Commerzbank: Was der Umbau bringen soll

Aufspaltung der Mittelstandsbank: Was der Commerzbank-Umbau bringen soll

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Die Commerzbank will offenbar ihre Mittelstandsbank aufspalten.

von Saskia Littmann

Die Commerzbank denkt offenbar darüber nach, ihre Mittelstandsbank aufzuspalten, ausgerechnet das einstige Aushängeschild der Bank. Welche Vor- und Nachteile ein solcher Umbau des Firmenkundengeschäfts hätte.

Die Commerzbank plant offenbar, ausgerechnet ihr einstiges Kerngeschäft, die Mittelstandsbank, aufzuspalten. Wie das "Handelsblatt" berichtet sollen kleinere mittelständische Unternehmen künftig in der Privatkundensparte mitbetreut werden, das Geschäft mit größeren, international agierenden Firmenkunden dürfte demnach in die Investmentbank von Vorstand Michael Reuther rutschen. Das Investmentgeschäft soll dafür noch weiter reduziert werden, um Risikopositionen aus dem Wertpapierhandel abzubauen.

Die Umbaupläne sind Teil der neuen Strategie, an der Vorstandschef Martin Zielke zurzeit arbeitet. Laut dem Bericht sind die Überlegungen noch nicht endgültig, sie seien aber die "favorisierte Option". Die Commerzbank wollte sich dazu auf Nachfrage nicht äußern.

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Kostenseitig hätte die Aufteilung wohl durchaus Charme. Mittelstandsbank und Investmentbank würden Synergien nutzen, vor allem in der Mittelstandsbank dürften viele Arbeitsplätze abgebaut werden. Besonders im Backoffice, also der Verwaltung, will man mit der Zusammenlegung wohl viele Arbeitsplätze einsparen. Schon seit längerem heißt es in der Bank, bis zu 25 Prozent der Stellen in der Mittelstandsbank könnten wegfallen. Bisher war der Bereich von Kürzungen weitestgehend verschont geblieben, im ersten Halbjahr lag die Zahl der Mitarbeiter im Schnitt bei 5684. Laut "Handelsblatt" hielten viele Kritiker das Segment für überdimensioniert.

So soll das neue Filialnetz der Commerzbank aussehen

  • Flagship-Filialen

    Die Commerzbank hat aktuell 1.050 Filialen mit 12.000 Mitarbeitern. Langfristig sollen an zentralen Standorten – an Bahnhöfen, in Fußgängerzonen - 65 bis 100 Flagship-Filialen entstehen, die sich sowohl an Geschäfts- als auch an Privatkunden richten und auch die Vermögensberatung – Stichwort: Wealth Management - übernehmen. Die ersten dieser Filialen wurden in Berlin und Stuttgart getestet. "Das hat im Großen und Ganzen funktioniert", sagte Privatkundenvorstand Michael Mandel. Die nächsten sollen in Bochum, Bremen und Hannover eröffnet werden.

  • Klassische Filialen

    Die klassische Filiale mit einer Kasse sowie den typischen Schalterbeamten und den entsprechenden Beratungsangeboten soll erhalten bleiben.

  • Beratungsfilialen

    Zusätzlich soll es reine Beratungsfilialen geben. Geld einzahlen, abheben oder Währungen wechseln geht hier nicht.

  • Cityfiliale 2.0

    In den geplanten Cityfilialen werden Kunden die alltäglichen Bankgeschäfte erledigen können, aber keine Beratung für komplexe Finanzprodukte  bekommen. Für eine Baufinanzierung oder Vermögensberatung müssen die Kunden größere Zweigstellen aufsuchen.

Analysten äußerten Zweifel daran, ob ausgerechnet der einstige Vorzeigebereich und Markenkern, die Mittelstandsbank, aufgespalten werden sollte. Die Frage sei wohl, so ein Analyst, wie eine solche Aufspaltung seitens der Kunden wahrgenommen würde. Vor allem kleinere Firmenkunden, die künftig der Privatkundensparte zugeordnet würden, könnten sich zurückgesetzt fühlen, zumal Markus Beumer als Vorstand der Mittelstandsbank immer einen sehr engen Kontakt zu seinen Kunden gepflegt hat. Bisher zählen auch Kleinunternehmen mit 2,5 Millionen Euro Umsatz zur Mittelstandsbank.

