Aufsicht verschärft Regeln: Banken sollen ihre Schatztruhen füllen

Aufsicht verschärft Regeln: Banken sollen ihre Schatztruhen füllen

, aktualisiert 23. November 2011, 12:19 Uhr
Bild vergrößern

Das Banken-Viertel in Frankfurt am Main.

Quelle:Handelsblatt Online

Die EU-Bankenaufsicht Eba will, dass die Banken mehr Geld auf die hohe Kante legen. Das kann die deutschen Banken härter treffen als sie bisher erwartet haben. Denn ihre Chancen, frisches Geld zu besorgen, sind begrenzt.

Frankfurt/MainEs ist paradox: Diejenigen, die eigentlich dafür sorgen sollten, dass die Anleger wieder Vertrauen zu den Banken bekommen, sorgen nun für Unsicherheit. Grund dafür ist das Gerücht, die europäische Bankenaufsicht Eba wolle die Kapitalhaltungsvorschriften verschärfen. Die Folge davon wäre ein erhöhter Kapitalbedarf bei zahlreichen Geldinstituten, insbesondere bei deutschen Banken.

Die EU will das verlorengegangene Vertrauen in die Banken wiederherstellen, indem sie die 70 größten Institute Europas dazu zwingt, ihr hartes Kernkapital bis Juni 2012 einheitlich auf neun Prozent der risikogewichteten Aktiva aufzustocken. Bisher schienen die 13 größten deutschen Banken glimpflich davongekommen zu sein. Im Oktober hatte die Eba noch positive Nachrichten verkündet, wonach nur vier der deutschen Banken ihr Kernkapital auf zusammen 5,2 Milliarden Euro aufstocken müssten.

Anzeige

Nun droht eine Verschärfung der Kriterien, nach denen die Kernkapitalquote berechnet wird. Die könnte zu einer starken Erhöhung des Kapitalbedarfs führen - vor allem bei deutschen Instituten. Die Kritik an der Eba wächst, vor allem von dem Bundesverband der Banken kam heftiger Gegenwind. Sollten die Aufseher ihre Stresstests weiter verschärfen, werde man erheblichen Widerstand leisten, sagte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Verbands. Auch BdB-Chef Andreas Schmitz zeigte kein Verständnis für den Schwenk der Eba: "Regulierungsschritte dürfen nicht heute so, morgen anders und übermorgen wieder anders aussehen."

So plant die Eba etwa, dass stille Reserven nicht mehr vollständig als Eigenkapital gewertet werden können. Zudem gilt laut einem Bericht der "Börsenzeitung" bereits als sicher, dass von den Instituten gehaltene Staatsanleihen nicht mehr wie bisher zu Preisen von Ende September, sondern zu Marktpreisen von Ende Juni angerechnet werden sollen. Allein das erhöhe schon den Kapitalbedarf.

Das heftigste für die deutschen Banken ist jedoch, dass sie ihre Buchgewinne aus Positionen von Staatsanleihen nur noch eingeschränkt verrechnen können sollen. Das dürfte sie sehr ärgern, erzielten sie doch dank steigender Kurse für deutsche Staatsanleihen derzeit besonders gute Buchgewinne. Vor allem im Vergleich zu anderen europäischen Geldinstituten haben sie einen hohen Anteil von deutschen Staatsanleihen. Vielen Geldinstituten, etwa der Commerzbank dürfte auch die neue Regel zu schaffen machen, nach der die schlechten Ergebnisse der Banken aus dem dritten Quartal in die Berechnungen mit einfließen sollen.

Aber auch französische und die ohnehin schon stark angeschlagenen spanischen Banken könnten die neuen Regeln stark treffen.

Vor allem die südeuropäischen Banken haben damit zu kämpfen, dass ihnen die Kunden davon laufen. Einem Bericht des „Wall Street Journals“ zufolge, der sich auf eine Studie der Citigroup bezieht, sanken die Einlagen bei fünf der sechs größten Banken Spaniens im dritten Quartal. Allein Santander verlor Einlagen von Unternehmen und anderen Institutionen in Höhe von neun Milliarden Euro – das sind rund zehn Prozent der gesamten Anlagesumme dieser Kundengruppe bei dem Geldinstitut.


Neue Regeln frühestens nächste Woche

Fest stehen die neuen Vorschriften jedoch offenbar noch nicht. Sie sollen frühestens nächste Woche verkündet werden. Die Eba wolle die Zahlen zunächst den EU-Finanzministern vorstellen, die sich am 30. November treffen. Die Bankenaufsicht selbst kündigte lediglich an, die Ergebnisse im Laufe des November vorlegen zu wollen.

Auch seitens der Politik wurde die geplante Verschärfung der Regeln bereits kritisiert. So sagte der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, gegenüber Handelsblatt Online: "Leider ist die an sich wichtige Arbeit der Eba ein schlechtes Beispiel dafür, wie europäische Institutionen nicht funktionieren. Statt klare Kriterien für die Eigenkapitalanforderungen der Banken festzulegen, steigt durch die anhaltende Änderung der Parameter die Verunsicherung."

Ein größerer Kapitalbedarf könnte dazu führen, dass viele Institute gar zu neuerlichen Staatshilfen greifen müssen. Gestern kamen Gerüchte auf, dass etwa die arg gebeutelte Commerzbank statt wie unter den bisher geltenden Regeln 2,9 Milliarden Euro mit den neuen Regeln fünf bis sechs Milliarden Euro zusätzliches frisches Geld benötigt. Ein Sprecher der Bank wollte das nicht kommentieren. Die Commerzbank-Aktie verlor am Dienstag bis zum Handelsschluss über 15 Prozent auf 1,15 Euro.

Bislang hatten sich die meisten europäischen Institute zuversichtlich gezeigt, die neuen Anforderungen aus eigener Kraft zu schaffen. Den bisherigen Berechnungen zufolge sah die Eba einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 106 Milliarden Euro bei den europäischen Banken.

Mit den verschärften Kriterien wachsen die Zweifel, ob die Commerzbank die größere Lücke wirklich aus eigener Kraft stopfen kann. Wie das gelingen soll, sei ihm nicht klar, sagte etwa Equinet-Analyst Philipp Häßler. In der Branche wird schon bezweifelt, ob das Institut die 2,9 Milliarden Euro allein stemmen kann.

Im dritten Quartal hatte die Commerzbank wegen neuerlicher Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen einen Verlust von fast 700 Millionen Euro verbucht. Das Institut hatte Ende September noch rund 13 Milliarden Euro in Staatsanleihen der Krisenländer Griechenland, Italien, Irland, Portugal und Spanien investiert.

Die Commerzbank hatte erst im Frühjahr bei einer großen Kapitalerhöhung elf Milliarden Euro eingesammelt und damit einen großen Teil der in Finanzkrise erhaltenen Staatshilfen abgebaut. Ob Investoren noch einmal frisches Geld zuschießen, gilt angesichts der schlechten Lage des gesamten Bankensektors in Europa als zweifelhaft. Damit könnte die Bank, die immer noch zu gut einem Viertel im Besitz des Bundes ist, erneut Stütze vom Staat in Anspruch nehmen müssen. Commerzbank-Chef Martin Blessing will dies unbedingt vermeiden.

Den Blitz-Stresstest hatte die europäische Politik beim letzten Krisengipfel Ende Oktober vereinbart. Die Eba soll ermitteln, wie viel Geld die Institute brauchen, um auch bei diversen Krisenszenarien auf eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen. Die Institute sollen bis Ende Juni 2012 Zeit bekommen, die errechneten Lücken zu schließen.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%