Aufsichtsrat: Schließung von Karstadt-Häusern wird sehr teuer

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Aufsichtsrat: Schließung von Karstadt-Häusern wird sehr teuer

Karstadt-Aufsichtsratsmitglied Arno Peukes von der Gewerkschaft Verdi hat vor hohen Kosten bei einer harten Sanierung der angeschlagenen Warenhauskette gewarnt.

Die Schließung zahlreicher Kaufhäuser wird Karstadt nach Einschätzung von Aufsichtsratsmitglied Arno Peukes mehrere hundert Millionen Euro kosten. "Zehn bis 15 Millionen Euro allein für Sozial- und fortlaufende Immobilienverträge", sagte Peukes dem "Tagesspiegel" laut Vorabbericht vom Sonntag. Das mache bei 20 bis 30 Häusern, die zur Disposition stehen, mindestens 300 Millionen Euro. "Dieses Geld steckt man besser in die Erhaltung der Standorte, statt Tausende Arbeitsplätze zu vernichten", sagte Peukes, der als Leiter des Fachbereichs Einzelhandel bei der Gewerkschaft Verdi die Arbeitnehmerseite im Karstadt-Kontrollgremium vertritt. Umfangreiche Filialschließungen werde er deshalb nicht akzeptieren. "Wehrlos werden weder Verdi noch der Betriebsrat einen Kahlschlag hinnehmen."

Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.


Der neu formierte Aufsichtsrat will am Donnerstag über die Sanierungspläne für die 83 Warenhausfilialen mit insgesamt rund 17.000 Beschäftigten beraten. Der neue Karstadt-Eigner Rene Benko hatte nach der Übernahme der angeschlagenen Warenhauskette Mitte August eine Reihe von Vertrauten in den Aufsichtsrat des Essener Konzerns entsandt. Die frisch bestellten Aufsichtsräte ersetzen Vertreter des Finanzinvestors Nicolas Berggruen, der Benko die mit Verlusten und Umsatzrückgängen kämpfende Kette für den symbolischen Preis von einem Euro überlassen hat. Verdi hatte Benko aufgefordert, rasch Klarheit über seine Pläne mit Karstadt zu schaffen und ein tragfähiges Konzept für die Zukunft der Kette vorzulegen. Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl hatte die Beschäftigten bereits auf harte Einschnitte eingestimmt und hinter die Überlebensfähigkeit von mehr als 20 Häusern ein Fragezeichen gesetzt.

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Aufsichtsratsmitglied Peukes sprach sich unterdessen für eine Wiedervereinigung der traditionellen Karstadt-Filialen mit den Premium- und Sporthäusern aus. "Ich halte es aus wirtschaftlicher Sicht für sinnvoll, wenn alle an einem Strang ziehen", sagte er dem Blatt. Der österreichische Immobilienspezialist Benko ist im deutschen Einzelhandel kein Unbekannter - hatte Berggruen der Benko gehörenden Signa Holding doch bereits vergangenes Jahr die Mehrheit an den Filetstücken des Traditionskonzerns wie dem KaDeWe in Berlin, dem Alsterhaus in Hamburg und dem Oberpollinger in München sowie den Sporthäusern übertragen. Signa besitzt auch zahlreiche Karstadt-Immobilien. Mit der Übernahme durch Benko leben auch Spekulationen um eine Zusammenführung mit der Metro -Tochter Kaufhof wieder auf. Benko hatte sich in der Vergangenheit erfolglos auch um eine Übernahme dieser Warenhauskette bemüht.

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