Anklage gegen Deutsche-Bank-Co-Chef: Das Dilemma des Jürgen Fitschen

KommentarAnklage gegen Deutsche-Bank-Co-Chef: Das Dilemma des Jürgen Fitschen

von Cornelius Welp

Mit der Anklageerhebung gegen Jürgen Fitschen stellt sich die Frage nach seiner Zukunft an der Spitze der Deutschen Bank: Fitschen muss nicht gehen. Aber er kann.

Jürgen Fitschen muss nicht zurücktreten. Dafür ist der Druck nicht hoch genug. Auch jetzt, da offiziell feststeht, dass sich der Co-Chef der Deutschen Bank ab Ende April vor Gericht wegen versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren wird verantworten müssen, kann er im Amt bleiben. Sein Aufsichtsrat wird ihn kaum nachdrücklich zum Rückzug drängen, auch die Finanzaufsicht Bafin kann ihn nicht zur Demission zwingen.

Mit voraussichtlich einem Verhandlungstag pro Woche ist der zeitliche Aufwand des Prozesses in München zwar beachtlich, aber doch so überschaubar, dass Fitschen noch Zeit für das Tagesgeschäft bleibt. Zudem gilt die Unschuldsvermutung. Und angesichts der bisher bekannten Beweislage ist es durchaus möglich, dass der Prozess letztlich das bestätigt, was der Co-Chef der Bank immer gesagt hat. Dass er „weder gelogen noch betrogen“ hat und den Gerichtssaal als freier Mann verlässt. Fitschen, das ist klar, will kämpfen, er fühlt sich schlicht ungerecht behandelt und will seine Unschuld beweisen.

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Die Protagonisten im neuen Kirch-Prozess

  • Jürgen Fitschen

    Im Duo mit dem Investmentbanker Anshu Jain steht der gebürtige Niedersachse seit Juni 2012 an der Spitze des größten deutschen Geldhauses. Kurz nach seinem Antritt als Co-Chef der Deutschen Bank verordnete der inzwischen 66-Jährige dem Frankfurter Finanzriesen einen „Kulturwandel“. Als ehrenamtlicher Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) würde er dabei am liebsten gleich die ganze Branche mitreißen.

  • Rolf Breuer

    Es waren nur wenige Sätze, die der damalige Chef der Deutschen Bank im Januar 2002 in ein Reportermikrofon sprach. Breuer zweifelte in dem kurzen Gespräch die Kreditwürdigkeit Leo Kirchs an. Wenig später ging dessen Medienkonzern unter. Kirch machte dafür zeitlebens Breuer und die Deutsche Bank verantwortlich. Breuer steht für den Aufstieg der Deutschen Bank unter die großen Geldhäuser der Welt. Nachdem er 1997 das Ruder übernommen hatte, baute er gegen Widerstände das Investmentbanking aus. Von 2002 bis 2006 war Breuer Aufsichtsratschef. Der Abschied von diesem Posten kam nicht ganz freiwillig: Schuld war auch die Causa Kirch.

  • Josef Ackermann

    Der Schweizer wurde 2002 Nachfolger Breuers - als erster Ausländer auf diesem Posten. Ackermann, bis Ende Mai 2012 Chef der Deutschen Bank, war wie kaum ein Banker für viele eine Reizfigur. Ob sein Millionengehalt oder offene Worte zu schwierigen Finanzproblemen: Der meist freundlich lächelnde Manager hatte den Ruf eines knallharten Bankers. Zwei zum Siegeszeichen erhobene Finger im Mannesmann-Prozess 2004 haften ihm bis heute als Symbol von Arroganz an. In der Finanzkrise präsentierte sich der heute 67-Jährige geläutert: Er räumte Fehler der Banken ein.

  • Peter Noll

    Der grüne Hobby-Politiker hat als Richter reichlich Erfahrung mit Wirtschaftsbossen und Bankern. Je komplizierter die Fälle, desto mehr bemüht er sich um klare Sprache und Sachlichkeit. Bei schwierigen Themen bittet er Angeklagte oder Zeugen auch mal darum, es so zu erklären, dass es auch ein „kleiner bayerischer Richter“ verstehen kann - oder warnt aufgewühlte Anwälte davor „unter der Decke zu kreisen“. Zuletzt sorgte er mit der Einstellung des Bestechungsprozesses gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone gegen 100 Millionen Dollar Geldauflage für Aufsehen.

Jenseits formaler Dimensionen und des Wunsches nach Gerechtigkeit stellt sich aber die dringende Frage, ob ein Verbleib im Amt für die Bank in ihrer jetzigen, ohnehin schwierigen Situation sinnvoll ist. Es gibt durchaus Gründe, die dafür sprechen. So hat Fitschen in den bisherigen drei Jahren seiner Amtszeit sehr gut mit seinem Partner Anshu Jain harmoniert. Bei einem Fitschen-Ersatz könnte das deutlich weniger gut klappen.

Zudem genießt er bei den Unternehmenskunden großes Ansehen und ist innerhalb der Bank zudem vermutlich der Vorstand, der über alle Lager hinweg die höchste Akzeptanz genießt.

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Andererseits stellt sich die Frage, ob Fitschen das Bemühen der Deutschen Bank um Kulturwandel und Rückgewinnung verlorener Reputation noch glaubhaft nach außen verkörpern kann, wenn er Woche für Woche wegen einer Straftat vor Gericht steht.

Hinzu kommt: Er ist 66 Jahre alt. Fitschen ist kein Mann der Zukunft, wie es Josef Ackermann war, als der als amtierender Deutsche-Bank-Chef wegen möglicher Untreue bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone auf der Anklagebank saß. Ursprünglich sollte Fitschens Amtszeit ohnehin 2015 enden. Und jetzt, da die Bank nach einer neuen Strategie sucht, könnte diese auch durch einen personellen Neubeginn an der Spitze symbolisiert werden. Ohne, dass der Schritt notwendigerweise ein Schuldeingeständnis ist.

Fitschen ist für die Bank wichtig, aber nicht unersetzbar. Er hat eine klare Aussage zu seiner Zukunft bisher vermieden, aber vieles deutete darauf hin, dass er bleibt. Er muss auch nicht zurücktreten. Aber er muss es sich gut überlegen.

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