Aufsichtsratssitzung: Stephan Engels wird neuer Finanzchef der Commerzbank

Aufsichtsratssitzung: Stephan Engels wird neuer Finanzchef der Commerzbank

, aktualisiert 02. Dezember 2011, 13:48 Uhr
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Bei der Commerzbank werden heute wichtige Weichen gestellt.

Quelle:Handelsblatt Online

In Frankfurt tagt der Aufsichtsrat - und es ist eine besonders wichtige Sitzung. Denn das Gremium muss entscheidende Weichen für die Zukunft stellen. Ein Ergebnis gibt es schon: Stephan Engels wird neuer Finanzvorstand.

FrankfurtDer Mercedes-Manager Stephan Engels wird neuer Finanzvorstand der teilverstaatlichten Commerzbank. Der Aufsichtsrat des Frankfurter Dax-Konzerns berief den 49-Jährigen am Freitag in den Vorstand. Engels soll voraussichtlich zum 1. April 2012 Nachfolger von Finanzchef Eric Strutz werden, wie die Commerzbank nach der Sitzung des Kontrollgremiums mitteilte. Strutz (46) hatte im August angekündigt, dass er seinen Ende März 2012 auslaufenden Vertrag aus privaten Gründen nicht verlängern möchte.

Der gebürtige Hamburger Engels ist seit 2007 Leiter Finance & Controlling des Autobauers Mercedes-Benz und Leiter Group Controlling und Reporting der Daimler AG. Zuvor war er Finanzvorstand - unter anderem der Daimler-Chrysler-Bank und der DaimlerChrysler Services AG - sowie Mitglied des Executive Committee Mercedes Benz Cars.

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Diese Personalie war aber nur eines von vielen wichtigen Themen, die der Aufsichtsrat der Commerzbank auf ihrer heutigen Sitzung zu besprechen hat. Das Institut leidet darunter, dass die immensen Bestände an Staatsanleihen dem Konzern angesichts der Schuldenkrise immer größere Probleme bereiten. Sie sind der Grund dafür, dass die Commerzbank den europäischen Stresstest nicht bestehen wird. Der Kapitalbedarf dürfte bei 5,0 Milliarden Euro liegen.

Die Commerzbank will diese Lücke ohne staatliche Hilfe schließen und versucht das mit einem ganzen Bündel aus Maßnahmen. Zum einen will die Bank Gewinne einbehalten. Außerdem will sie Risikogeschäft im Umfang von 30 Milliarden Euro abbauen. Nach Angaben der Welt bietet die Bank dazu Kunden aus strategisch weniger wichtigen Märkten an, Kredite vorzeitig zurückzuzahlen. Auch Kapitalmaßnahmen zieht die Bank in Erwägung. So will sie Hybridanleihen, die nicht zum Kernkapital zählen, gerne in Aktien umtauschen oder in Zwangswandelanleihen, die von der Europäischen Bankenaufsicht EBA als Kernkapital akzeptiert werden.


Verhandlungen über die Eurohypo

Auch die Zukunft der Krisentochter Eurohypo dürfte auf der Sitzung besprochen werden. Es gibt unterschiedliche Optionen, noch aber keine Festlegung auf einen bestimmten Weg. Eine finale Entscheidung wird der Aufsichtsrat heute vermutlich aber noch nicht treffen.

Zu den Denkmodellen zählt vor allem die Auslagerung in eine staatliche Abwicklungsbank, hieß es im Konzern. Die Bundesregierung möchte aber eine komplette Auslagerung verhindern, heißt es in Berliner Kreisen. Die Commerzbank liebäugelt jedoch bereits seit längerem mit der Auslagerung von Teilen.

In Finanzkreisen heißt es, dass die Bundesregierung in Brüssel darüber verhandelt, dass die Commerzbank die Eurohypo nicht wie geplant verkaufen muss. Zum Verkauf gibt es mehrere Alternativen: Die Eurohypo könnte zerschlagen werden. Die schlechten Teile - das Staatsfinanzierungsgeschäft und eventuell der marode Teil des Immobiliengeschäfts - kämen wie derzeit diskutiert in eine staatliche Abwicklungsbank. Der gesunde Teil könnte dann ins Mittelstandsgeschäft der Commerzbank integriert oder verkauft werden.

Derweil gab es heute für die Commerzbank und die anderen deutschen Banken gute Nachrichten: Die ohnehin milliardenschwere Kapitallücke, die sie bis Juni 2012 schließen müssen, wird nicht noch größer. Die EU-Bankenaufsicht EBA habe beschlossen, an die Kapitaldecke der Institute nicht noch höhere Maßstäbe anzulegen als geplant.