Das Geschäft mit mittelständischen Firmenkunden war lange Zeit das Zugpferd von Deutschlands zweitgrößter Bank, das Institut gilt da als gut positioniert. Vor allem nach der Finanzkrise 2008 erholte sich der Bereich schnell und wurde zum Ertragsbringer. 2011 erwirtschaftete der Bereich vor Steuern eine Eigenkapitalrendite von 28,4 Prozent. Das Privatkundengeschäft, welches nun durch die Umbaupläne weiter gestärkt werden könnte, kam lediglich auf 11,1 Prozent.

Neue Machtverteilung

Die Verhältnisse haben sich allerdings gedreht. Die niedrigen Zinsen treffen das Geschäft mit Firmenkunden hart und dampfen die Margen ein, im Gegensatz zum Privatkundengeschäft können die Negativzinsen auf Einlagen kaum durch mehr Kreditvergabe kompensiert werden, da Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit und der Anleihekäufe seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) immer weniger Kredite nachfragen. Im ersten Halbjahr brach das operative Ergebnis in der Mittelstandsbank gegenüber dem Vorjahr um fast 40 Prozent ein, die Eigenkapitalrendite vor Steuern lag auf das Gesamtjahr gerechnet nur noch bei 10,3 Prozent. Zum Vergleich: im Privatkundengeschäft lag die Rate bei über 30 Prozent.

Neue Strategie Warum die Commerzbank gegen den Strom schwimmt

Filialen schließen? Konten verteuern? Nicht mit Martin Zielke. Gegen den Trend will der Vorstandschef das Wachstum mit Privatkunden forcieren.

Commerzbank-Chef Martin Zielke will mit dem Privatkundengeschäft Wachstum forcieren. Quelle: dpa/Montage

Trotzdem: „Betriebswirtschaftlich wäre so eine Zusammenlegung nicht nötig“, sagt Dieter Hein, unabhängiger Analyst von Fairesearch. Die Zahlen in der Mittelstandsbank seien nicht so schlecht gewesen, dass ein solcher Schritt erforderlich wäre. Zudem ist nicht klar, ob am Ende Aufwand und Ertrag in einem guten Verhältnis stehen. "Normalerweise bringen solche Umverteilungen wenig", sagt Hein. Es käme aber auf die genaue Gestaltung des Plans an.

Die WirtschaftsWoche hatte vor einer Woche über den stärkeren Fokus auf das Privatkundengeschäft von Vorstand Michael Mandel berichtet. Demnach wollen Zielke und Mandel vorerst an ihrer auf Kundengewinnung ausgelegten Strategie festhalten und setzen im Gegensatz zu anderen Banken weiter auf kostenlose Girokonten und ein umfangreiches Filialnetz. Insider fürchten, dass mit dieser Kostenlos-Strategie am Ende die falschen Kunden angelockt werden. Um die neue Strategie nicht auf ein massives Sparprogramm mit Kundenlockangeboten zu reduzieren, dürfte auch das Thema Digitalisierung eine große Rolle spielen. Die Commerzbank sieht sich hier als Vorreiter und will innerhalb der nächsten drei Jahre rund 80 Prozent ihres Geschäfts digitalisieren.

Während das Geschäft von Privatkundenvorstand Mandel damit weiter in den Fokus rückt, ist die Zukunft von Markus Beumer laut "Handelsblatt" nun ungewiss, es gebe konkrete Verhandlungen über eine Lösung. Es heißt, Beumer, dessen Vertrag erst im vergangenen Jahr bis 2020 verlängert worden war, arbeite aber weiterhin aktiv mit an der neuen Strategie. Beumer galt neben Martin Zielke lange Zeit als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge auf Martin Blessing als Vorstandsvorsitzender. Letztlich erhielt Zielke als Restrukturierer dann den Vorzug gegenüber Beumer.

Klarheit über den künftigen Weg der Bank wird es wohl erst in einigen Wochen geben. Ende September will Zielke seine Pläne dem Aufsichtsrat präsentieren.

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