Auslands-Kreditgeschäft: Banken drängen nach Brasilien

Auslands-Kreditgeschäft: Banken drängen nach Brasilien

, aktualisiert 30. Juli 2011, 17:49 Uhr
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Blick auf den Zuckerhut in Rio de Janeiro: Der Bedarf an Bankdienstleistungen ist riesig.

von Alexander BuschQuelle:Handelsblatt Online

Die Nachfrage nach Finanzdienstleistungen ist am Zuckerhut riesig - und deshalb lukrativ für internationale Konzerne. Die lokalen Banken halten dagegen.

São PauloAusländische Banken wollen ihr Geschäft in Brasilien kräftig ausbauen; viele Finanzkonzerne haben zuletzt angekündigt, große Summen in Südamerika zu investieren. Etwa Citibank oder Santander, die auf das Einzelkundengeschäft spezialisiert sind und deshalb ihr Filialnetz kräftig ausbauen wollen. Aber auch Investmentbanken wie Deutsche Bank, Goldman Sachs oder Credit Suisse stellen derzeit neues Personal ein; das Gleiche gilt für die Vermögensverwalter UBS und HSBC.

Allein 20 Banken warten derzeit darauf, eine Banklizenz in Brasilien zu bekommen; darunter die Schweizer UBS, die 2009 in der Krise ihre lokale Investmentbank Pactual verkauft hat, nun aber wieder zurück will an den Zuckerhut. Der Personalbestand von heute 312 Mitarbeitern soll, so der Plan, bis nächstes Jahr auf mindestens 550 Banker wachsen. "Wir wollen wieder eine der führenden Investmentbanken Brasiliens sein und werden dabei nicht an Investitionen sparen", sagt Eduardo Centola, CEO der UBS-Investmentbank in Brasilien.

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"Wir werden nicht sparen."

Centola ist nicht allein. Auch Goldman Sachs und Credit Suisse planen, ihr Personal vor Ort noch in diesem Jahr um ein Fünftel aufstocken. Die Deutsche Bank hat in den vergangenen zwei Jahren mehr als die Hälfte der heute 360 Banker eingestellt - und will weiter expandieren. Bei JP Morgan heißt es, die Zahl der Mitarbeiter - bislang sind es 630 - werde in zwei Jahren verdoppelt.

Brasilien wächst rasant - und ist deshalb für die Banker so lukrativ, der Nachholbedarf an Finanzdienstleistungen riesig. Das gilt nicht zuletzt für das sogenannte Private Banking, die Betreuung vermögender Kunden. Nach einer Untersuchung der Boston Consulting Group haben reiche Brasilianer rund 330 Milliarden US-Dollar angelegt, davon 80 Prozent in Brasilien. HSBC will deshalb seine Vermögensverwaltung in drei Jahren verdoppeln. Dieses Jahr rechnet die Bank weltweit mit einer Zunahme ihres Private Bankings von sechs Prozent. In Brasilien sollen es dieses Jahr erneut über 20 Prozent sein, sagte ein Sprecher. Von derzeit 80 Mitarbeitern will die brasilianische Tochter von HSBC allein ihre Vermögensverwaltung um 30 Banker vergrößern.

Auch die Finanzierung von brasilianischen Konzernen wird immer wichtiger. Brasilien verzeichnet vor allem wegen seiner hohen Zinsen stark wachsende Kapitalzuflüsse aus dem Ausland. Im ersten Quartal des Jahres flossen 35,6 Milliarden Dollar nach Brasilien - fast 50 Prozent mehr als im gesamten Vorjahr. Es ist der historisch größte Kapitalzufluss aller Zeiten. Nuno Correia, Kapitalmarktdirektor der Deutschen Bank in Brasilien, rechnet damit, dass es so weitergeht. "Neue Investoren interessieren sich jetzt für Brasilien", sagt er. "Besonders in Europa ist das Interesse der institutionellen Anleger an brasilianischen Anleihen gestiegen."

Zusammen mit JP Morgan steht die Deutsche Bank auf Platz drei unter den Banken für das Kreditgeschäft mit dem Ausland. Bei Auslandsbonds, die nicht in Dollar notiert sind, und Corporate Bonds für andere Banken und Finanzinstitutionen sind die Deutschen in Brasilien sogar ganz vorn dabei. Im Kreditgeschäft verzeichneten nur HSBC und Santander größere Umsätze. Beide sind jedoch in Brasilien auch im Einzelkunden- und Unternehmensgeschäft mit großen Filialnetzen vertreten.

Und die ausländischen Banken wollen noch mehr, sie wollen auch die letzten Bastion der brasilianischen Banken erobern: Die Finanzierung der Unternehmen auf dem lokalen Markt in Real. Barclays, JP Morgan und Goldman Sachs bauen gerade neue Teams auf, um diesen Markt von letztjährig rund 50 Milliarden Dollar den lokalen Marktführern abzutrotzen.

Zwei Private schlagen zurück.

Doch die lokale Konkurrenz schläft nicht: Mit Itaú Unibanco und Bradesco treffen die ausländischen Institute auf zwei private Banken, die zu den dutzend größten Privatbanken weltweit gehören und in Brasilien die ganze Palette an Finanzdienstleistungen anbieten. Auch BTG Pactual ist eine der am schnellsten wachsenden lokalen Investmentbanken, die zum führenden Institut ihrer Branche in den Emerging Markets werden will.

Bisher konnten die ausländischen Banken bei Börsengängen und im Übernahmegeschäft mit ihrer weltweiten Präsenz auftrumpfen. Doch der Wettbewerbsvorteil verliert an Bedeutung. Itaú baut Niederlassungen in weltweiten Finanzzentren auf. Sie wirbt damit, eine "Global Latin American Bank" zu sein. Ihre Strategie hat Erfolg: Erstmals in diesem Jahr waren an zwei Börsengängen nicht eine ausländische Bank beteiligt, obwohl die Käufer der Aktien größtenteils ausländische Investoren waren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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