Welche Maßnahmen im Gespräch sind

Damit müssen die fünf betroffenen deutschen Banken zusammen voraussichtlich 9,6 Milliarden Euro aufbringen, wie es in Regierungs- und Finanzkreisen hieß. Erste Berechnungen nach einem „Blitz-Stresstest“ im Oktober hatten für die deutschen Institute nur eine Lücke von knapp 5,2 Milliarden Euro ergeben.

Die im Oktober vorläufig ermittelte Zahl von 106 Milliarden Euro für die 70 wichtigsten europäischen Banken dürfte angesichts der Verluste im dritten Quartal ebenfalls noch gestiegen sein. Allein die Commerzbank braucht nach Reuters-Informationen fünf Milliarden Euro: Ihr Aufsichtsrat will am Freitag darüber beraten, wie sie die Lücke zu der geforderten harten Kernkapitalquote von neun Prozent schließen will, ohne dass Vorstandschef Martin Blessing noch einmal um Staatshilfe bitten muss.

Im Gespräch ist laut Finanzkreisen ein Paket von Maßnahmen, das einen Rückkauf von Hybridanleihen, die Ausgabe von Zwangswandelanleihen (“CoCo-Bonds“) und eine Härtung der 750 Millionen Euro schweren Stillen Einlage der Allianz einschließt. Ein Befreiungsschlag für die Bank wäre eine Trennung von Teilen des Immobilienfinanzierers Eurohypo, die in die Hand des Staates gehen könnten. Entscheidungen wurden aber für Freitag noch nicht erwartet.

Nach einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ plant die Bank bis Mitte 2012 mit einer Milliarde Euro Gewinn, mit dem die Kapitaldecke aufgestockt werden kann. Dazu kommt der Abbau von Bilanzrisiken um rund 30 Milliarden Euro. Diese müssten dann nicht mehr mit drei Milliarden Eigenkapital unterlegt werden. Dabei will Deutschlands zweitgrößte Bank dem Bericht zufolge Kunden in strategisch weniger wichtigen Märkten wie Russland oder Tschechien anbieten, Kredite vorzeitig zurückzuzahlen. „Das ist zwar betriebswirtschaftlich Wahnsinn, aber die Kapitalquote ist im Moment leider wichtiger“, zitierte die Zeitung einen Commerzbank-Manager.


Zeit bis Mitte Januar

Der Streit unter den Aufsehern hat die Ermittlung und die Veröffentlichung des endgültigen Kapitalbedarfs schon um mehr als zwei Wochen verzögert. Zuletzt drehte sich dieser um die unterschiedliche Berechnung des Eigenkapitals in europäischen Ländern. Die von der EBA geforderte Vereinheitlichung wäre vor allem zulasten der deutschen Institute gegangen. Das habe die deutsche Bankenaufsicht BaFin aber abgewendet, sagten mehrere Insider. Vor der Veröffentlichung soll am nächsten Mittwoch der Aufsichtsrat der EBA letzte Hand anlegen. Spätestens dann soll auch klar sein, in welchem Ausmaß Banken „CoCo-Bonds“ zur Deckung der Lücke verwenden dürfen, die sich erst in der Krise in Eigenkapital verwandeln.

Wegen der langen Unsicherheit über die Kriterien hatten die deutschen Bankenverbände die EBA gebeten, den Geldhäusern bis Mitte Januar Zeit für die Ausarbeitung ihrer Pläne zur Kapitalaufstockung zu geben. Bisher galt dafür eine Frist bis Weihnachten. In dem von Reuters eingesehenen Antwortbrief hat EBA-Chef Andrea Enria erstmals Bereitschaft signalisiert, den Instituten mehr Zeit zu geben. Vor allem die Landesbanken mit Kapitalbedarf - LBBW und NordLB - müssen die Maßnahmen in ihren Gremien noch abstimmen.

Der Deutschen Bank fehlen Finanzkreisen zufolge rund 2,8 Milliarden Euro. Die Lücke könne sie mit den erwarteten Gewinnen und einer leichten Reduzierung der Bilanzrisiken schließen - ohne eine Kapitalerhöhung. Die DZ Bank, die nach vorläufigen Berechnungen von einer Aufstockung verschont worden wäre, muss etwa 350 Millionen Euro aufbringen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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