nicht umsonst meinte Außenminister Guido Westerwelle: „Wenn es um die Schuldenkrise in Europa geht, sitzen wir alle im selben Boot.“

  • Ist Italien das einzige Euro-Sorgenkind?

    Italien kämpft zwar mit dem zweitgrößten Schuldenstand in der Euro-Zone, einer Rezession und sinkender Wettbewerbsfähigkeit. Mit einer Schieflage Frankreichs drohen aber weit größere Probleme. Das Defizit des zweitgrößten Eurolandes steigt und steigt. Paris dürfte den Ausgang der Parlamentswahlen in Rom aber als Bestätigung für den eigenen Kurs sehen - mehr auf Wachstum setzen statt aufs Sparen.

Die Traditionsbank war im Zuge der Schuldenkrise und wegen riskanter Derivate-Geschäfte in Schieflage geraten. Die Regierung hat dem Geldhaus bereits Anfang des Jahres mit 4,1 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen. Für eine Genehmigung der Staatshilfe reichte der EU-Kommission der bisherige Sparplan aber nicht aus. Sie fordert von Monte Paschi, 2,5 Milliarden Euro am Markt aufzunehmen. Das entspricht in etwa dem Börsenwert des Instituts und wäre bereits die dritte Kapitalerhöhung seit 2008.

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