Ausstieg bei der Postbank: Halber Befreiungsschlag der Deutschen Bank

AnalyseAusstieg bei der Postbank: Halber Befreiungsschlag der Deutschen Bank

von Cornelius Welp

Mit dem Ausstieg bei der Postbank und der geografischen Fokussierung hat sich das von Anshu Jain favorisierte Zukunftsmodell durchgesetzt. Es löst kurzfristig Probleme, lässt langfristig aber Fragen offen.

Der Inhalt der Mitteilung, die die Deutsche Bank am Freitag um Punkt 23 Uhr verschickte, war dann kaum noch überraschend. Das Institut wird seine Mehrheitsbeteiligung an der Postbank aufgeben, sich aus Regionen zurückziehen, im Investmentbanking kürzen und dafür die Vermögensverwaltung und den Zahlungsverkehr stärken. Auch wenn die Bank in den vergangenen Tagen stets erklärte, dass noch keine Entscheidung gefallen sei, stand diese seit einer Sitzung des Vorstands am Mittwoch vorvergangener Woche im Grunde fest. Die zermürbende Suche nach einer neuen Strategie, die das Institut fast ein halbes Jahr gelähmt hat, ist damit zu Ende.

Die wichtigsten Aufsichtsräte der Deutschen Bank

  • Paul Achleitner

    Der frühere Allianzvorstand steht seit 2012 an der Spitze des Aufsichtsrats. Er hat den aktuellen Strategieprozess angestoßen und erklärt, dass es „keine Denkverbote“ gibt.    

  • Frank Bsirske

    Der Verdi-Chef ist zum Schrecken vieler Deutschbanker 2013 in das Gremium eingezogen. Seine Machtbasis ist die Postbank, wo die Gewerkschaft stark vertreten ist. Ein Verkauf allein des Bonner Instituts  würde die Position von Verdi in der Deutschen Bank schwächen.     

  • John Cryan

    Der Brite war früher Topmanager bei der Schweizer UBS . Er ist ein kritischer Kontrolleur vor allem von Co-Chef Anshu Jain, grundsätzlich aber dem Investmentbanking zugeneigt.

  • Dina Dublon

    Die US-Amerikanerin war Finanzchefin bei JP Morgan. Die Schwäche der Deutschen Bank ist aus ihrer Perspektive offensichtlich.

  • Katherine Garrett-Cox

    Die Chefin des britischen Vermögensverwalters Alliance Trust rückte 2011 als erste Frau auf der Kapitalseite in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

  • Timo Heider

    Der Betriebsratsvorsitzende der Postbank wird auf eine möglichst schonende Behandlung des Bonner Instituts Wert legen. Dessen beschäftigte streiken gerade, weil sie um ihre Arbeitsplätze fürchten.  

  • Alfred Herling

    Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende arbeitet seit rekordverdächtigen 46 Jahren bei der Deutschen Bank und gilt als bedächtige Integrationsfigur – auch im Lager der nicht einheitlich auftretenden Arbeitnehmer. Für ihn zählt vor allem, dass möglichst wenige Arbeitsplätze wegfallen.  

  • Henning Kagermann

    Der frühere SAP-Chef ist bereits seit 15 Jahren Mitglied des Kontrollgremiums und hat dort alle strategischen Wenden und Kehrtwenden mitgemacht.  

  • Martina Klee

    Die unabhängige Arbeitnehmervertreterin ist seit 2008 Mitglied des Aufsichtsrats. Gewählt ist sie über die Deutsche Bank, für deren Interessen wird sie sich einsetzen.

  • Peter Löscher

    Der frühere Siemens-Chef ist ein enger Vertrauter von Aufsichtsratschef Achleitner, in München teilt er sich mit ihm sogar ein Büro. Er wird Achleitners Präferenzen folgen.

  • Stephan Szukalski

    Der Chef der kleinen Gewerkschaft DBV wird vermutlich die Lösung präferieren, die die wenigsten Arbeitsplätze kostet. Die DBV ist in der Deutschen Bank stärker, anders als seine Verdi-Kollegen geht es ihm dann nicht vor allem um die Postbank.  

  • Johannes Teyssen

    Der Eon-Chef kennt die Situation, dass ein Unternehmen durch politische Vorgaben umgebaut werden muss, aus seinem eigenen Konzern bestens. Er wird darauf achten, dass die Deutsche Bank auch künftig für deutsche Großunternehmen da ist.

  • Georg F. Thoma

    Der Rechtsanwalt ist ein enger Vertrauter von Paul Achleitner. Als Vorsitzender des Integritätsausschusses muss er sich heute nicht nur mit der künftigen Strategie der Bank, sondern auch mit den Folgen des Libor-Vergleichs und des betrügerischen Handels mit CO2-Zertifikaten beschäftigen.

  • Klaus Rüdiger Trützschler

    Der ehemalige Haniel-Vorstand ist ein Mann der Deutschen Industrie. Für die soll die Deutsche Bank auch künftig da sein. Ob man dazu Filialen der  Postbank braucht.

Es ist das Modell, das vor allem Co-Chef Anshu Jain favorisierte. Anders als kolportiert, ist der frühere Chef des Investmentbankings durchaus ein Anhänger des bisher praktizierten Konzepts der Universalbank. Der Gedanke bleibt nun in deutlich abgespeckter Form erhalten. Die Bank bietet auch künftig sämtliche Finanzleistungen an, schneidet aber überall etwas ab. Damit können vordergründig alle leben. Die Bilanz schrumpft deutlich, die Kapitalausstattung ist dadurch nicht mehr ganz so kümmerlich, das löst die Probleme mit der deutlich strengeren Regulierung und beseitigt die größten Zweifel der Investoren.

