Angst bei der Deutsche-Bank-Tochter: „Das Klima ist rauer geworden in der Postbank“

Angst bei der Deutsche-Bank-Tochter: „Das Klima ist rauer geworden in der Postbank“

, aktualisiert 12. Dezember 2011, 11:27 Uhr
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Ein Angestellter der Postbank protestiert vor der Bonner Zentrale mit einer Trillerpfeife.

von Nicole Bastian und Peter KöhlerQuelle:Handelsblatt Online

Der Tarifstreit bei der Postbank ist nach dem langen Tauziehen zwar vorbei. Doch die Stimmung bei der Deutsche-Bank-Tochter ist gedrückt. Die Angst geht um, dass das Frankfurter Geldhaus 2012 hart durchgreifen könnte.

FrankfurtDer Durchbruch kam in den frühen Morgenstunden. Nach monatelangem Tauziehen und vier Tagen Streik einigten sich die Postbank und die Gewerkschaften am Freitag auf einen Kompromiss. Die Deutsche Bank wird bei ihrer neuen Tochter wie geplant etliche Jobs in externe Gesellschaften ausgliedern. Finanzkreisen zufolge handelt es sich um 1500 Stellen. Die Beschäftigten müssen aber keine Einbußen bei Gehalt und Urlaubsanspruch hinnehmen. Für neue Beschäftigte setzte die Bank durch, dass sie zu niedrigeren Gehältern und mit kürzeren Pausen eingestellt werden dürfen.

Damit dürfte an der Tariffront erst einmal wieder Ruhe einkehren. Aber der Konflikt hat Spuren hinterlassen in der Bonner Postbank, die mit 14 Millionen Klienten so viele Privatkunden hat wie kein anderes Institut des Landes. Vor drei Jahren hat sich die Deutsche Bank in einem ersten Schritt an der Postbank beteiligt, Ziel: die Übernahme und Integration in den Konzern. Sechs Milliarden Euro lässt sich die Deutsche Bank die Übernahme insgesamt kosten. Darin enthalten ist die voraussichtliche Aufstockung von 52 auf knapp 92 Prozent im kommenden Februar, wenn sie weitere Aktien von der Deutschen Post AG übernehmen kann.

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Lange haben die Beschäftigten der Postbank von dieser Großübernahme im deutschen Bankgewerbe reichlich wenig mitbekommen. Ein paar gemeinsam vertriebene Produkte, umständlichere Abstimmungen, einige neue Gesichter in Vorstand und Aufsichtsrat, mehr nicht. Doch das hat sich spätestens mit dem Konflikt um die Tarifverträge geändert. Durch die Integration der Postbank will die Deutsche Bank 700 Millionen Euro sparen. Das geht nicht nur über günstigeren Einkauf.

"Das Klima ist rauer geworden in der Postbank", berichtet ein Beschäftigter in der Zentrale. Es geht die Angst um, dass die übermächtige Konzernmutter aus Frankfurt vor allem bei der Postbank streicht und kürzt, das eigene Haus aber weitgehend schont.
Mit der Übernahme treffen zwei Welten aufeinander: Hier die Blauen in Frankfurt, dort die Gelben in Bonn. Hier die global aufgestellte Investmentbank mit dem Anspruch für das gehobene Banking, dort der Spezialist für standardisiertes Massengeschäft in Deutschland. Hier ein Institut, in dem sich die Gewerkschaften extrem schwertun, dort das frühere Staatsunternehmen, in dem der Anteil der in der Gewerkschaft organisierten Beschäftigten weit über dem Branchendurchschnitt liegt und das immer noch Tausende von Beamten beschäftigt.


Beide Seiten müssen sich finden.

Bei früheren Übernahmen galt die Deutsche Bank als nicht gerade zimperlich, was die Integration angeht. Diesmal soll es eigentlich anders laufen. Doch Arbeitnehmervertreter der Postbank sprechen von einer veränderten Atmosphäre durch die Deutsch-Banker. Und in der Postbank fürchtet auch so mancher Manager, dass die neue Mutter in Zukunft wenig Rücksicht nehmen wird, wenn es um die angestrebte Senkung der Kosten geht. Die Postbank war bisher spitze darin, Prozesse zu standardisieren und dadurch Kosten zu senken. Doch die Personalkosten sind hoch - der Deutschen Bank zu hoch.

Um einen Euro zu verdienen, sollen nach der vollständigen Integration weniger als 60 Cent aufgewendet werden, im dritten Quartal waren es im Postbank-Konzern noch fast 90 Cent. Der von der Deutschen Bank entsandte Vertriebsvorstand Frank Strauß muss die Ziele der Mutter durchsetzen und gleichzeitig diplomatisches Geschick beweisen. "Beide Seiten können sicherlich beim Stichwort Unternehmenskulturen im Privatkundengeschäft voneinander lernen. Für die Deutsche Bank beispielsweise war bis zur Übernahme der Postbank der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen nie ein Thema", meint Strauß. Bei dem Spartentarifvertrag vom Freitag wurde der Ausschluss bis 2014 vereinbart.

Das Postbank-Management und allen voran Postbank-Vorstandschef Stefan Jütte steht zwischen den Ängsten der Beschäftigten und den Vorgaben der Deutschen Bank. Jütte ist bemüht, die bei den Streiks entstandenen Ängste wieder zu lindern. "Man muss auch deutlich machen, dass vieles bei der Postbank bestehen bleibt.

Das ist nicht selbstverständlich, wenn man sich andere Bankfusionen anschaut", meint der 65-jährige Manager. "Die Marke Postbank bleibt erhalten, die Filialen, das BHW, die Postbank-Finanzberatung und auch das Firmenkundengeschäft werden ebenfalls weitergeführt, und auch die Zentrale in Bonn bleibt erhalten." Im Bonner Management ist die offizielle Lesart deshalb, dass die Deutsche Bank "gefühlvoll" mit der neuen Tochter umgeht.


Die Vorgaben sind ambitioniert

Beide Seiten wissen, dass man sich zusammenraufen muss, denn die Vorgaben sind ambitioniert. Kosten- und Ertragssynergien zusammen sollen für beide Banken mittelfristig eine Milliarde Euro bringen. Hier "liegen wir im Plan", sagt Strauß. In Bankkreisen heißt es, alleine 2012 würden es voraussichtlich mehr als 200 Millionen Euro sein.

Aber beim Stellenabbau muss die Postbank bisher mehr Federn lassen. Alleine in der Hauptverwaltung dürften im Zuge der Integration rund 300 Stellen frei werden, die nicht neu besetzt werden. In weiteren Bereichen dürften Tarifverträge neu verhandelt werden. Auch sollen im Postbank-Vorstand mindestens zwei Posten wegfallen.

Die ruhigen Zeiten, das hat nicht zuletzt der Streik gezeigt, sind für die Postbank vorbei. Doch nicht nur dort. Auch bei der Deutschen Bank zeichnen sich durch die Übernahme Veränderungen ab. Kommendes Jahr starten die ersten gemeinsamen IT-Plattformen. Zudem gewinnt die mächtige Gewerkschaft Verdi nach Vollzug der Fusion mehr Einfluss im Aufsichtsrat der Mutter. "Durch diesen Abschluss konnte möglicherweise auch eine Wende im Deutsche-Bank-Konzern eingeläutet werden", glaubt Verdi-Vorstandsfrau Beate Mensch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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