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Den Arbeitnehmern stehen harte Einschnitte bevor: Sie fallen aber erst einmal auch nicht härter aus als bei der ebenfalls erwogenen kompletten Trennung vom Filialgeschäft. Und nicht zuletzt wird auch die deutsche Politik beruhigt. In Berlin hatte es große Bedenken gegen den vollständigen Rückzug aus dem Privatkundengeschäft gegeben.

Die Deutsche-Bank-Doppelspitze in Zitaten

  • Halbzeitbilanz für Jain und Fitschen

    Am 1. Juni 2012 übernahmen Anshu Jain und Jürgen Fitschen die Deutsche-Bank-Führung. Ein Rückblick in Zitaten:

  • Fitschen am 4.9.2012 in Frankfurt über die Aufgabe der Branche, Vertrauen zurückzugewinnen

    „Schöne Broschüren, wo alles richtig beschrieben ist, werden uns nicht einen Millimeter voranbringen.“

  • Fitschen am 8.11.2012 in Hamburg zur Einstufung seines Instituts als einzige systemrelevante Bank in Deutschland.

    „Die Deutsche Bank ist nicht gefährlich.“

  • Fitschen am 17.11.2012 in Berlin zur Zusammenarbeit mit Jain.

    „Anshu sagte mir einmal, dass er mit mir mehr spricht als mit seiner Frau. Das ist langfristig natürlich gar nicht gut für die Ehe.“

  • Jain am 17.11.2012 in Berlin zur Zusammenarbeit mit Fitschen.

    „Das ist tatsächlich vergleichbar mit einer Ehe. Man muss viel einbringen, aber man hat auch gemeinsame Werte.“

  • Fitschen am 17.12.2012 in Essen in Anspielung auf seinen umstrittenen Beschwerdeanruf beim hessischen Ministerpräsidenten nach der Steuerrazzia in der Deutschen Bank.

    „Ich bin etwas heiser, ich musste öfter telefonieren.“

  • Jain bei der Bilanz-Vorlage der Deutschen Bank am 31.1.2013 in Frankfurt zu den fünf Kernaufgaben des Instituts.)

    „Zuallererst Kapital, daneben Kosten, Kompetenzen, Kunden und Kultur.“

  • Fitschen bei der Bilanz-Vorlage am 31.1.2013 in Frankfurt.

    „Ein kultureller Wandel ist zwingend erforderlich.“

  • Fitschen bei der Bilanz-Vorlage am 31.1.2013 in Frankfurt über den „Kulturwandel“.

    „Wer bei uns arbeitet und diese Werte nicht respektiert, der sollte besser gehen, das haben wir jedem gesagt.“

  • Jain am 30.4.2013 in einer Telefonkonferenz nach der überraschenden Kapitalerhöhung des Konzerns.

    „Heute können wir sagen, dass der Hungermarsch vorbei ist.“

  • Fitschen bei der Hauptversammlung am 23.5.2013 in Frankfurt zur anhaltenden Kritik an Geschäften der Deutschen Bank.

    „Wir stellen uns der Kritik. Das bedeutet nicht, dass wir jedem nachgeben, der meint, die Bank an den Pranger stellen zu können.“

  • Jain zur Bilanzvorlage am 29.1.2014 in Frankfurt.

    „Wir haben gewisse Fehler gemacht. Ich übernehme dafür die Verantwortung.“

  • Jain bei der Hauptversammlung am 22.5.2014 in Frankfurt.

    „Keine deutsche Bank ist so global wie wir, keine globale Bank ist so deutsch wie wir.“

  • Fitschen bei der Hauptversammlung am 22.5.2014 in Frankfurt.

    „Wir wollen nicht nur als eine anständige Bank wahrgenommen werden, sondern wir wollen auch eine anständige Bank sein.“

  • Fitschen beim BDI-Industrietag am 23.9.2014 in Berlin.

    „Es ist ein Fakt, dass man den Banken das Vertrauen entzogen hat.“

Sichtbarster Einschnitt ist die Trennung von der Postbank. Die großen Hoffnungen, die die Deutsche Bank mit dem Einstieg 2008 verknüpft hatte, hatten sich ohnehin nur halb erfüllt. Die Synergien fielen deutlich geringer aus als geplant, zudem untersagte die Finanzaufsicht Bafin die Verwendung der Kundeneinlagen für die Finanzierung des gesamten Konzerns. Die Deutsche Bank wird sich vermutlich erst einmal nur von ihrer Mehrheit trennen und einen Minderheitsanteil behalten. Das ist auch sinnvoll so: Sie entlastet die Bilanz und kann gleichzeitig von einer möglichen positiven Entwicklung des Börsenkurses der Postbank profitieren.

Außerdem kann sie die einmal begonnen Kooperationen beim Vertrieb von Produkten beibehalten, auch die erheblichen Investitionen in die gemeinsame IT-Plattform Magellan waren in diesem Szenario nicht vergebens. Für die Postbank, die trotz aller Integrationsbemühungen nie wirklich ein Teil der Deutschen Bank geworden ist, bietet der Schnitt durchaus eine Chance. In größerer Unabhängigkeit von Frankfurt kann sie sich auf ihre Stärken fokussieren und muss nicht jeden Schritt mit der Zentrale am Main abstimmen.

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